Das Dribbling ist eine der spektakulärsten, aber auch umstrittensten Fähigkeiten eines Fußballspielers. Dribbler werden oftmals als ineffektive Schönspieler bezeichnet. Andererseits gelten ihre Fähigkeiten auch... Dribblings und wie man sie bewerten sollte (3) – Fouls, Stockfehler und mögliche Korrelationen

SpielszeneDas Dribbling ist eine der spektakulärsten, aber auch umstrittensten Fähigkeiten eines Fußballspielers. Dribbler werden oftmals als ineffektive Schönspieler bezeichnet. Andererseits gelten ihre Fähigkeiten auch als einmalig, schwer zu kopieren und für viele gehören solche Einzelspieler in jede gute Mannschaft. Allerdings ist es schwierig das Dribbling zu messen.

Eben wegen dieser vielen in gewisser Weise emotionalen Bindungen zum Dribbling, dem relativ seltenen Vorkommen in einer Partie im modernen Fußball sowie der schwierigen Beurteilung werden Dribbler untereinander oftmals nicht richtig eingeschätzt. Manche Akteure kommen auf viele Ballverluste, sind dabei aber spektakulär und es wird ihnen kaum negativ ausgelegt. Bei anderen wiederum werden kurze intelligente Dribblings nur dann bemerkt, wenn der Ball verloren geht.

Bei Dribblings trügt uns die Wahrnehmung gerne. Darum möchten wir uns in dieser Serie auf die Statistik konzentrieren. Welche Spieler gehören zu den besten Dribblern? Mit mehreren unterschiedlichen Maßeinheiten möchte ich mich dieser Frage annähern. Im zweiten Teil haben wir die Ergebnisse der jeweiligen Kategorien besprochen. Nun erläutern wir die Verhältnisse von Fouls als Teil der Dribblings und die der Stockfehler an den Gesamtballverlusten.

Wie hoch ist der Anteil an Stockfehlern bei den Ballverlusten?

Wie beim letzten Artikel stellen wir auch hier die jeweiligen statistischen Grundsachen dar, bevor die Ergebnisse der Kategorie ausgewertet werden. Allerdings gibt es bei diesen Verhältniszahlen keine „beste 20“ oder „schlechteste 20“, weswegen wir beide Enden der Tabelle darstellen möchten. Zuvor aber noch kurz die schon erwähnten statistischen Grundwerte.

Histogramm Anteil der Stockfehler an den Ballverlusten

Der Mittelwert liegt in dieser Kategorie bei 0,4166 (41,66%). Die Konfidenzintervalle reichen von 39,81% bis 43,51%. Die Standardabweichung ist ,09197, der Höchstwert liegt bei 61% und der geringste Wert bei nur 14%. Interessant ist der Median: Dieser liegt bei 43%, also an der oberen Grenze des Mittelwerts. Ursache dafür ist wieder eine große Linksschiefe von -,400. Mit -,214 Kurtosis ist die Wölbung der Kurve überaus flach.

In dieser Grafik sehen wir, welche Spieler am öftesten den Ball durch Stockfehler verlieren. Nicht vergessen: Dies ist keine Qualitätsangabe, sondern zeigt eher die Stärken und Schwächen in technischer Hinsicht beim Spieler in puncto Ballannahme vs. Ballmitnahme. (Grafiken zum Vergrößern anklicken!)

Obere20 Anteil der Stockfehler an den Ballverlusten

Ganz vorne liegt etwas überraschend Mesut Özil. Mit seiner engen Ballführung und schwachen Physis erscheint es jedoch durchaus logisch, dass er bei Ballannahmen eher Probleme hat als bei der Ballmitnahme. Außerdem spielt er oft in sehr engen Räumen. Meistens verliert er den Ball dann entweder bei der Ballannahme durch hohe Bedrängnis und gegnerische Kompaktheit oder kann sich aus dieser Bedrängnis heraus sofort in offene Räume drehen – was ein erfolgreiches Dribbling bedeutet – und dann Pässe spielen.

Bei Kroos und Iniesta dürfte dies ebenfalls die Erklärung sein; wenn sie den Ball verlieren, was überaus selten passiert, dann wegen ihrer Spielweise als Nadelspieler in engen Räumen, wodurch sie oft sehr eng bedrängt werden. Bei Cristiano Ronaldo verhält es sich womöglich ähnlich, allerdings sind für diese Phänomene viele unterschiedliche Erklärungen für jeden Spieler möglich. Bei Cristiano verhält sich dies eher aufgrund einer geringeren Präzision bei der Ballannahme, aber dafür sehr guten Dribblings in vollem Lauf so.

Sehen wir uns nun jene Akteure an, die den Ball am seltensten durch Stockfehler verlieren.

Untere20 Anteil der Stockfehler an den Ballverlusten

Etwas überraschend liegt Ribéry hier auf dem ersten Platz. Die Werte von Messi, Götze und Co. hingegen fallen erwartungsgemäß aus. Verwunderlich ist aber Iniestas Platzierung; in dieser Saison hat er einen hohen Anteil. Dies könnte mit schwächerer Form, veränderter Nutzung in dieser Saison (vertikalere Ausrichtung der Mannschaft mit höherem Fokus auf Pressing und Iniesta in höheren und engeren Zonen) sowie seinen vielen Einsätzen als linkem Flügelstürmer in der vergangenen Saison zusammenhängen. Ansonsten ist dies die klassische Statistik für die Götzes dieser Welt.

Wie oft wird ein Spieler pro Dribbling gefoult?

In dieser Kategorie werten wir die Fouls als zusätzlichen Dribblingversuch. Die Frage ist dann, wie oft die versuchten Dribblings in Fouls enden und wie oft der Spieler sie ohne Fouls durchziehen kann. Quasi eine „Sauberkeit“ im Dribbling, wo der Spieler den Abstand zum Gegner wahren kann.

Der Mittelwert liegt dabei bei ,4079 (40,79%), das Konfidenzintervall schwankt zwischen 38,35% und 43,24%. In diesem Fall liegt der Median übrigens wieder näher am Mittelwert (40). Die Standardabweichung ist 0,12144, die Werte schwanken von 13% bis 68%. Hier ist die Kurve rechtsschief (,257) und wieder flachgipflig (-,341).

Histogramm Anteil erlittener Fouls an Dribblings

Hohe Werte verbuchen viele unterschiedliche Spielertypen. Alexis Sanchez ist dabei auf Platz 1; ob er darum vereinzelt als Schwalbenkönig gilt? Eine sinnigere Erklärung dürfte eher sein, dass Sanchez viele Richtungswechsel nutzt, seinen Körper zwischen Gegner und Ball bringt, wodurch er Fouls anzieht, aber nicht viel Dynamik in seinen Lauf, sondern eher im Stand zustande bringt. Zusätzlich visiert er dann volle Räume an, kann sich dort nicht durchsetzen, dafür aber Fouls provozieren. Ähnliches dürfte bei Cristiano Ronaldo zutreffen, der in dieser Top20 ebenfalls doppelt vertreten ist.

Obere20 Anteil erlittener Fouls an Dribblings

Auffällig ist, dass lediglich Toni Kroos als zentraler Mittelfeldspieler in der Top12 vertreten ist. Bei ihm dürfte es wiederum daran liegen, dass er den Ball in statischen Situationen körperbetont und intelligent behauptet, eine präzise Ballführung hat, es ihm aber an der nötigen Dynamik fehlt, um sauber am Gegenspieler vorbeizukommen.

Das Gegenteil dürfte beim Gegenüber in diesen Extremwerten der Fall sein; einem Landsmann von Toni Kroos.

Untere20 Anteil erlittener Fouls an Dribblings

Julian Draxler liegt nämlich auf Platz 1 und auf Platz 2 bei den anteilig erlittenen Fouls bei seinen Dribblingversuchen. Nur etwas über 13% bzw. 14% endeten in einem Foul, ansonsten kam er sauber am Gegner vorbei. Jedoch könnte man es auch negativ interpretieren: Draxler muss lernen, dass er seinen Körper bei aussichtslosen Dribblings noch zwischen Ball und Gegner bringt, um diese aussichtslosen Situationen zu „retten“. Ähnliche Interpretationen, positiv wie negativ, sind auch bei den anderen Akteuren dieser Liste möglich.

Variieren die Zahlen durch die Häufigkeit des Dribblings?

Abschließend stellt sich noch die Frage, ob die jeweiligen Kategorien miteinander korrelieren. Zum Beispiel: Hat man im Schnitt weniger Erfolg bei mehr Dribblings? Oder mehr Erfolg, weil der Spieler sonst ja nicht dribbeln würde?

Korrelationen

Die Daten unterstützen die zweite Hypothese. Es gibt eine Korrelation zwischen einer hohen Zahl von Dribblings und einer hohen Dribblingerfolgsquote. Wir ließen auch andere Faktoren korrelieren. So scheinen Akteure mit einer hohen Erfolgsquote eher Stockfehler als Ballverluste zu haben; sie sind stark in der Ballmitnahme und haben Schwächen vor dem Dribbling. Wie oft man gefoult wird, spielt aber kaum eine Rolle.

Interessant ist aber, dass Spieler mit vielen Stockfehlern mehr Fouls beim Dribbling ziehen. Eventuell sind diese Spieler unpräziser in der Ballführung und im Anvisieren von Räumen, was zu Fouls führt. Ansonsten gab es keine signifikanten Korrelationen; und wegen der Art der Datenerfassung sind auch diese nur mit Vorsicht zu genießen.

Rene Maric, abseits.at

Rene Maric

  • 2018

    9.Januar.2014 #1 Author

    „stockfehler“ – ist ein begriff aus dem hockeysport, der seit ein paar jahren auch im zusammenhang mit fußball verwendet wird, dort aber nicht den geringsten sinn macht! wie die übertragung auf den fußball passiert ist, ist mir bis heute unbegreiflich? die einzig möglich erklärung liegt in der dämlichkeit der meisten sportjournalisten, die völlig unkritisch alles nachplappern, was sie irgendwo aufschnappen.

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    • nifan^

      9.Januar.2014 #2 Author

      Was bedeutet der Begriff denn im Hockey und wieso macht er keinen Sinn im Fußball?

      Erklären!

      Antworten

      • Peda

        10.Januar.2014 #3 Author

        Der Stockfehler bezeichnet im Eishockey „das Anheben des Stocks vor und nach dem Schlag über Schulterhöhe sowie
        das Schlagen und Stoppen des Balls mit der abgerundeten Seite des Hockeyschlägers.“ Alle Varianten sind im Prinzip leichtfertige Fehler.

        Im Fußball macht er keinen Sinn, es geht mir auch nicht ein warum man nicht anstelle dessen den phonetisch ähnlichen „Stoppfehler“ verwendet, weil man damit ja vorwiegend bis ausschließlich Fehler bei der Ballannahme, also beim Stoppen meint.

        Aber mei, das ist halt so. Zur Toroutlinie sagen’s auch oft Grundlinie, obwohl es die nur im Tennis gibt und eine leichtfertig ermöglichte Chance ist selbst bei Brettspielen oder Diskussionen ein Elfmeter.

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        • 2018

          10.Januar.2014 #4 Author

          grundlinie statt toroutlinie lass ich mir ja noch einreden, die funktion ist ja in beiden sportarten gleich (begrenzung des feldes in bzw. gegen die spielrichtung).

          und elfmeter bei brettspielen bzw. diskussionen ist schlichtweg eine (durchaus zulässige und auch sinnvolle) metapher.

          „stockfehler“ beim fussball hingegen ist einfach nur dämlich: 1. gibt es dort im gegensatz zum hockey keinen stock und 2. sind die echten stockfehler im hockey von ihrer art her nicht mit jenen vergleichbar, die im fußball als solche bezeichnet werden. während im fussball nämlich nur fehler bei der ballannahme als „stockfehler“ bezeichnet werden, also durchwegs fehler, denen technische mängel zugrundeliegen, haben die echten stockfehler im hockey nichts mit technischen mängeln zu tun, sondern sind im fußball am ehensten mit dem gefährlichen spiel (zu hohes anheben des stocks) bzw. dem handspiel (spielen des spielgeräts mit einem nicht erlaubten teil der ausrüstung bzw. des körpers) zu vergleichen. von daher eignet sich der begriff nicht einmal als grundlage für eine analogie oder eine metapher!

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          • Fohgil

            15.Januar.2014 #5 Author

            In Deutschland würde niemand was mit dem Wort „Toroutlinie“ anzufangen wissen. Hier heißt es Grundlinie, beziehungsweise Torauslinie. Aber Österreicher nennen ja Ecken auch Corner, insofern ist das ja in Ordnung. Zustimmung findet allerdings, dass das Wort „Stockfehler“ mal völlig unpassend ist und ich die ersten Male, die ich das hörte, glaubte, meine Ohren seien kaputt. „Stopfehler“ erscheint mir da wesentlich sinnvoller, die Gründe wurden ja oben aufgeführt. Mich ärgert es richtig wenn ein Reporter ständig von „Stockfehlern“ plappert. Bela Rethy ist so ein Experte, „Stockfehler“ passieren bei ihm ungefähr 5 mal die Minute.

  • Hans

    15.Januar.2014 #6 Author

    Stoppfehler!!!

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  • dilch

    15.Januar.2014 #7 Author

    Toller Artikel aber die Balkendiagramme gefallen mir als Mathematiker gar nicht.
    Zum einen sollte die Rangliste positiv->negativ oder negativ->positiv konsistent durchgezogen werden (das ist aber vielleicht geschmackssache), ABER die länge der Balken ist wirklich sehr irreführend. Da ist dann der 50% Balken 1/10 so lang wie der 60%? Normalerweise normiert man halt anhand des besten und schlechtesten oder so

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