Genug von der grauen Theorie, brotlosen Diskussionen und Einschätzungen, wer was wieder einmal falsch gemacht hat. abseits.at schreitet selbst zur Tat und stellt seine... Experiment: abseits.at stellt sein ultimatives Team auf! Teil 5: Der Außenbahnspieler

Genug von der grauen Theorie, brotlosen Diskussionen und Einschätzungen, wer was wieder einmal falsch gemacht hat. abseits.at schreitet selbst zur Tat und stellt seine ultimativ moderne Elf vor. Dabei erklären wir jedem einzelnen Spieler, worauf es uns ankommt. Und Sie sind live in der Kabine dabei! In Teil 5 unserer Serie entscheiden wir uns für zwei moderne Außenbahnspieler im Mittelfeld.

Position

Wo sind sie nur hin, die klassischen Zehner, die technisch perfekten Spielmacher, die genialen Regisseure, die Superstars im offensiven zentralen Mittelfeld? Es gibt sie nicht mehr. Was früher Zidane, Totti oder Riquelme waren, sucht man heutzutage vergeblich. Sie stirbt aus, die Art der echten Zehner. Die wenigen, die diese stark bedrohte Art noch repräsentieren, kommen mittlerweile schon in die Jahre – in wenigen Jahren wird es wohl gar keine echten Spielmacher im klassischen Sinn geben. Stattdessen wichen die Offensivgenies auf die Seiten aus – und verzaubern von dort aus die Fußballfans aller Nationen. Natürlich rochieren die Superstars oft in die Mitte und werden im Zuge eines Spielzugs schnell zur zentralen hängenden Spitze. Zu hause sind sie aber an den Seitenlinien.

Geschichte

Über die genialen Spielmacher, die begnadeten Techniker und geschickten Einfädler wurde schon zu Österreichs Glanzzeiten in den 30er Jahren berichtet. Der geniale Matthias Sindelar ist wohl jedem Fußballfan ein Begriff – er vollstreckte allerdings meist im Sturm. Der Regisseur im österreichischen Wunderteam war einer der besten Spieler seiner Zeit, Kapitän der Weltauswahl und ein Prototyp des kreativen zentralen Mittelfeldspielers. Ernst Ocwirk war einer der ersten, die aus der Zentrale die Fäden im Spiel zogen. Durch punktgenaue Pässe und verspielte Kombinationen fand der „Mittelläufer“ praktisch immer eine Lösung, die gegnerische Defensive zu umgehen. Die Tradition der klassischen 10er ging in aller Herren Länder weiter. Von Maradona bis Pele, von Eusebio bis Effenberg, von Herzog bis Zidane. Über die Jahrzehnte gab es in praktisch jeder Spitzenmannschaft einen Chef in der offensiven Zentrale. Die Systeme hinter dem Spielmacher veränderten sich, die Rolle des Zehners änderte sich dadurch wenig. Ob einer, zwei oder drei defensive Mittelfeldspieler, ob offensive oder defensiv eingestellte Außenbahnspieler, ob ein, zwei oder drei Stürmer – auf eine Nummer 10 verzichtete kaum ein Coach. Diese Spieler durften sich auch ungewöhnlich viele Freiheiten für sich herausnehmen. So war es keine Seltenheit, dass Vertreter dieser Position lauffaul waren und von Defensivaufgaben befreit waren. Ein Zitat eines bekannten Trainers beschreibt die Sichtweise auf die glorifizierten Spielmacher: „Man braucht fünf Männer, um ein Klavier in einen Raum zu tragen, aber nur zwei, die es spielen können.“ Solange der Regisseur einen perfekten Pass gespielt oder einen Freistoß versenkt hat, durfte er bei Ballbesitz des Gegners auch regelmäßige Pausen einlegen. Und wer spielte auf der Außenbahn? Meist klassische Flügelflitzer. Auch Österreich verfügte über einen solchen: Harald Cerny machte jahrelang die Außenbahnen der deutschen Bundesliga unsicher. Als in den Niederlanden das 4-3-3-System in Mode kam, waren die so genannten Flügelstürmer gefragt. Es handelte sich dabei meist um schnelle, wendige Spieler mit der Stärke, präzise Flanken und Hereingaben zu schlagen und selbst das Eins-gegen-Eins zu suchen. Der moderne Außenbahnspieler ist hingegen eine Mischung aus diesen beiden Positionen.

Der moderne Außenbahnspieler

Im Jahr 2012 gibt es weder die Genies um Zentrum, deren Laufpensum unter dem des Schiedsrichters liegt, noch die Flügelflitzer, die nur wie aufgezogen die Linie auf und ab sprinten. Der moderne Außenbahnspieler vereint technische und körperliche Vorzüge und übt von der Seite aus immensen Druck auf das gegnerische Tor aus. Im besten Fall verfügt man über zwei Spieler dieser Spezies, die eine Flügelzange bilden. Dank zwei zentralen, eher defensiv eingestellten Akteuren sind die Außen abgesichert. Der offensivere der beiden zentralen Mittelfeldspieler kann unsere beiden Außenbahnspieler im eigenen Ballbesitz unterstützen. Im Gegensatz zur klassischen Nummer 10 sind die heutigen Superstars der Offensive aber nicht von Defensivarbeit und Laufpensum befreit. Ganz im Gegenteil, sie nehmen auch in der Defensive eine Schlüsselrolle ein. Spielen zwei Teams mit jeweils zwei technisch hochbegabten Akteuren an den Seiten gegeneinander, kommt es darauf an, welche Flügelspieler die dahinter spielenden Außenverteidiger besser unterstützen und den angreifenden Spieler doppeln. Die Schlüsselattribute für diese Position liegen aber immer noch in den Fähigkeiten bei eigenem Ballbesitz. Technisch stark, kreativ, trickreich, schnell, wendig, dynamisch muss er sein. Mit dem nötigen Mut ausgestattet, das Eins-gegen-Eins zu suchen. Mit dem Auge für den besser postierten Kollegen vor dem Tor bestückt. Ebenfalls ganz oben auf der Prioritätenliste steht die Unberechenbarkeit. Ein Flügelspieler muss variieren. Er darf nicht immer den Weg nach innen suchen, aber auch nicht jeden Angriff mit einer Flanke beenden wollen. Im Ballbesitz muss der Spieler immer schneller werden – denn der Speed ist sein ganzes Kapital. Kommt der Spieler zum Stillstand, ist ein Vorbeikommen am gegnerischen Verteidiger fast unmöglich. Die Kontrolle über den Ball und die Durchführung von technischen Finten in hohem Tempo – das ist die Kunst des modernen Außenbahnspielers.

Unsere Männer

Wir wollen für unser Team zwar trickreiche und dynamische Spieler, da wir mit Lahm und Dani Alves aber bereits zwei offensiv orientierte Außenverteidiger nominiert haben, schauen wir auch auf die defensiven Qualitäten unserer „neuen 10er“. Spieler wie Malouda oder Robben fallen daher für uns aus, da sie defensiv zu wenig für ihr Team arbeiten (müssen). Unsere Männer müssen außerdem über die Spielintelligenz verfügen, sich zurückfallen zu lassen, wenn die Außenverteidiger an der Seite nach vorne stürmen. Wir entscheiden uns daher aufgrund seiner beeindruckenden Schnelligkeit und seinen erstklassigen Defensivqualitäten für Gareth Bale von Tottenham Hotspur auf der linken und, nach langen Diskussionen innerhalb der Redaktion, Cristiano Ronaldo auf der rechten Seite. Ronaldo ist mit seinen schnellen Vorstößen und seiner überragenden Schusstechnik ein Gewinn für jede Mannschaft und hilft auch defensiv auf seiner Seite aus.

 

Gareth Bale

Ronaldo

Archimedes, abseits.at

Archimedes

  • Landei

    20.Mai.2012 #1 Author

    Ui ja die Flankenmaschine Harald Cerny. Als Löwenfan erinnere ich mich sehr gut dran. Von diesen Flanken landete zwar mindestens die Hälfte hinterm Tor, aber Tore fielen dadurch trotzdem noch genug, weils einfach so viele waren. War aber immer stark auf die „Spielmacher“ angewiesen, speziell Häßler hatte immer den „Vorteil“, dass er durch seine Dribbelstärke meistens mehrere Gegenspieler beschäftigte und die Außen so mehr Raum bekamen…

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