Genug von der grauen Theorie, brotlosen Diskussionen und Einschätzungen, wer was wieder einmal falsch gemacht hat. abseits.at schreitet selbst zur Tat und stellt seine... Experiment: abseits.at stellt sein ultimatives Team auf! Teil 6: Die Offensivsten

Genug von der grauen Theorie, brotlosen Diskussionen und Einschätzungen, wer was wieder einmal falsch gemacht hat. abseits.at schreitet selbst zur Tat und stellt seine ultimativ moderne Elf vor. Dabei erklären wir jedem einzelnen Spieler, worauf es uns ankommt. Und Sie sind live in der Kabine dabei! In Teil 6 unserer Serie entscheiden wir uns für zwei moderne Stürmer.

Position

Egal, in welchem Jahrzehnt oder Jahrhundert man nachschlägt, die Aufgabe und das Ziel eines Stürmers waren schon immer, Tore zu machen. Trotzdem unterzog sich auch die letzte Position unserer Serie im Laufe der Zeit einem erstaunlichen Wandel. Sowohl die Anzahl der aufgestellten Angreifer, als auch deren Spielweise veränderte sich immer wieder in anderem Maße. Was sich nie änderte: Stürmer waren immer schon die Superstars des Spitzenfußballs und standen stets im Mittelpunkt des Interesses. Als Publikumslieblinge standen sie auch als Aushängeschilder ihrer Klubs zur Verfügung. Auch heute ist das nicht anders. Die Verkaufszahlen der Merchandising-Artikel zeigen deutlich, dass Stürmer immer noch der Verkaufsschlager Nummer 1 sind – obwohl auch Mittelfeldakteure in den letzten Jahrzehnten deutlich aufgeholt haben.

Geschichte

Tore zu schießen, war schon immer der Endzweck im Fußball, und dessen waren sich auch die ersten Fußballtheoretiker, Taktiker und Trainer bewusst. Zum Leidwesen vieler Fans richtete sich das Hauptaugenmerk nur in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts auf die Offensive. Da war es keine Seltenheit, dass ein Team mit fünf nominellen Stürmern auflief. Auch wenn diese Stürmer natürlich andere Anweisungen erhielten als heute ein Stürmer vor dem Spiel. Trotzdem, eines ist unbestreitbar: Die Teams traten vorwiegend offensiv auf und vernachlässigten die Defensive. Ein Umstand, der die Fans verzückte – immerhin waren dadurch attraktive Spiele mit vielen Toren garantiert. Auch in Österreich haben die Stürmer große Tradition. Immer wieder brachte Rot-Weiß-Rot bemerkenswerte Stürmer heraus. Die ersten „Stars“, die allerdings lediglich für „ein Bier und ein Gulasch“ nach dem Spiel kickten, hießen Uridil und Sindelar. Besonders Sindelar wurde als schlampiges Genie mit riesigem Potential bezeichnet. Die Tradition wurde fortgeführt, mit Robert Dienst, dem „Erfinder“ des Stanglpasses, den Körner-Brüdern und später Walter Schachner, Hans Krankl oder Toni Polster. Einige von ihnen erreichten Außergewöhnliches: Krankl wurde beim großen FC Barcelona Torschützenkönig, Polster gewann den goldenen Schuh für Europas besten Torschützen. Auch, wenn damals die Anforderungen für einen Stürmer andere waren, als heute. Ein gutes Beispiel dafür liefert Gerd Müller. Der „Bomber der Nation“ schoss Tore ohne Ende – obwohl er weder körperlich, noch fußballerisch zur heutigen Creme de la Creme zählen würde. Müller stand einfach immer richtig, hatte den Torriecher, den ein Stürmer damals brauchte, deckte den Ball gut ab, und traf zielsicher. Sein Laufpensum hielt sich in Grenzen. Diese Spielweise würde wohl nicht einmal in der Regionalliga akzeptiert werden.

Der moderne Stürmer

Im Jahr 2012 gibt es etwas mehr Differenzierungen als nur die Unterscheidung zwischen Flügel- und Mittelstürmer. Teams spielen mit einer Speerspitze, einer hängenden Spitze oder einer falschen Neun. Man spricht von Strafraumstürmern, von spielenden Stürmern, von Angreifern, die sich fallen lassen. Von Technikern oder Kopfballungeheuern. Im 4-2-3-1-System, das nach derzeitigem Stand State Of The Art ist, benötigt man einen kompletten Stürmer. Das heißt, er muss die Stärken all dieser Spielertypen so gut es geht vereinen, während die Liste der Schwächen gegen Null gehen sollte. Natürlich hängt es aber auch im 4-2-3-1 von der Spielanlage ab, welchen Stürmer man benötigt. So macht es beispielweise einen Unterschied, ob die beiden Außenspieler offensiv ausgerichtet sind oder ihre Stärken vorwiegend in der Defensive haben. Ein eklatanter Unterschied zum „alten“ Stürmer ist die Anforderung, kombinationssicher zu sein. Im Gegensatz zum Ansatz früherer Jahrzehnte muss ein Stürmer nicht vorne warten, bis seine Kollegen einen Angriff aufgebaut hatten und diesen dann verwerten – sondern er muss sich selbst bereits in den Aufbau eines Angriffs einschalten. Das verlangt nach einer viel größeren Laufleistung, da der Abschluss trotzdem weiterhin zu seinen Aufgaben gehört. Was muss also ein moderner Stürmer können? Nun ja, die Unterschiede zwischen früheren Zeiten und der Moderne liegt gar nicht so sehr in den Fähigkeiten – Technik, Kreativität, Durchsetzungsvermögen, Kaltschnäuzigkeit vorm Tor – all dies mussten Stürmer immer schon mitbringen, um ihren Beruf erfolgreich ausüben zu können. Eher richtet sich der Fortschritt an die Teilnahme am Spiel. Im Ballbesitz des Gegners dürfen Stürmer nicht wie früher vorne stehen bleiben und warten, bis das Team die Kugel wieder erobert hat. Stattdessen ist aktive Mitarbeit im Defensivverbund gefragt. Der Stürmer ist der erste Verteidiger – eine Aussage, die im modernen Fußball als Grundgesetz gilt. In eigenem Ballbesitz wird eine flexiblere Spielweise erwartet. Die klassischen Strafraumstürmer, die mit wenigen Ballkontakten kaum am Spiel teilnehmen, gibt es praktisch nicht mehr. Stattdessen müssen sich Angreifer heutzutage fallen lassen, Bälle fordern, Pässe prallen lassen, rochieren, selbst das Dribbling suchen, Doppelpässe praktizieren. Das Repertoire an Spielzügen, an der Stürmer aktiv teilnehmen sollen, hat sich im Lauf der Jahrzehnte vervielfacht.

Unsere Männer

Wer unsere Serie aufmerksam verfolgt, wird merken, dass wir erst zwei der drei offensiven Mittelfeldspieler nominiert haben. Das kommt daher, dass wir den zentralen Akteur dieser Dreierkette als halben Stürmer sehen. Er soll an vorderster Front agieren, sich aber auch immer wieder Bälle aus dem Mittelfeld holen und den Spielaufbau fördern. Auf dieser Position haben wir uns für den aktuell wohl besten Spieler der Welt entschieden: Lionel Messi. Seine individuelle Klasse ist ein Gewinn für jede Mannschaft dieser Welt, er agiert zwar an vorderster Front, man sieht ihn aber auch häufig an der Mittellinie, wenn er wieder einmal drei Gegner stehen lässt oder einen dreifachen Doppelpass mit einem der genialen Mittelfeldspieler des FC Barcelona zeigt. Davor wollen wir einen Arbeiter. Großes Laufpensum, Kopfballstärke, Technik, Torriecher, Kreativität – all das soll unsere Speerspitze erfüllen. Wir entscheiden uns daher für Robin van Persie von Arsenal London. Er geht lange Wege, hilft in der Rückwärtsbewegung mit, ist sowohl am Boden als auch in der Luft zweikampfstark, besitzt Durchsetzungsvermögen und zeigt trotzdem immer wieder sein technisches Niveau. Ein zusätzlicher Vorteil: Die beiden können jederzeit Positionen tauschen – beide beherrschen auch die Position des jeweils anderen perfekt.

Lionel Messi

Robin van Persie

Unser Team :

Im letzten Teil unserer Serie lesen Sie, was ein erfolgreiches Team sonst noch so braucht !

Archimedes, abseits.at

Archimedes

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