Statistikanalyse: Österreichs Aufsteiger der letzten zehn Jahre im europäischen Vergleich
Taktik & Theorie 11.April.2015 Alexander Semeliker 1
In die ständig wiederkehrende Diskussion um die Stärke des österreichischen Fußballs stieg nun auch Red Bulls Sportdirektor Ralf Rangnick ein. Dass Aufsteiger vorne mitspielen können, spreche nicht unbedingt für das Gesamtniveau der Liga. In diesem Artikel wollen wir untersuchen, ob dies nur in Österreich so ist.
Der SCR Altach ist auf dem besten Wege, sich für das internationale Geschäft zu qualifizieren. Die Vorarlberger wären nach dem SV Grödig und Admira Wacker Mödling der dritte Aufsteiger in den letzten vier Jahren, dem dies gelingen würde. Doch wie sieht es in anderen Ligen aus? Ist die Situation nur eine Ausnahme oder handelt es sich wirklich um ein österreichisches Phänomen?
Stichprobenumfang und Methodik
Ausgewertet wurden die Daten der Aufsteiger aus 13 verschiedenen europäischen Ligen in den letzten zehn Saisonen, angefangen bei der Spielzeit 2004/2005. Daraus ergibt sich ein Stichprobenumfang von 289 – Mannschaften, die zwei- oder mehrmals vertreten sind nicht herausgerechnet. Ferner sei angemerkt, dass sich im betrachteten Zeitraum in manchen Ligen der Modus umgestellt wurde, ebenso gab es teilweise Zwangsabstiege oder Punkteabzüge. Diese wurden nicht berücksichtigt.
Es wird hier in drei Gruppen unterschieden, um verschiedene Aspekte zu untersuchen. Erstens die vier europäischen Topligen in England, Deutschland, Spanien und Italien. Zweitens Nationen, die in der aktuellen UEFA-Fünfjahreswertung um Österreich herum positioniert sind. Dies sind: Griechenland, Kroatien, Rumänien und Tschechien. Die letzte Gruppe besteht aus Ligen, die eine vergleichbare Ligagröße wie die Bundesliga haben: die Schweiz und Slowenien mit zehn Mannschaften sowie Finnland und Dänemark mit zwölf.
Für jeden Aufsteiger wurde zunächst der Punkteschnitt pro Spiel ausgerechnet. Von diesem wurde dann der ligaweite Durchschnittswert für die jeweilige Saison abgezogen. Je größer diese Differenz ist, umso besser schnitt ein Aufsteiger also ab. Um die Streuung zu berücksichtigen wurde die Standardabweichung ebenfalls ausgerechnet. Außerdem wurde die Tabellenposition untersucht – nämlich insofern, ob ein Aufsteiger die Saison in der oberen Hälfte bzw. ferner im oberen Drittel beendete.
Die Daten der österreichischen Bundesliga
Zuerst wollen wir uns die Daten der österreichischen Aufsteiger alleine ansehen. Zu sehen ist die Wahrscheinlichkeitsdichtefunktion. Je weiter rechts die Glockenkurve ist, umso größer ist die Differenz zwischen Punkteschnitt der Aufsteiger und des Ligadurchschnitts – also umso besser schnitten die Aufsteiger ab. Je schmaler die Kurve ist, desto kleiner ist die Streuung, das heißt es gab weniger „Ausreißer“.
Die Aufsteiger in der österreichischen Bundesliga holten pro Spiel 0,043 Punkte weniger als der entsprechende Ligaschnitt war. Auf eine ganze Saison, also 36 Spiele, gerechnet ergibt das ein Minus von rund 1,5 Punkte. Die Aufsteiger etablierten sich also auf Anhieb im Mittelfeld der Liga, was auch ein Blick auf die Platzierungen zeigt. Die Hälfte der Aufsteiger belegte einen Platz in der oberen Tabellenhälfte, zwei von zehn waren sogar im oberen Drittel. Kein einziger Aufsteiger stieg sofort wieder ab.
Vergleich mit den europäischen Topligen
Nun wollen wir die Daten der österreichischen Aufsteiger jenen in den europäischen Topligen gegenüberstellen. Nirgendwo schnitten die Aufsteiger besser ab als in Österreich. In Italien holten sie pro Spiel 0,263 Punkte weniger als der Ligadurschnitt war, in Spanien 0,276, in Deutschland 0,3 und in England sogar 0,365. Auf 36 Runden gerechnet heißt das, dass die Aufsteiger dort zwischen 9,5 und 13,1 Punkte weniger als ein durchschnittliches Ligateam holte – ein enormer Unterschied zu den österreichischen Werten. Auch die Streuung ist nirgendwo anders so klein.
Ausgehend von den genannten Werten ist es keine Überraschung, dass die Aufsteiger in den vier Ligen auch tabellarisch viel schlechter platziert waren als in Österreich. Von den insgesamt 120 Mannschaften beendeten 27 die Saison nach dem Aufstieg in der oberen Tabellenhälfte (22,5%) und nur fünf im oberen Drittel (4,2%). In England erreichte die letztere Grenze von 30 Teams kein einziges Team. Interessant ist auch die Serie A, wo zwar 12 von 33 Aufsteigern (36,4%) in der oberen Tabellenhälfte landeten, aber nur zwei im oberen Tabellendrittel: Juventus 07/08 und Palermo 04/05.
Vergleich mit Konkurrenten der Fünfjahreswertung
Nun sehen wir uns die Ergebnisse in den Ländern an, die in der UEFA-Fünfjahreswertung in der Region der österreichischen Bundesliga platziert sind. Auch hier sticht die heimische Liga heraus; der Abstand ist zwar kleiner, dennoch beachtlich. Am nächsten kommt man der kroatischen Liga, wo der mittlere Punktegewinn eines Aufsteigers pro Spiel 0,222 Punkte weniger als der Ligadurchschnitt ausmachte. Andererseits ist die Standardabweichung dort am größten.
Die tschechische Kurve ist ähnlich schmal wie die österreichische, jedoch bewegten sich die Aufsteiger dort auf einem anderen, niedrigerem Niveau. Kein einziger schaffte den Sprung ins obere Tabellendrittel und nur drei von 21 Teams schafften es in die obere Tabellenhälfte. Griechenland hat diesbezüglich die zweithöchste Quote (34,4% der Aufsteiger in der oberen Tabellenhälfte) nach Österreich.
Vergleich mit Ligen ähnlicher Größe
Zum Abschluss vergleichen wir noch die Ligen, die ähnlich viele Mannschaften beherbergen wie Österreich. Interessant ist dabei, dass die Streuung viel größer ist als bei den vorhergenannten Ligen. Zudem liegen die Kurven auch weiter auseinander. Die Bedeutung der Standardabweichung wird dabei insbesondere anhand der Gegenüberstellung von slowenischer und dänischer Liga klar. Die Maxima liegen nahezu am selben Punkt (Slowenien: -0,356 und Dänemark: -0,349). In Slowenien war es in den letzten zehn Jahren jedoch so, dass zwar 14,3% der Aufsteiger im oberen Drittel platziert waren, jedoch auch 50% der Aufsteiger entweder Letzter oder Vorletzter wurde. Die Streuung ist also vergleichsweise groß.
Besonders interessant ist naturgemäß der Vergleich mit der Schweiz. Wie man anhand der Grafik sehen kann, kommen die Aufsteiger der Eidgenossen jenen der Österreicher am nächsten. Sie holten pro Spiel 0,168 Punkte weniger als der Ligadurchschnitt, was bei 36 Runden ein Minus von sechs Punkten bedeutet. Zur Erinnerung: in Österreich waren es lediglich 1,5 Punkte weniger. Exakt ein Drittel der Schweizer Aufsteiger belegten nach dem Aufstieg einen Platz in der oberen Tabellenhälfte, ein Zwölftel (8,3%) im ersten Tabellendrittel.
Fazit: Österreichische Liga ist ein Phänomen
Die Aufsteiger der österreichischen Liga ragen aus den vorliegenden Daten also heraus, was durchaus kurios ist. Sie holen quasi genauso viele Punkte wie es für die Liga typisch ist – noch dazu mit hoher Regelmäßigkeit. Nirgendwo ist die Streuung geringer, obwohl sich gezeigt hat, dass diese bei kleineren Ligen höher sein sollte – insbesondere wenn man die Platzierung in der Fünfjahreswertung berücksichtigt. Slowenien und Finnland, die dort am schlechtesten platziert sind, haben die mit Abstand größte Streuung.
Die nachstehende Grafik zeigt abschließend noch die Kurvenschar aller 13 Ligen, wobei die österreichische in Rot hervorgehoben ist.
Alexander Semeliker, abseits.at
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Alexander Semeliker
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