Österreichs Frauennationalteam begeistert die Nation mit einem „Sommermärchen“. Der Frauenfußball erfährt endlich die Aufmerksamkeit die er verdient. Doch die EM wird vorübergehen. Und dann?... Kommentar: Nachhaltigkeit statt Hype!

Österreichs Frauennationalteam begeistert die Nation mit einem „Sommermärchen“. Der Frauenfußball erfährt endlich die Aufmerksamkeit die er verdient. Doch die EM wird vorübergehen. Und dann?

Wer ist Manuela Zinsberger? Hätte man vor einem Jahr auf der Straße eine Umfrage gestartet hätte mit dem Namen der österreichischen Nationalkickerin wohl kaum jemand etwas anfangen können. Dass man sie, Nadine Prohaska, Carina Wenninger und Co. nun landesweit kennt, ist einem Phänomen zu verdanken dass wir im Sportbereich regelmäßig präsentiert bekommen, im Fußball jedoch nur im Herrenbereich.

Das Phänomen heißt Hype. „Der Hype um unsere Mädels nimmt kein Ende“, „Der Hype um Österreichs Sensations-Kickerinnen erfasst das ganze Land!“ sind Schlagzeilen die uns aus Print- und Onlinemedien sowie sozialen Netzwerken entgegenkreischen. Durchaus zu Recht! Denn die Leistung der Frauennationalmannschaft ist nicht anders zu bezeichnen als mit dem Prädikat „sensationell“. Und ja, all die Begeisterung um die Mannschaft ist tatsächlich so etwas wie ein „Sommermärchen“. Anders ist es nicht zu erklären wieso Public Viewings plötzlich Frauenfußball ausstrahlen und damit die Massen anziehen, oder Status-Meldungen der Teamspielerinnen auf Facebook binnen Minuten hunderte Likes und Kommentare einstreifen. Oder dass wenn man dieser Tage „Sarah“ googelt sofort der Vorschlag „Zadrazil“ kommt. Hype halt. Und genau darin liegt ein Gefahrenpotenzial. Ein Hype definiert sich als vorübergehendes in-den-Fokus-rücken eines bestimmten Themas das die Menschen interessiert, polarisiert, beschäftigt. Betonung auf vorübergehend.

Rückkehr zur Tristesse?

Denn was ist nach der Europameisterschaft? Werden „unsere Heldinnnen“ dann vergessen sein? Geht alles wieder den gewohnten Gang, vor allem in der heimischen Damen-Bundesliga? Dort herrscht auf den Rängen so gut wie immer Tristesse. Regionale Schlagerspiele wie das Grazer Derby Sturm gegen LUV ziehen zwei Mal pro Saison noch wenigstens ein paar dutzend Zuschauer an. Die meist auch Familienangehörige sind.

Katharina Naschenweng, Kaderspielerin des ÖFB-Teams, meinte auf die Frage wie viel Fan-Zuspruch sie sich beim EM-Turnier in den Niederlanden erhofft: „Ich denk dass viele von unseren Verwandten kommen werden“. Von richtigen Fans wagte die Sturm-Spielerin nicht zu sprechen. Dass mittlerweile Fanclubs die sonst die Herrenmannschaft unterstützen vor Ort sind hätte sie sich wohl nicht träumen lassen. Um auf den Punkt zu kommen: Wenn dieser Hype um Zadrazil, Puntigam und Co. nach der EM nachlässt, läuft Österreichs Frauenfußball Gefahr, erneut durch den Raster des Wahrnehmungsradars zu rutschen. Dann schert sich keiner mehr wie die Spiele der Liga ausgingen, die Ergebnisse unserer Legionärinnen wird ebenso wenig medialen Niederschlag erfahren. Weil der Hype dann aus ist. Weil’s dann keinen mehr interessiert. Billa ist dann wieder der Supermarkt ums Eck und nicht der kreative Dreh- und Angelpunkt in Österreichs Offensivspiel. Und genau dieses Schicksal, die Schubumkehr eines temporären Begeisterungssturms, hat sich die Truppe von Trainer Dominik Thalhammer nicht verdient. Dazu spielt das Team einen zu begeisternden Fußball. Dazu vermittelt das Bild das die Frauen vor dem Elfmeterschießen gegen Spanien und den anschließenden Siegesfeiern ein zu positives Gefühl. Ein so angenehmes Gefühl zu wissen dass es gerade in diesen Tagen, wo der internationale Transfermarkt endgültig jegliche Grenze der Geld-Frivolität überschritten hat und Spieler mit 222 Millionen „gehandelt“ werden, auch noch Sportlerinnen gibt, die Fußball aus Freude und Begeisterung spielen. Und nicht weil sie Teil eines milliardenschweren Business sind. Und dass es die Legende von den „11 Freunden“ (in dem Fall Freundinnen) wirklich gibt, beweisen die rot-weiß-roten Spielerinnen ebenso auf wunderbare Weise.

Romantische Vorstellung: Gleichberechtigung

Niemand wird verlangen können, dass der Frauenfußball auf einer Stufe mit dem der Männer steht. Nicht was die Aufmerksamkeit angeht, schon gar nicht die Bezahlung betreffend. Aber zumindest gehören höhere Löhne und Subventionen gezahlt. Denn es kann nicht sein dass kleine Liga-Teams regelmäßig mit einem Minus die Saison beenden müssen. Schön wär’s schon wenn Gleichberechtigung im Sport herrschen würde. Realistisch ist es, zumindest was die nähere Zukunft angeht, nicht.

Umso wichtiger ist es also den kickenden Frauen auch nach dem Schlusspfiff ihres letzten EM-Spiels (möge es das Finale sein) jene Aufmerksamkeit zu Teil wird, die sie dieser Tage erfahren. In diesen Tagen des Hypes. Dass die Begeisterung wieder verschwindet hat sich dieses Team nicht verdient. Und dann besteht auch keine Gefahr dass in einem Jahr bei einer weiteren Straßenumfrage Prohaska nur der „Schneckerl“ mit Dativ-Problemen ist und Billa der Supermarkt ums Eck.

Philipp Braunegger

Philipp Braunegger

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