Korruptionsvorwürfe rund um die WM-Vergaben 2018 und 2022, Ausschluß ranghoher Funktionäre wegen versuchter Bestechung und undurchsichtige Geldflüsse zwischen Kontinentalverbänden und privaten Firmen ihrer Präsidenten... Pfosten der Woche (KW 42) – Joseph "Sepp" Blatter

Korruptionsvorwürfe rund um die WM-Vergaben 2018 und 2022, Ausschluß ranghoher Funktionäre wegen versuchter Bestechung und undurchsichtige Geldflüsse zwischen Kontinentalverbänden und privaten Firmen ihrer Präsidenten – die FIFA und ihr Chef Joseph Blatter kommen seit Monaten kaum aus den Negativschlagzeilen heraus. Der aktuelle Konflikt des Weltfußballverbandes mit Brasilien, Gastgeber der Weltmeisterschaft 2014, wird zur dringend notwendigen Imagekorrektur nur sehr bedingt beitragen können.

Laut Schweizer Medienberichten hatte Blatter zuletzt mehrmals damit gedroht, das Finalturnier 2014 in die USA zu verlegen. Grund dafür ist aber keineswegs der übliche mangelnde Fortschritt bei Um- und Neubauten von WM-Stadien, sondern eine Initiative für ermäßigte Ticketpreise während der Endrunde. In Brasilien ist für Schüler und Pensionisten ein 50%iger Nachlass auf die regulären Eintrittspreise gesetzlich vorgesehen, Behinderte haben sogar freien Eintritt – eine gute Sache möchte man meinen, doch Blatter sieht das anders. In den Vereinbarungen, die im Zuge der WM-Vergabe ausgehandelt wurden, sind Ermäßigungen nicht enthalten; und jetzt setzt ausgerechnet Ex-Fußballstar Romario zum medialen Sturmlauf gegen den Weltverband an:

“Gesetz ist Gesetz, und daran muss man sich halten. Brasilien muss damit aufhören, Sklave der FIFA zu sein. Die Souveränität des Landes muss respektiert werden.”

Soll die Weltmeisterschaft tatsächlich ein Fest für alle Brasilianer werden, wäre eine Überarbeitung der geplanten Preisstruktur dringend nötig. Die billigsten Tickets sollen nach heutigem Stand umgerechnet 62 Euro kosten, was einem guten Viertel des derzeitigen gesetzlichen Mindestlohns entspricht und für Fans aus den ärmeren Bevölkerungsschichten, die das Herzstück brasilianischer Fußballbegeisterung darstellen, schlicht unfinanzierbar ist. Die FIFA, die mit der WM durch TV-Rechte und Großsponsoren Milliarden einnimmt und darüber hinaus von jedweder Ertrags- oder Umsatzbesteuerung befreit ist, weigert sich jedoch, die potentiellen Mindereinnahmen von vergleichsweise lächerlichen 70 Millionen Euro durch Ermäßigungen zu akzeptieren und droht stattdessen mit der Verlegung des Turniers. Dagegen, dass die Brasilianer unter anderem für den mehr als 400 Millionen Euro teuren Umbau des Maracana-Stadions in Rio aufkommen, hat der Weltfußballverband hingegen keine Einwände.

Blatter hat also gut daran getan, die folgenden Weltmeisterschaften an Länder zu vergeben, in denen solch sozialromantisches Gutmenschentum kein Thema sein wird. In Russland wird Vladimir Putin höchstpersönlich (und selbstverständlich oben ohne) beim Stadionbau die Mischmaschine bedienen, während die Bevölkerung auf sein Geheiß Schlange steht, um ein Monatsgehalt in ein bedeutungsloses Vorrundenspiel zu investieren. In Katar wiederum sollten finanzielle Fragen überhaupt kein Thema sein; dort können mit einem Monatsgehalt nicht bloß 90 Minuten Neuseeland gegen Slowenien, sondern gleich die komplette WM samt Lionel Messi und Pokal erworben werden.

Wie der offizielle Slogan für die Weltmeisterschaft in Brasilien lauten wird, steht derzeit noch nicht fest. Könnte Niki Lauda als Testimonial gewonnen werden, wäre “Wir haben ja nichts zu verschenken” vielleicht eine Idee.

(Lichtgestalt)

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen

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