Der Kader der spanischen Mannschaft ist nominell wohl der stärkste aller 32 WM-Teilnehmer. Im Kern besteht er aus Spielern von den drei spanischen Großklubs... Der stärkste Kader von allen: Das ist die Mannschaft von Titelverteidiger Spanien!

Xavi Hernandez (Spanien, FC Barcelona)Der Kader der spanischen Mannschaft ist nominell wohl der stärkste aller 32 WM-Teilnehmer. Im Kern besteht er aus Spielern von den drei spanischen Großklubs Real, Atlético und Barca. Jede Position könnte nicht nur doppelt, sondern problemlos auch dreifach besetzt sein, ohne nennenswert an Qualität zu verlieren.

Obwohl er in der letzten Saison bei seinem Verein Real Madrid in der Meisterschaft weitestgehend nur Ersatz war, ist das Einsertrikot in der Nationalmannschaft fest an Iker Casillas vergeben. Der 33-jährige Rekordteamspieler ist zwar fünffacher Welttorhüter, seine Entwicklungskurve zeigt aber langsam aber sicher nach unten, wie man etwa auch im Champions-League-Finale sehen konnte. Sein potenzieller Erbe ist David De Gea von Manchester United. Die Stärken und Schwächen des 23-Jährigen sind ähnlich verteilt wie bei Casillas: Weltklasse auf der Linie, hin und wieder Unsicherheiten in der Strafraumbeherrschung. Auch der dritte Torhüter, Pepe Reina, bringt das gleiche Profil mit.

Torhüter-9

Die Innenverteidigung der Spanier war in den letzten Jahren fest in der Hand des FC Barcelona. Nach dem Karriereende von Carles Puyol bleibt vom Barca-Duo nur mehr Gerard Pique übrig. Der 27-Jährige ist physisch wohl der stärkste Spanier, trug mit seinem dennoch ballsicheren Stil den modernen Innenverteidiger-Typ in die weite Welt hinaus. An seiner Seite steht mit Sergio Ramos einer der entscheidenden Figuren für Reals Champions-League-Titel. Der 28-Jährige, der in der Vergangenheit meist als Außenverteidiger auflief, ist mittlerweile schlicht ein Weltklasseinnenverteidiger mit großer Dynamik und Aggressivität, genauso aber hohen antizipativen Fähigkeiten. Als Ersatz gibt es mit Bayerns Javi Martinez eine spielstarke Option, die für das Spiel mit einer hohen Abwehrlinie ideal ist, und in Raul Albiol von Napoli eine klassischere Variante.

Innenverteidigung-9

Bei den Außenpositionen in der Viererkette hat sich Vicente del Bosque auf drei Spieler beschränkt. Links ist der 25-jährige Jordi Alba vom FC Barcelona eine Bank. Er ist technisch außerordentlich stark, besticht durch kluges Hinter- und Vorderlaufen. In der abgelaufenen Saison fehlte er jedoch aufgrund verschiedenster Verletzungen. Auf der rechten Seite ist das Rennen um den freien Startplatz noch offen. Der erste Kandidat ist Cesar Azpilicueta von Chelsea. Der 24-Jährige ist körperlich enorm stark und könnte, wie im Verein, auch links hinten spielen. Dann würde Juanfran die Rolle als Rechtsverteidiger übernehmen. Der 29-Jährige ist offensiv stärker und bei Atlético eine wichtige Stütze.

Außenverteidigung-8

Das Prunkstück des spanischen Teams ist einmal mehr das Zentrum, wo das gleiche Trio wie beim FC Barcelona den Ton angibt. Die tiefste Rolle übernimmt dabei Sergio Busquets, taktisch wohl der intelligenteste Spieler der Welt. Der 25-Jährige besticht durch extrem geschicktes Aufrücken im Gegenpressing und ein sehr sicheres, aber dennoch tödliches Passspiel. Die zweite tragende Säule ist Xavi Hernandez, die Passmaschine in Person. Kein Akteur in den europäischen Topligen spielt pro Partie mehr erfolgreiche Pässe als der 34-Jährige, der aufgrund seines Alters jedoch zusehends Fitnessprobleme hat.

Der Dritte im Bunde ist Andres Iniesta, der im Nationalteam noch einen Tick wichtiger ist als Xavi. Der 30-Jährige ist nicht nur extrem schwer vom Ball zu trennen, er erzielt auch wichtige Tore – unter anderem im WM-Finale 2010. Iniesta könnte aber auch am Flügel zum Zug kommen. Dann könnte mit Cesc Fabregas ein weiterer Barca-Kicker auf seine Position rutschen. Von der Nominierung des 27-Jährigen waren aber aufgrund seiner vergleichsweise durchwachsenen Saison nicht alle begeistert.

Als weitere Option im Mittelfeld gäbe es Xabi Alonso, der aber etwas tiefer spielen würde. Der Routinier von Real Madrid besticht durch sein präzises, raumgreifendes Passspiel, das aufgrund dessen, dass Spanien meist auf tiefstehende Gegner spielt jedoch nicht immer gefragt ist.

ZentralesMittelfeld-10

Für die Positionen am Flügel hat del Bosque mehrere Kandidaten, jedoch keinen richtigen Stammspieler. Am ehesten trifft diese Bezeichnung auf Pedro Rodriguez zu. Der Barca-Winger ist sehr dynamisch, technisch stark und zieht gerne zum Tor. Allerdings sind seine Defensivwerte nicht hundertprozentig überzeugend. Ein weiterer routinierter Flügelspieler ist David Silva von Manchester City. Der 28-Jährige hat zwar nicht die überzeugendsten Scorerwerte, dafür bewegt er sich taktisch überaus intelligent, ist in seiner Ballverarbeitung extrem elegant und kaum vom Ball zu trennen.

Daneben gibt es noch mit Koke von Atlético Madrid eine sehr interessante und vielseitige Option. Der 22-Jährige vereint defensive und offensive Stärke, Antizipation und Geschicklichkeit im Zweikampf, schnelles Umschalten und strategisches Spiel sowie gutes Passspiel und Fähigkeiten im Dribbling. Er ist jedoch kein klassischer Flügelspieler, sondern geht oft in die Mitte. Zentral wohler fühlen sich prinzipiell auch Juan Mata und Santi Cazorla, die aufgrund der Enge im spanischen Zentrum allerdings im Nationalteam meist über die Außen kommen und sich dann nach innen orientieren.

Flügel-10

Im Angriff hatte Spanien in den letzten Jahren die meisten Probleme. Eigentlich hat man in Fernando Torres einen perfekt veranlagten, flexiblen und technisch starken Solostürmer. Seit der 30-Jährige 2011 aber zu Chelsea wechselte steht er neben der Spur, sodass man immer wieder auch eine Variante mit Fabregas als falscher Neun sah. David Villa, der Rekordtorschütze Spaniens, holte mit Atlético zwar die Meisterschaft, spielt aber nach seiner schweren Schienbeinverletzung 2012 auch nicht mehr auf dem Niveau von davor. Zudem könnte er am Flügel spielen, sollte man mehr Breite im Spiel benötigen.

Damit liegt die größte Last auf den Schultern von Diego Costa, der in der abgelaufenen Saison die Symbolfigur für Atléticos sensationelle Spielzeit war. Der geborene Brasilianer verfügt über ungeheure Durchschlagsfähigkeit, ist beweglich und dennoch bullig, in seinem Bewegungsprofil sauber und selbstverständlich enorm torgefährlich. 36 Pflichtspieltreffer erzielte er für seinen Verein. Kurzum: Diego Costa kann seinen Gegenspieler über die gesamte Spieldauer Probleme bereiten – auch mental. Allerdings laboriert er seit Wochen an einer Oberschenkelverletzung. Sein Ausfall würde den Angriff ohne Frage deutlich schwächen.

Angriff-8

Alexander Semeliker

@axlsem

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