Charismatischer Ron Vlaar als tragischer Held: Von Sternstunden und Rückschlägen
WM 2014 | News 11.Juli.2014 Daniel Mandl 0
Im Halbfinale gegen Argentinien war er der beste Mann auf dem Platz und über das gesamte Turnier war er einer der heimlichen Helden in einer niederländischen Mannschaft, in der vor allem Arjen Robben oder andere Offensivkräfte herausstachen. Und ausgerechnet im Elfmeterschießen wurde der 29-jährige Ron Vlaar zum tragischen Helden Hollands.
Der körperlich robuste Innenverteidiger Ron Vlaar ist aus mehreren Gründen als Spätzünder zu bezeichnen. Nach seinen ersten Gehversuchen als Profi bei AZ Alkmaar wechselte er im Jänner 2006 zu Feyenoord Rotterdam, wo er sich im Alter von 21 Jahren in die erste Elf spielte. Dabei erwischte Vlaar eine schwierige Zeit, in der Feyenoord gerade ins Mittelmaß des niederländischen Fußballs abrutschte. Vlaar kam nur aufgrund zahlreicher Ausfälle in die erste Elf, spielte brav, aber nicht fehlerfrei. Und eine schwere Verletzung verschlimmerte die Lage auch noch.
Kreuzbandriss, Infektion, Innenbandriss…
Im September 2007 riss beim Auswärtsspiels Feyenoords bei Roda Kerkrade Ron Vlaars Kreuzband. Die Regenerationszeit dauerte über acht Monate, doch der Horror war für den beinharten Abwehrspieler längst nicht vorbei. Nach seiner Kreuzbandoperation hatte Vlaar mit einer bakteriellen Infektion zu kämpfen, die ihn weiter außer Gefecht setzte und seine Rückkehr auf den Trainingsplatz dauerte somit knapp zehn Monate. Gegen Ende der Vorbereitung auf die Saison 2008/09 war er aber wieder da – und verletzte sich umgehend am Innenband. Die Zeit ohne Spiel betrug nun bereits knapp ein Jahr.
…und nochmal das Kreuzband
Im Herbst 2008 sollte es dann endlich soweit sein: Vlaar stand wieder im Training und wollte durchstarten. Doch ein harmloser Zweikampf mit seinem Teamkollegen Kevin Hofland im Training zog einen weiteren Kreuzbandriss nach sich. Vlaar fiel für den Rest der Saison aus. Zwischen dem 16.September 2007 und dem 2.August 2009 bestritt der Niederländer kein einziges Spiel. Doch wider Erwarten kam der Vorzeigeprofi gestärkt aus seiner knapp 22-monatigen Verletzungspause zurück.
Nach 22 Monaten wieder auf dem Platz
Vlaar etablierte sich ab der Saison 2009/10 in der Innenverteidigung von Feyenoord. Er spielte solide Partien, zeigte sich kompromisslos im Tackling, wurde auch im Spielaufbau besser. Angst vor einer neuerlichen Verletzungspause hatte Vlaar, der aus einer Sportlerfamilie stammt, nicht. Und doch galt er lange Zeit als biederer Abwehrspieler, ohne spielerischen Esprit. Eben einer, von dem man genau das kriegt, was man erwartet und kaum etwas darüber hinaus. Der Wechsel in die englische Premier League im August 2012 kam ob seiner für England prädestinierten physischen Anlagen nicht unerwartet.
Aston Villa als neuer Arbeitgeber
Aston Villa sicherte sich für drei Jahre die Dienste des Nationalspielers, der sich bei der EURO 2012 (wieder) in die Elftal spielte und dabei nicht überzeugen konnte. Die Villans legten immerhin 3,8 Millionen Euro auf den Tisch, holten damit für niederländische Verhältnisse dennoch ein Schnäppchen. Zunächst wurde Vlaar kritisch beäugt, als „billige“ Lösung bezeichnet – mittlerweile ist der Holländer aber Kapitän bei Aston Villa und eine wichtige Integrationsfigur im Team. In zwei Saisonen absolvierte er 65 Pflichtspiele für seinen aktuellen Klub.
Auf die Sternstunde folgt der folgenschwere Fehlschuss
Von der Weltmeisterschaft 2014 dürfte Vlaar trotz des Halbfinalscheiterns gestärkt nach Birmingham zurückkehren. Über das gesamte Turnier zeigte er ansprechende, knallharte Leistungen gegen einige der besten Offensivspieler der Welt. Beim 0:0 gegen Argentinien zeigte Vlaar womöglich die beste Leistung seiner gesamten Karriere – und verabsäumte es sich im Elfmeterschießen selbst dafür zu belohnen. Vlaar ging vorne weg, schoss den ersten Elfer für die Niederlande. Klar – immerhin musste er sich nach seiner Top-Leistung durchaus wohlfühlen. Doch der Niederländer, der in seiner gesamten Karriere noch nie einen regulären Elfmeter traf, vergab kläglich. Zuvor konnte der Innenverteidiger zwölfmal erfolgreich klären, sechs Bälle erobern und vier erfolgreiche Tacklings verbuchen. Mit 92%-iger Passsicherheit war er in dieser Statistik der beste Niederländer und 17 seiner 20 weiten Pässe kamen an den Mann.
Vom biederen Abwehrspieler zum holländischen Leader
Diese Statistiken sind aber nur ein Spiegelbild für die vielen starken Auftritte Vlaars im laufenden Turnier. Weiters zeigte er auf, wie adaptierungsfähig er ist und, dass er ein Leader sein kann. Der heute 30-fache Nationalspieler debütierte zwar bereits 2005 für Oranje, etablierte sich aber erst in den letzten beiden Jahren als feste Größe in der niederländischen Nationalmannschaft. Spätestens bei dieser WM, wenn auch mit bitterem Ausgang, avancierte Vlaar zu einem echten Leadertypen.
Bei Aston Villa hat Ron Vlaar noch ein Jahr Vertrag. Vor zwei Jahren kaufte Villa aufgrund der Verletzungsvorgeschichte Vlaars die berühmte Katze im Sack. Vlaar passte sich der Situation auf der Insel binnen kürzester Zeit an und kehrt nun als „stiller Star“ zurück zu den Jungs aus dem Villa Park.
Daniel Mandl, abseits.at
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Daniel Mandl Chefredakteur
Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen
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