Die ersten Halbfinalisten bei der WM 2014 stehen fest. Deutschland zog mit einem knappen 1:0-Sieg gegen Frankreich in die vorletzte Turnierrunde ein, Brasilien hatte... Tag der Innenverteidiger: Hummels und Silva führen ihr Team ins Halbfinale

Mats Hummels - Borussia Dortmund DFBDie ersten Halbfinalisten bei der WM 2014 stehen fest. Deutschland zog mit einem knappen 1:0-Sieg gegen Frankreich in die vorletzte Turnierrunde ein, Brasilien hatte bei seinem 2:1 ebenfalls zu kämpfen. Alle Treffer wurden dabei per Standardsituationen erzielt und für die Siegermannschaft trafen jeweils Innenverteidiger. Doch nicht nur deshalb wollen wir uns in diesem Artikel mit diesen Akteuren auseinandersetzen.

Die ersten beiden Viertelfinalpartien hatten jeweils ihre eigene Prägung. Die Begegnung Deutschland gegen Frankreich war vor allem durch ein gutes Spiel gegen den Ball geprägt, mit einer herausragenden Strafraumverteidigung aufseiten der Deutschen. In der zweiten Partie dominierte die Intensität, was insgesamt 54 getätigte Fouls eindrucksvoll unterstreichen. Diese Gegebenheiten kamen den vier Innenverteidigern durchaus entgegen, besonders die beiden Abwehrchefs standen exemplarisch dafür.

Mats Hummels und Jerome Boateng

Bundestrainer Joachim Löw bot erstmals bei dieser WM Philipp Lahm als Rechtsverteidiger auf, was zur Folge hatte, dass Jerome Boateng neben Mats Hummels in die Innenverteidigung rutschte und Per Mertesacker auf der Ersatzbank landete. Dadurch entstand eine neue Rollenverteilung. Mertesacker übernimmt üblicherweise eine absichernde Rolle, während Boateng und vor allem Hummels mit ihrer guten, offensiv ausgelegten Antizipation gerne nach vorne rücken und so früher zu Ballgewinnen kommen.

In diesem Spiel übernahm Hummels die tiefere, absichernde Rolle und war dabei in jeder Hinsicht brillant. Wie man in der obigen Grafik erkennen kann, klärte der BVB-Verteidiger viermal im eigenen Strafraum und blockte noch dazu drei Schüsse. Besonders wichtig sind dabei die Positionen, in denen ihm das gelang: sechs davon zentral vor dem Tor und eine am Fünfereck – also Zonen, bei denen Schüsse auf das Tor eine enorm große Gefahr darstellen würden.

Demgegenüber stand das stärker nach vorne ausgerichtete Spiel von Boateng. Der Bayern-Akteur ging schon in hohen Zonen ins Gegenpressing und verfolgte in einer Szene seinen Gegenspieler dabei bis vor den französischen Strafraum.

Die Franzosen versuchten das durch ein direktes Spiel hinter die Abwehr der Deutschen auszunutzen, wodurch vor allem in der ersten Halbzeit eine hohe Dynamik im deutschen Spielfelddrittel entstand. Probleme hatten die Deutschen dabei weniger mit langen Bällen aus dem Spielaufbau heraus, sondern wenn der Ball vor die Abwehr kam. Boatengs Aufrücken sollte durch Vertikalläufe vom Flügel bzw. der Achter verstärkt bespielt werden. Letztlich blieben sie aber meist entweder an Hummels oder am erneut stark spielenden Manuel Neuer hängen.

Thiago Silva und David Luiz

Brasiliens Innenverteidigung ist ähnlich organisiert wie jene von Deutschland. Auf der einen Seite gibt es mit Thiago Silva einen Abwehrspieler, der quasi in jeder Disziplin zu überzeugen weiß, auf der anderen in David Luiz jemanden, der gerne nach vor stößt und auch Abschlüsse sucht. Die Tore der beiden sind Sinnbilder dafür. Das 1:0 erzielte Silva nach einem Eckstoß nachdem er besser antizipierte als sein Gegenspieler. Luiz demonstrierte beim vorentscheidenden 2:0 seine eindrucksvolle Schusstechnik, als er einen Freistoß aus 30 Metern in die Maschen drosch.

Auch auf die Statistiken der beiden Brasilianer wollen wir einen Blick werfen, um die Rollenverteilung klarer zu sehen. Die obige Grafik gibt wieder Auskunft darüber. Während die Defensivaktionen von Luiz, ähnlich zu Boateng, vor allem in größeren Radien vom Tor vonstatten gingen, fokussierte sich Silva auf die Gefahrenzone zentral vor dem Tor, ähnlich wie Hummels.

Mit seiner unglaublichen Physis klärte der brasilianische Kapitän insgesamt 14-mal und blockte weitere drei Schüsse. Außerdem verzeichnete er fünf gewonnene Kopfballduelle, was ebenfalls der Topwert war und vor allem in der hektischen Schlussphase, als Kolumbien mit langen Bällen operierte ein wichtiger Stabilitätsfaktor für sein Team war. Aufgrund einer genauso überflüssigen wie strittigen gelben Karte wird der 29-Jährige das Halbfinale gegen Deutschland allerdings verpassen – ohne Frage ein großer Nachteil für die Selecao.

Alexander Semeliker, abseits.at

Alexander Semeliker

@axlsem

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