{"id":84335,"date":"2023-03-08T10:00:59","date_gmt":"2023-03-08T09:00:59","guid":{"rendered":"https:\/\/abseits.at\/?p=84335"},"modified":"2023-03-08T10:03:14","modified_gmt":"2023-03-08T09:03:14","slug":"groundhopping-ein-besuch-in-deutschlands-dritter-liga","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/abseits.at\/in-depth\/fankurve\/groundhopping-ein-besuch-in-deutschlands-dritter-liga\/","title":{"rendered":"Groundhopping: Ein Besuch in Deutschlands dritter Liga"},"content":{"rendered":"\n\n
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\"\"<\/a>Es sollte turbulent beginnen, der Ausflug in Deutschlands 3.Liga. Die Planung, zwei Spiele in dieser Liga zu besuchen und noch ein Spiel in Luxemburg mitzunehmen, musste kurzer Hand neu erfolgen, weil der eingeplante Fahrer, der den L\u00e4nderpunkt Luxemburg machen wollte, wenige Tage vor der Abfahrt mit einem Plan B aufkreuzte, um dann einen Plan C durchzuziehen. Wir einigten uns darauf, doch zu fahren, doch statt dem Spiel in Luxemburg, zwecks fr\u00fcherer Ankunft daheim, zum Abschluss ein Spiel im deutschen Unterhaus mitzunehmen. So weit so gut, doch der Wintereinbruch samt vorhergesagter Schneef\u00e4lle lie\u00df uns noch an einer Abfahrt zweifeln.<\/em><\/p>\n

SpVgg Bayreuth \u2013 FSV Zwickau 5:3 (1:1)<\/strong><\/h3>\n

Dass Matin und ich dennoch die Fahrt nach Deutschland in Angriff nahmen, lag insbesondere an der charmanten Pressesprecherin der SpVgg Bayreuth<\/strong>, Alina Hacker, die quasi eine Garantie abgab, dass das Wetter am Spieltag keine Probleme machen werde. So brachen wir auf, um dem Abstiegskracher der 3.Liga<\/strong> zwischen der SpVgg Bayreuth und dem FSV Zwickau<\/strong> beizuwohnen. Auf unserem Weg in die oberfr\u00e4nkische Festspielstadt durchqueren wir immer wieder Bereiche in denen es heftig schneit, doch es hat knapp \u00fcber null Grad, sodass der Schnee den Boden bestenfalls anzuckert. Wir erreichen Bayreuth auch zeitgerecht und machen noch einen Spaziergang durch die Sehenswerte Altstadt. Zum Gl\u00fcck ist Martin auch immer auf der Suche nach besonderen Biersorten, sodass wir zweimal auf ein frisch gezapftes Bier einkehren und dabei auch einmal, w\u00e4hrend eines heftigen Schneeschauers, im Warmen sitzen.<\/p>\n

Das Wetter sollte sich heute nicht mehr \u00e4ndern und so wechseln sich halbst\u00fcndlich Sonnenschein und Schneeschauer im Hans-Walter-Wild-Stadion<\/strong> ab. Dieses ist heute sehr gut besucht, denn die Fanszene aus dem nahen Zwickau, angef\u00fchrt vom Red Kaos, bringt zahlreich Leute mit, sodass 4.770 Zuschauer diesem Spiel beiwohnen. So wie der Aufsteiger aus Bayreuth brauchen auch die Zwickauer dringend Punkte, um den Abstieg in dieser Saison verhindern zu k\u00f6nnen. Die Formkurve spricht heute eher f\u00fcr Bayreuth, das nach einem schwachen Saisonstart nun regelm\u00e4\u00dfig punktet, w\u00e4hrend bei Zwickau, nach passablem Saisonstart, schon geraumer Zeit die Ergebnisse nicht mehr ligatauglich sind.<\/p>\n

Auf den R\u00e4ngen passte die Stimmung und auch auf dem teils schneebedeckten Rasen sollte es munter zugehen. Bayreuth kann in der 33. Minute durch Ziereis in F\u00fchrung gehen. Doch w\u00e4hrend der Stadionsprecher noch \u201eTor f\u00fcr die Altstadt\u201c (\u201eOldschdod\u201c wird der Verein seitens der Fans liebevoll genannt) in sein Mikrofon br\u00fcllt, ist der Ball schon wieder im Tor und die Zwickauer bejubeln den nicht unverdienten Ausgleich. Danach zieht wieder eine Schneewolke \u00fcber Bayreuth, die die Zeit bis zur Pause und die Pause selbst ungem\u00fctlich machte.<\/p>\n

Nach dem Seitenwechsel sollte wieder die Sonne zum Vorschein gelangen und die Sonne sollte danach nur mehr f\u00fcr Bayreuth scheinen. Durch die Treffer von Zejnullahu (58.), Fenninger (70.) und Hemmerich (80.) bekam man gleich drei weitere Male Richard Wagners Opernkl\u00e4nge als Torhymne pr\u00e4sentiert. Das ist in der Wagner Festspielstadt zwar nicht au\u00dfergew\u00f6hnlich, aber dennoch ein besonderes Alleinstellungsmerkmal.<\/p>\n

Die Punkte bleiben wohl in Bayreuth, dachte zu diesem Zeitpunkt jeder im Stadion, doch die Zwickauer bewiesen Moral und kommen mit einem Doppelschlag durch Baumann (83.) und Schneider (85.) pl\u00f6tzlich wieder heran. Doch spannende Schlussminuten blieben leider aus, denn Zwickaus Carrera sieht nur eine Minute nach dem Anschlusstreffer seiner Mannschaft die gelb-rote Karte. Aus der Aktion nach dem daraus resultierenden Freisto\u00df trifft Weber per sattem Weitschuss zum 5:3 Endstand f\u00fcr Bayreuth.<\/p>\n

Unter nochmaligen Erklingen von der Richard Wagner Torhymne feiert Bayreuth einen wichtigen Sieg im Abstiegskampf, w\u00e4hrend Zwickau nun auch in der Tabelle den Tiefpunkt erreicht hat, fiel man doch auf Platz 20 zur\u00fcck und muss nun versuchen, das Feld von hinten aufzurollen. Viel Zeit dazu bleibt nicht mehr, sodass man sich in Zwickau schon bald ernsthaft mit dem Gang in die Regionalliga auseinandersetzen wird m\u00fcssen.<\/p>\n

F\u00fcr geht es nach weiter nach in den Westen, wo wir unser Quartier in Walldorf, zwischen dem Sinsheimer Stadion und dem Hockenheimring beziehen, zumal uns die morgige Reise zum Spitzenspiel der 3.Liga ins Saarland f\u00fchren sollte.<\/p>\n

SV 07 Elversberg \u2013 SG Dynamo Dresden 1:1 (0:1)<\/strong><\/h3>\n

Am Sonntagvormittag hatten wir es nicht mehr weit, um zur bereits im Saarland liegenden Gemeinde Spiesen-Elversberg zu gelangen. Nach einem Tankstopp in Homburg kamen wir rund zwei Stunden vor Spielbeginn in Elversberg an. Es herrscht bereits Ausnahmezustand um das Waldstadion Kaiserlinde, das seit 2014 den nicht ganz so klingenden Namen Ursapharm-Arena an der Kaiserlinde <\/strong>tr\u00e4gt. Warum heute so viel los ist, ist auch leicht erkl\u00e4rt, denn der SV 07 Elversberg<\/strong> spielt aus Aufsteiger in die 3.Liga<\/strong> eine b\u00e4renstarke Saison und ist bereits mit Respektabstand zum Relegationsplatz Tabellenf\u00fchrer in dieser Liga und mit dem heutigen Gegner, der SG Dynamo Dresden<\/strong>, kommt der Traditionsverein schlechthin aus dem Osten Deutschlands zu Besuch ins Saarland. Der Zweitligaabsteiger aus Sachsen ist f\u00fcr seine reisefreudigen Fans bekannt, sodass die heutige Begegnung ausverkauft ist. Dies gab es in dieser Saison sonst nur beim Derby gegen den 1.FC Saarbr\u00fccken.<\/p>\n

Die Dresdner spielen eine eher durchwachsene Saison, sind aber dennoch mittendrin im Kampf um den Aufstieg in die zweite deutsche Bundesliga. Hier befindet sich man mit zahlreichen anderen Traditionsvereinen, wie etwa dem SV Waldhof Mannheim, dem 1.FC Saarbr\u00fccken oder dem VfL Osnabr\u00fcck, in einer Gruppe, die allesamt aufsteigen m\u00f6chte. Da es sehr eng im oberen Mittelfeld der Tabelle zugeht, muss Dynamo heute schon fast gewinnen, um nicht den Anschluss in diesem Pulk zu verlieren.<\/p>\n

Auf den R\u00e4ngen herrscht eine ausgezeichnete Stimmung. Die Elversberger Kurve ist zu Spielbeginn sogar mit einer Chreographie am Start, w\u00e4hrend der Dresdner Block von Beginn laut Stimmung macht und einen gewohnt einen sehr gut organsierten Support zu seinem Besten gibt. Auf dem Rasen geben die Saarl\u00e4nder anfangs den Ton an und kommen in der Anfangsphase bereits zu zwei sehr guten M\u00f6glichkeiten. Treffen sollten in der ersten Spielh\u00e4lfte aber nur die G\u00e4ste aus Sachsen. Kutschke konnte nach einer Freisto\u00df-Hereingabe von Kulke den Ball per Kopf zum F\u00fchrungstreffer Dynamos ins Elversberger Tor einnetzen.<\/p>\n

Nach dem Seitenwechsel hatte Dresden die gro\u00dfe Chance f\u00fcr eine Vorentschiedung in diesem Spiel zu sorgen, doch Kammerknecht scheitert in der 47. Minute an der Latte. Elversberg war danach nur aus einem direkten Freisto\u00df gef\u00e4hrlich, w\u00e4hrend Dynamo in weiterer Folge noch zwei weitere gute Chancen auf das 2:0 hatte.<\/p>\n

In der Schlussphase stemmte sich Elversberg gegen die Niederlage und wurde wieder st\u00e4rker. Schlie\u00dflich sollten die Gastgeber in der 81.Minute auch f\u00fcr ihre Bem\u00fchungen belohnt werden. Ein leichter Kontakt im Zweikampf von Kulke bringt Woltemade im Strafraum zu Boden und zum Entsetzen der Dresdner zeigt Schiedsrichter Bacher auf den Punkt. Der eingewechselte Dacaj \u00fcbernahm die Verantwortung und verwandelte diesen Elfmeter zum Ausgleich f\u00fcr Elversberg.<\/p>\n

Auch wenn Dynamo in der Schlussphase zwei Punkte im Saarland verloren hat, zeigt die Formkurve der Sachsen im Jahr 2023 weit nach oben. Man konnte die f\u00fcnf Spiele andauernde Siegesserie der Elversberger brechen und ist selbst seit acht Runden ungeschlagen. Dennoch rutscht man auf Platz sieben in der Tabelle zur\u00fcck. Will Dynamo wieder zur\u00fcck in die zweite Liga, dann wird es nicht reichen, blo\u00df ungeschlagen zu bleiben, denn dann sind daf\u00fcr wohl mehr Siege notwendig. Elversberg spielte hingegen taktisch klug und abgebr\u00fcht, sodass der Zweiligaaufstieg im letzten Saisondrittel wohl nicht mehr verspielt werden sollte.<\/p>\n

Wir verlassen hingegen das Saarland und begeben uns ins Bundesland Rheinland-Pfalz, wo im nahe gelegenen Zweibr\u00fccken noch ein Unterhausspiel auf uns warten sollte.<\/p>\n

VB 1901 Zweibr\u00fccken \u2013 SV 1927 Hinterweidenthal 1:1 (0:1)<\/strong><\/h3>\n

Schon vor der Abreise hatten wir uns gegen eine Weiterfahrt nach Luxemburg entschieden, zumal im es im Saarland und in Rheinland-Pfalz etliche Unterhausspiele zu sehen gab. Nach einer Recherche stellte sich das Spiel des TSC Zweibr\u00fccken 1921 am idealsten f\u00fcr uns heraus, verf\u00fcgt der in der siebtklassigen Landesliga S\u00fcdwest West<\/strong> spielende Verein \u00fcber eine nette Anlage, wobei das Spiel sogar auf dem Rasenplatz angesetzt ist. Doch als wir die TSC Anlage erreichen, herrscht dort g\u00e4hnende Leere. Der erste Frust weicht schnell, denn Martin z\u00fcckt sein Handy und meint, dass der VB Zweibr\u00fccken ebenfalls in dieser Liga spielt und dessen Spiel auch um auf 15.00 Uhr angesetzt ist.<\/p>\n

So werden die 1,5 Kilometer zwischen TSC Sportanlage und VB-Sportplatz<\/strong> z\u00fcgig zur\u00fcckgelegt und beim Einbiegen in die Schlachthofstra\u00dfe, wo sich der Platz befindet, sehen wird schon zahlreiche Autos parken, sodass klar ist, dass hier gespielt wird. Wir betreten die Anlage und der Kassier meint: \u201eAch, ihr habt schon 15 Minuten verpasst, dann m\u00fcsst ihr nur mehr zwei Euro Eintritt zahlen.\u201c Wir nehmen den Rabatt gerne an und mischen uns unter die rund 80 Besucher auf diesem doch sehr einfach gehaltenen Sportplatz. Es ist der Abstiegskracher zwischen dem doch schon abgeschlagenen und noch sieglosen VB 1901 Zweibr\u00fccken<\/strong> und dem auf Platz Elf liegendem Team vom SV 1927 Hinterweidenthal<\/strong>, das mit 21 Punkten doch um 18 Punkte mehr auf dem Konto hat, als der heutige Gastgeber.<\/p>\n

Wir machen und uns auf die Fotorunde und ich werde dabei von einem Fan aus Kaiserslautern gestoppt, der mich anspricht, ob ich nicht ein \u00d6sterreicher sei. Ich bejahe etwas paradox, doch die Verwirrung ist schnell aufgel\u00f6st, hat sich Martin doch in der futbology-App eingeloggt und bekanntgegeben, dass er hier auf dem Platz ist.<\/p>\n

Der Fan aus Kaiserslautern ist von Leben gezeichnet, aber gesellig. Er erz\u00e4hlt uns von seinen Ausw\u00e4rtsfahrten mit dem 1.FCK und seinen Hoppingabenteuern. Er meint, dass seine Frau im Pflegeheim ist und er schon einen Herzinfarkt hinter sich hatte. Aber der Fu\u00dfball ist f\u00fcr ihn der Ausgleich, der ihn gl\u00fccklich macht. Auch wenn er so viele Spiele, wie m\u00f6glich sehen will, ist die Jagd nach dem Kreuzchen nicht so wichtig, denn bei ihm stehen die Unterhaltung mit den Freunden oder die Freude am Spielbesuch an sich in Vordergrund.<\/p>\n

Durch ihn erfahren wir auch, dass das Spiel beim TSC Zweibr\u00fccken wegen eines angeblich vereisten Platzes abgesagt wurde. Gut, es ist heute zwar winterlich k\u00fchl, aber die Wetterlage ist weit weg davon, dass man von einer Vereisung eines Platzes ausgehen k\u00f6nnte. So m\u00fcssen wir allesamt \u00fcber den Grund dieser Absage herzhaft lachen und hoffen auch spannendere zweite 45 Minuten, denn beim Stande von 0:0 nach 45 Minuten werden die Seiten gewechselt.<\/p>\n

In der 55.Minute ist es Tretter, der den SV Hinterweidenthal in F\u00fchrung bringt. Er h\u00e4mmert den Ball aus kurzer Distanz unter die Latte des Zweibr\u00fccker Tores. Doch der Favorit konnte keinen zweiten Treffer nachlegen und so sollte es in der 72. Minute einen Elfmeter f\u00fcr die Gastgeber aus Zweibr\u00fccken geben. Die Hinterweidenthaler protestieren zwar vehement gegen diese Entscheidung des Schiedsrichters, wollen sie zuvor ein Handspiel des VB-St\u00fcrmers gesehen haben, aber es hilft alles nichts. \u00d6sterreicher verwandelt den f\u00e4lligen Strafsto\u00df und das ist schon witzig, dass ein Spieler an der Grenzregion zu Frankreich solch einen Namen tr\u00e4gt und sich gerade bei so einem Spiel, wo zwei \u00d6sterreicher mit von der Partie sind, einen Treffer erzielt.<\/p>\n

Trotz Bem\u00fchungen auf beiden Seiten f\u00e4llt in der Schlussphase kein weiterer Treffer mehr. Ein Spieler der G\u00e4ste verl\u00e4sst den Platz \u00fcber den Schiedsrichter fluchend, wie einst Lothar Matth\u00e4us in Karlsruhe. Janusz G\u00f3ra hatte sich als Ulm-Spieler in der Bundesliga auch einmal zur Schiedsrichterleistung ge\u00e4u\u00dfert und das mit dem Wort „Skandal“ zusammengefasst. Ich meine noch zu unserem Bekannten aus Kaiserslautern, dass Emotionen dazu geh\u00f6ren, aber hier die Spieler ja nicht mehr bezahlt werden. Daf\u00fcr ernte ich ein \u201eOh, doch, zwar nicht mehr so viel, aber die bekommen alle Geld daf\u00fcr!\u201c<\/p>\n

Wir verabschieden uns dann und brechen via Pirmasens wieder gegen Osten auf. Diese Tour endete doch mit einem unerwarteten Spiel und einer ebenso unerwarteten neuen Bekanntschaft, sodass auch dieser Zweibr\u00fccker Unterhaussportplatz wohl noch l\u00e4nger in bester Erinnerung bleiben wird.<\/p>\n

Es folgen Impressionen, die sich per Klick vergr\u00f6\u00dfern lassen:<\/em><\/p>\n\n\t\t