Der Hamburger SV gewann am zwölften Spieltag der Bundesliga 2025-2026 im Volksparkstadion mit 2:1 gegen den VfB Stuttgart. Nach dem 1:0 durch Robert-Nesta Glatzel in der siebzehnten Minute glich Deniz Undav nach der Pause aus, bevor Fábio Vieira in der neunzigsten Minute den späten Siegtreffer erzielte. Über weite Phasen bestimmte Stuttgart den Ball, während Hamburg seine wenigen Offensivphasen in Tore ummünzte.
Ballbesitz und Spielkontrolle
Der VfB Stuttgart prägte die Partie über Ballzirkulation und Passvolumen: 66 Prozent Ballbesitz und 542 Pässe bei 471 erfolgreichen Zuspielen stehen einer Hamburger Bilanz von 34 Prozent Ballbesitz und 277 Pässen mit 200 erfolgreichen Pässen gegenüber. Das Spiel verlagerte sich dadurch häufig in Zonen, in denen Stuttgart kontrolliert aufbauen konnte, während der Hamburger SV deutlich seltener längere Ballbesitzphasen bekam und im eigenen Spiel vor allem auf kurze, zielgerichtete Sequenzen angewiesen war.
Trotz dieser klaren Verteilung blieb die Kontrolle nicht gleichbedeutend mit hoher Durchschlagskraft. Stuttgart nahm insgesamt vierzehn Schüsse, brachte aber nur drei davon aufs Tor. Hamburg kam zwar nur auf neun Schüsse und zwei Schüsse aufs Tor, hielt sich jedoch in den entscheidenden Momenten im Spiel und setzte seine wenigen Präzisionstreffer. Dass die Expected Goals mit 0.98 für den Hamburger SV und 0.75 für den VfB Stuttgart relativ eng beieinander lagen, passt zu einem Verlauf, in dem Stuttgart die höheren Volumina sammelte, Hamburg aber die klareren Abschlussergebnisse erzielte.
Chancenprofil und Effizienz im Abschluss
Das Chancenprofil beider Teams erklärt, warum das Spiel trotz Stuttgarter Übergewicht offen blieb. Hamburg suchte seine Abschlüsse überwiegend aus dem Strafraum: acht der neun Schüsse kamen innerhalb des Sechzehners. Stuttgart verteilte seine Versuche deutlich breiter, mit sieben Schüssen aus dem Strafraum und sieben Abschlüssen von außerhalb. Dadurch entstand ein Bild, in dem der VfB häufiger aus der Distanz zum Abschluss kam, während der Hamburger SV seine Abschlüsse stärker auf gefährliche Zonen konzentrierte.
Die Tore fielen entsprechend aus den Phasen, in denen Hamburg im letzten Drittel effektiv wurde. Das 1:0 in der siebzehnten Minute durch Glatzel war zugleich sein einziger Abschluss, der auch aufs Tor ging. Auffällig ist dabei die personelle Komponente: Vorlagengeber Alexander Røssing-Lelesiit sammelte bis zu seinem Platzverweis zwei Key Pässe und insgesamt vier herausgeholte Fouls, also wiederholt Situationen, in denen Hamburg zu Entlastung und zu Aktionen in Richtung Strafraum kam. Glatzel selbst stand nur bis zur dreiunddreißigsten Minute auf dem Platz, hatte aber mit seinem Treffer die Effizienzlinie früh gesetzt und bekam dafür ein Spielerrating von 7.5.
Stuttgart gelang der Ausgleich nach der Pause: Undav traf in der vierundfünfzigsten Minute nach Vorlage von Jamie Leweling. Beide waren zuvor eingewechselt worden, Undav in der vierzigsten Minute und Leweling zur Pause. Das Tor bestätigte, dass Stuttgart seine Feldüberlegenheit zumindest zeitweise in konkrete Torgefahr übersetzen konnte. Gleichzeitig blieb die Ausbeute insgesamt begrenzt: Undav kam auf drei Schüsse, aber nur einen Schuss aufs Tor, und Stuttgarts Torhüter Alexander Nübel musste über die gesamte Partie keine Parade verzeichnen, was die überschaubare Hamburger Anzahl an Abschlüssen aufs Tor unterstreicht.
Spielentscheidende Phasen, Wechsel und Disziplin
Der Spielverlauf wurde durch mehrere Einschnitte geprägt. Der erste war der frühe Führungstreffer Hamburgs, der die Ausgangslage für lange Stuttgarter Ballbesitzphasen schuf. Kurz danach folgte mit dem verletzungs- oder taktisch bedingten Wechsel Glatzels in der dreiunddreißigsten Minute ein weiterer Bruch, der Hamburgs Offensivspiel zwangsläufig veränderte. Mit Ransford-Yeboah Königsdörffer kam zwar ein Ersatz, doch die Rollen verschoben sich: Königsdörffer brachte zwei Abschlüsse ein, blieb in seinen Duellen jedoch bei nur einem gewonnenen Zweikampf und hatte damit weniger direkte Durchsetzung in den entscheidenden Momenten.
Stuttgart reagierte bereits vor der Pause personell und setzte im zweiten Durchgang mit Leweling und später Angelo Stiller weitere Akzente. Dass der Ausgleich aus dem Zusammenspiel zweier Einwechselspieler entstand, ordnet diese Maßnahmen klar als wirksam ein. In der Schlussphase kippte das Spiel dann erneut in eine Richtung, die nicht über Ballbesitz, sondern über einzelne Ereignisse entschieden wurde. Hamburg verlor Røssing-Lelesiit in der einundachtzigsten Minute mit Gelb-Rot, nachdem er bereits in der fünfundsechzigsten Minute verwarnt worden war. Stuttgart hatte insgesamt vier Gelbe Karten, Hamburg neben der Verwarnung auch die Ampelkarte, dazu kam auf Hamburger Seite ein hoher Foulwert von sechzehn gegenüber zwölf Stuttgarter Fouls. Die Partie wurde damit in den letzten Minuten noch stärker durch Unterbrechungen und Zweikämpfe geprägt.
Gerade in dieser Phase fiel die Entscheidung dennoch zugunsten des Hamburger SV. Fábio Vieira wurde in der siebenundsechzigsten Minute eingewechselt und erzielte in der neunzigsten Minute das 2:1 nach Vorlage von F. Balde, der erst in der achtundsechzigsten Minute gekommen war. Beide Einwechselspieler hatten damit unmittelbaren Einfluss auf das Ergebnis. Vieiras Beitrag war extrem punktgenau: ein Schuss, ein Schuss aufs Tor, ein Tor bei sieben von sieben angekommenen Pässen, was sich auch im Spielerrating von 7.6 widerspiegelte. Für Stuttgart wurde die Schlussphase trotz numerischer Überzahl nicht mehr zu einer Phase mit klarem Abschlussdruck, was sich auch daran zeigt, dass Hamburgs Torhüter Daniel Heuer Fernandes nur zwei Paraden benötigte.
Zusammenfassung
- Der Hamburger SV gewinnt in der Bundesliga 2025-2026 gegen den VfB Stuttgart mit 2:1 durch Tore von Glatzel und Fábio Vieira, dazwischen trifft Undav.
- Stuttgart dominiert Ballbesitz und Passvolumen mit 66 Prozent und 542 Pässen, Hamburg spielt lange ohne Kontrolle, bleibt aber zielstrebig in wenigen Offensivphasen.
- Hamburgs Abschlüsse kommen überwiegend aus dem Strafraum mit 8 von 9 Schüssen, Stuttgart verteilt seine vierzehn Schüsse zur Hälfte auf Distanzversuche.
- Der Ausgleich entsteht nach Einwechslungen, das Siegtor ebenfalls durch zwei Hamburger Joker, während die Ampelkarte gegen Røssing-Lelesiit die Schlussphase zusätzlich prägt.
- Die Expected Goals bleiben eng mit 0.98 zu 0.75, bei einem Schussverhältnis von 9:14 und Schüssen aufs Tor von 2:3.