Eigentlich gibt es in der Champions League nicht mehr so oft eine richtige Überraschung zu bewundern. Denn meistens sind es ja dann doch die üblichen Verdächtigen, die den jährlichen Preis unter sich ausmachen. Ab und an kommt aber dann doch ein Anwärter daher, der den Titanen des Sports ein echtes Schnippchen schlagen kann. Und genau um so einen Fall handelt es sich bei Bodø/Glimt, dem norwegischen Tausendsassa, der seit einiger Zeit den Größen des europäischen Fußballs das Fürchten lehrt.
Der Hintergrund des Vereins
Auf den ersten Blick handelt es sich bei Bodø/Glimt eher um einen Underdog für den Gewinn des Turniers. Die Champions League Quoten sehen das allerdings ein bisschen anders. Schließlich hat der Ort gerade mal 50.000 Einwohner. Zudem ist Norwegen nicht unbedingt eine Fußballnation. Irgendwas scheint in den Fjorden allerdings in der Luft zu liegen. Denn das Kombinationsspiel der Norweger kann fast schon als südamerikanisch bezeichnet werden. Dazu kommt die Disziplin, für die die Nordmänner so bekannt sind. Und schon hat man eine Siegesformel parat, auf die der Großteil von Europa schlicht und ergreifend nicht vorbereitet war.
Ein Coach und ein Team
Wenn man auf der Suche nach dem Erfolgsrezept ist, das die Norweger bis an die vordere Front in der Champions League gebracht hat, dann sollte man am besten beim Trainer beginnen. Denn Kjetil Knutsen hat die Stärken seiner Jungs erkannt und aufs Äußerste geschärft. Dabei hat er auch noch Zugriff auf einen talentierten Kader, der sich vor der internationalen Konkurrenz nicht verstecken muss. Der Stürmer Kasper Høgh stammt aus Dänemark und sorgt für den nötigen Zug zum Tor. Kapitän Patrick Berg gilt als der kreative Kopf, der sich für den Spielaufbau verantwortlich zeigt. Man sieht, dass die meisten Spieler einen kulturellen Hintergrund teilen, was das Zusammenspiel vereinfacht.
Der Weg zum Sieg
Eigentlich denkt man bei Norwegen ja eher an behäbige Zeitgenossen. Diese Vorstellung hat der Trainer Knutsen aber komplett auf den Kopf gestellt. Sein Programm 4-3-3 ist komplett auf Aggressivität eingestellt. Die Norweger stören früh mit rabiatem Pressing und lassen den Spielaufbau der gegnerischen Mannschaft gar nicht erst zu. Dabei lassen sie zwar ein paar Lücken in der Abwehr, setzen aber alles daran, das mit einem großen Vorsprung direkt unwichtig zu machen. Die Devise ist: einfach mehr Tore schießen als der Gegner.
Wen konnten die Norweger alles bezwingen?
Bereits im bisherigen Verlauf des Turniers könnten die Nordmänner zeigen, was sie so auf dem Kasten haben. In der Vorrunde fiel den Norwegern bereits das Team von Manchester City zum Opfer. Doch auch damit wollte sich das Team nicht zufriedengeben und fügte der Kerbenliste noch die Mannschaft von Atletico Madrid hinzu. Den echten Clou landeten die Norweger dann aber in der Relegation für die Knockout-Phase. Sie warfen nämlich die Favoriten von Inter Mailand aus dem Rennen. Nach einem spektakulären Hinspiel, das sie mit 3 zu 1 gewannen, konnten sie dem Ganzen im Rückspiel auch noch die Krone aufsetzen. Ein weiterer Sieg mit 2 zu 1 führte zu einem Endergebnis von 5 zu 2.
Was bedeutet das für die Liga?
Nun heißt es im nächsten Schritt Nord gegen Süd, denn die Norweger sehen sich einem Team aus Portugal gegenüber. Sporting CP heißt der Gegner, dem sie sich in der nächsten Runde stellen müssen. Das wird natürlich spannend, denn die Portugiesen gelten nicht unbedingt als Favoriten. Die Frage ist dann, ob die Underdogs die anderen Underdogs dann vielleicht doch unterschätzen. Denn eines ist klar: in dieser Begegnung gilt Bodø/Glimt definitiv als der Favorit, auch wenn man das noch vor ein paar Monaten niemals auch nur im Ansatz vermutet hätte.
Ein Ausblick
Wie stehen nun die Chancen für den Rest des Turniers? Zwar haben die Norweger bereits ein paar echte Hürden gemeistert. Für die kommenden Spiele müssen sich aber auch die Nordmänner warm anziehen. Denn jetzt sind nur noch absolute Top Teams im Rennen. Am 10. und 11. März entscheidet sich dann, welche Mannschaften es direkt bis ins Viertelfinale schaffen. Diese Hürde müsste für Bodø/Glimt eigentlich gut zu meistern sein, falls sie dabei ihren soliden Ansatz nicht aus den Augen verlieren. Im Viertelfinale wird es dann ernst. Die Norweger sehen sich dann nämlich dem Sieger aus der Begegnung Arsenal London und Bayer Leverkusen gegenüber – gerade Arsenal gilt dieses Jahr als der Top Favorit.
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