Auch wenn die Europameisterschaft noch im vollen Gang ist, wirft die kommende Saison bereits ihre Schatten voraus. Alle Bundesligisten stehen mittlerweile voll im Training... Die Mär vom frühen Saisonstart

Auch wenn die Europameisterschaft noch im vollen Gang ist, wirft die kommende Saison bereits ihre Schatten voraus. Alle Bundesligisten stehen mittlerweile voll im Training und bereiten sich auf die Herausforderungen der nächsten intensiven Monate vor. Der Saisonstart erfolgt heuer in Österreich am 21. und 22. Juli, eine Woche davor findet die erste Cuprunde statt. Damit liegt die heimische Liga voll im internationalen Trend.

Eine der steten Konstanten im heimischen Fußball ist, dass, je näher der Saisonstart rückt, die Jammerei über dessen vermeintlich frühen Zeitpunkt einsetzt. Vornehmlich wird von vielen Seiten darüber geklagt, dass man hierzulande doch dermaßen früh wieder zu kicken beginne, während angeblich ganz Fußball-Europa noch mitten in der Vorbereitung steht.

Betrachtet man jedoch die nationalen und internationalen Terminpläne, ist dem beileibe nicht so, denn zahlreiche Ligen beginnen wie die österreichische Mitte Juli, lediglich die Topnationen lassen es etwas ruhiger angehen und starten erst im August und die neue Spielzeit. Die nachfolgende Tabelle zeigt den Zeitpunkt des Saisonstarts der Ligen in den Top-30 der UEFA-Fünfjahreswertung (exklusive der Verbände mit Kalendermeisterschaft sowie derer, von denen kein verbindliches Startdatum in Erfahrung zu bringen war).

Aus der Aufstellung geht deutlich hervor, dass einige Länder wie die Schweiz oder Dänemark, die nicht selten als Vorbilder genannt werden, sogar eine Woche vor Österreich in die Meisterschaft starten und die heimische Bundesliga zeitgleich unter anderem mit Russland und Rumänien den Betrieb aufnimmt.

Einen deutlich späteren Saisonstart können sich nur die großen Nationen leisten, die dafür den Winter (nahezu) durchspielen, was an den milderen klimatischen Bedingungen und der besseren Infrastruktur als etwa in Österreich und der Schweiz liegt. In Zypern und Griechenland beginnt man erst Anfang September, da die heiße Witterung einen früheren Start sinnlos macht. Jedoch startet beispielsweise die Coppa Italia auch bereits Anfang August und der DFB-Pokal beginnt eine Woche vor der deutschen Bundesliga.

Ebenfalls in der Übersicht eingetragen sind die Termine für die diversen Qualifikationsrunden für Europa und Champions League. Die erste Runde – an der immerhin auch Vereine aus Polen, Kroatien und der Slowakei teilnehmen – startet bereits wenige Tage nach dem Europameisterschaftsfinale. Die heimischen Vereine (mit Ausnahme von Rapid) steigen direkt nach dem Cupauftakt und vor der ersten Meisterschaftsrunde in den internationalen Bewerb ein.

Würde man nun in Österreich, wie von einigen Seiten stets gefordert, deutlich später beginnen (was bei 36 Runden ohnehin praktisch unmöglich ist), würden die Vereine mit einem nicht zu vernachlässigenden Nachteil in die wichtigen Europacupspiele gehen. Gerade in den letzten Jahren hat sich gezeigt, wie bedeutsam es ist, bereits früh gut eingespielt zu sein, denn Österreich liegt bei den Erfolgen in der Europacupqualifikation im absoluten Spitzenfeld.

Dass ein später Saisonstart auch auf internationaler Bühne viel Schaden anrichten kann, mussten hingegen die schottischen Clubs in den letzten Jahren leidvoll erfahren. Die dortige Premier League startete zumeist erst Mitte August in die Saison, die Vereine mussten aber bereits einen Monat zuvor im Europacup antreten. Durch die mangelhafte Vorbereitung kamen somit Resultate wie das Ausscheiden Falkirks gegen Vaduz oder ein Gesamtscore von 1:8 von Aberdeen gegen Sigma Olmütz zustande. Davon, dass die Rangers an Kaunas scheiterten, ganz zu schweigen, wobei auch nicht jeder Misserfolg rein auf die zu kurze Vorbereitung geschoben werden darf, denn oftmals fehlt es schlichtweg an der Qualität.

Es kommt also auf die Betrachtungsweise an, ob man den Saisonstart in Österreich als früh oder spät ansieht. Richtet man den Fokus auf Deutschland, England und Co, ist man gewiss früh dran, doch diese Nationen verfügen über gänzlich andere Voraussetzungen. Hingegen starten zahlreiche Ligen, die mit der Bundesliga in etwa auf einer Stufe stehen praktisch zeitgleich, so dass man sicherlich nicht davon sprechen kann, dass lediglich in Österreich bereits im Juli wieder gegen den Ball getreten wird, während Resteuropa noch im Fußballurlaub ist.

OoK_PS, abseits.at

  • jack candy

    22.Juni.2012 #1 Author

    Endlich sagt das mal jemand!
    Und jetzt bitte noch ein Kommentar zur „viel zu kurzen Winterpause“ und gegen die Kalendermeisterschaft 😉
    Im Grunde lässt sich das „Problem“ nur durch eine Verringerung der Zahl der Pflichtspiele lösen (besonders die Engländer würden darüber lachen – Premier League-Spitzenspieler kommen mit Champions League und Länderspielen schon mal auf 60-65 Spiele pro Jahr).
    Eine 12er-Liga fällt vernünftigerweise wohl aus, denn mit vier Durchgängen hätten die Vereine noch mehr Spiele, mit drei Durchgängen gäbe es das Problem mit der ungleichen Zahl von Heimspielen, und Play-Offs sind schlichtweg blödsinnig.
    Also bleibt eigentlich nur eine 16er-Liga mit 30 Spielen (26 Spiele in einer 14er-Liga wären wohl zu wenig), der die großen Klubs wahrscheinlich nie zustimmen werden.

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  • sfb

    22.Juni.2012 #2 Author

    was noch viel eher thematisiert gehörte wäre die vorverlegung der ersten runde des öfb-cups. mit diesem kuhhandel haben sich die profivereine den ausschluss der amateuerteams abkaufen lassen – zu diesem zeitpunkt steigen die meisten unterligamannschaften erst ins training ein und werden so ihrer kleinen chance vollends beraubt.

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