
Brasiliens Fußballgeschichte verbindet man zuerst einmal mit Kreativität, Offensivfeuerwerken und Zauberfußballern à la Garrincha, Pelé oder Zico. Dass das Land der Fußballromantiker auch taktisch wegweisende Abwehrspieler hervorgebracht hat, bleibt dabei häufig unter dem Radar. Ein Paradebeispiel dafür ist Luís Edmundo Pereira, der nicht nur die robuste Defensive alter Schule verkörperte, sondern seiner Zeit taktisch deutlich voraus war.
Pereira begann seine Karriere Ende der 60er-Jahre bei Palmeiras, mitten im goldenen Zeitalter des brasilianischen Klubfußballs. Obwohl in seiner Heimat zunächst eher als klassischer Verteidiger wahrgenommen, machte er in Europa, speziell bei Atlético Madrid, schnell deutlich, warum er als erster „moderner“ Innenverteidiger Brasiliens gilt.
In einer Zeit, in der Verteidiger fast ausschließlich auf kompromisslose Zweikampfstärke setzten, überraschte Pereira mit einem völlig anderen Spielstil: Er war nicht bloß ein Zerstörer, sondern ein Vorbereiter, der oft genug den Spielaufbau selbst in die Hand nahm. Seine wichtigsten taktischen Merkmale waren schnelle Vertikalläufe ins Mittelfeld, kontrollierte Pässe nach vorn und eine außergewöhnliche Fähigkeit, gegnerische Spielzüge schon im Ansatz zu antizipieren.
Beim Wechsel zu Atlético Madrid im Sommer 1974 war Pereira eine kleine Sensation: Der damals 25-Jährige zählte plötzlich zu Europas besten Abwehrspielern und verlieh Atlético genau jene Stabilität und taktische Vielfalt, die dem Klub in Spanien bis dahin fehlte. Die Spanier profitierten von seiner Schnelligkeit und körperlichen Stärke ebenso wie von seinen Vorstößen, mit denen er in seinen fünf Jahren bei Atlético immerhin 17 Treffer erzielte. Das klingt selbst heute noch beeindruckend, damals war es schlicht außergewöhnlich. Er absolvierte insgesamt 562 Spiele bei Palmeiras und 171 Spiele bei Atlético Madrid. Mit Atletico gewann er einmal die Liga und einmal den nationalen Pokal und wurde auch in die Elf der Saison gewählt. Mit Palmeiras gewann er insgesamt sogar fünf Titel.
Auch bei der WM 1974 spielte Pereira eine zentrale Rolle in Brasiliens Defensive, blieb dabei allerdings vor allem durch seinen unrühmlichen Platzverweis im legendären Duell gegen die Niederlande in Erinnerung: Ein hartes Foul an Johan Neeskens brachte ihm die erste Rote Karte ein, die jemals ein brasilianischer Spieler bei einer WM sah – eine bittere Randnotiz in einer ansonsten beeindruckenden Laufbahn.
Pereira prägte mit seinem modernen, flexiblen Spielstil die Generationen nach ihm. Spieler wie Aldair oder der Weltmeister Lúcio trugen später seine taktische Idee weiter. Heute lebt Pereira unauffällig in Madrid, ist noch immer mit Atlético verbunden.
Dass sein Name heute kaum noch genannt wird, ist typisch für taktisch intelligente Defensivspieler, deren wahre Bedeutung erst dann sichtbar wird, wenn man den Fußball von heute mit jener Zeit vergleicht, in der sie aktiv waren. Luís Pereira mag heute kaum mehr im Rampenlicht stehen, sein Einfluss auf den modernen Abwehrspieler – vor allem in Brasilien – bleibt aber unübersehbar.
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