In der glorreichen Geschichte des brasilianischen Fußballs gibt es unzählige Weltstars wie Pelé, Garrincha oder Zico, über die schon viel und ausgiebig geschrieben wurde. Doch jene, die im Hintergrund das Fundament für diese Glanzlichter legten, geraten manchmal in Vergessenheit. Einer von ihnen war Zito – der stille Antreiber, der Ordnung schuf, wo andere die Freiheit liebten.
Geboren 1932 in Roseira, São Paulo, wuchs José Ely de Miranda, wie Zito eigentlich hieß, mit dem Traum auf, Lehrer zu werden. Vielleicht war es dieser pädagogische Geist, der ihn später auf dem Spielfeld auszeichnete: Er war nicht der große Künstler am Ball, sondern derjenige, der Strukturen vorgab, Balance schuf und schlussendlich andere glänzen ließ.
Der unsichtbare Kapitän
1952 kam Zito zu Santos, einem Klub, der in den folgenden Jahren nicht nur durch Pelé weltberühmt werden sollte, sondern durch eine Mannschaft, die als „Os Santásticos“ – die Fantastischen – Fußballgeschichte schrieb. 15 Jahre lang hielt Zito das Herz dieser Mannschaft am Schlagen. In 733 Spielen für Santos, in denen er 57 Tore erzielte, war er das stille Rückgrat eines Teams voller Stars.
Seine Präsenz auf dem Platz war ruhig, aber unübersehbar. Schon während seiner aktiven Zeit nannte ihn die Presse „Gerente“, den Manager, weil er nicht nur selbst diszipliniert spielte, sondern auch seine Mitspieler lenkte. Wenn Pelé zauberte und Pepe stürmte, war es Zito, der aus der zweiten Reihe alles zusammenhielt.
Er war ein klassischer Volante – ein defensiver Mittelfeldspieler, der Räume schloss, das Spiel ordnete und seine Mitspieler entlastete. Wo andere Tempo machten oder Dribblings suchten, blieb Zito der ruhige Kopf: antizipierte gegnerische Angriffe, gewann Bälle, verteilte sie mit sicheren, einfachen Pässen.
Seine Stärke war nicht das Auffällige, sondern das Notwendige. Er stellte sich nie selbst in den Vordergrund – und prägte doch die Mannschaft mit seinem taktischen Verständnis und seiner unaufgeregten Klarheit.
Weltmeister und Schlüsselfigur
Mit der brasilianischen Nationalmannschaft feierte Zito seine größten Erfolge: 1958 und 1962 wurde er Weltmeister. Während er 1958 in Schweden zunächst als Ersatzspieler antrat, erarbeitete er sich schnell einen Stammplatz – und wurde zu einem der prägenden Spieler beim ersten brasilianischen WM-Triumph.
Besonders beim WM-Finale 1962 in Chile zeigte sich seine Bedeutung: Brasilien lag gegen die Tschechoslowakei zurück, Pelé war verletzt. In dieser schwierigen Phase war es Zito, der per Kopf den Ausgleich erzielte – der Anfang einer Wende, die Brasilien am Ende den Titel sicherte.
Nach seiner aktiven Zeit blieb Zito seinem Verein verbunden.
Er arbeitete als Funktionär und Jugendkoordinator bei Santos und war maßgeblich daran beteiligt, Talente wie Robinho, Diego – und Neymar zu entdecken und zu fördern. Schon früh erkannte er das besondere Talent des damals elfjährigen Neymar und holte ihn in die Jugendabteilung von Santos.
„C“ für Captain
Nach seinem Tod 2015 ehrte Santos seinen alten Kapitän auf besondere Weise: Seitdem tragen die Spielführerbinden des Klubs nicht mehr das übliche „C“ für Captain, sondern ein „Z“ – für Zito.
Zito war nie der größte Dribbler, nie der spektakulärste Torschütze. Aber ohne ihn wären viele der größten Erfolge Brasiliens vielleicht nicht möglich gewesen. Er war schließlich derjenige, der daran dachte, was die Mannschaft brauchte, wenn andere in erster Linie an sich dachten.
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