Dass die künstliche Intelligenz früher oder später auch verstärkt im Fußballgeschäft Einzug halten wird, steht außer Frage und ist wohl auch nur noch eine Frage der Zeit. Wie bei jeder Anwendungsart ist es aber speziell im professionellen Fußballgeschäft besonders wichtig die KI korrekt und möglichst effizient zu nutzen. Ein wichtiger Faktor bei dem der spanische Trainer Robert Moreno eindeutig noch Aufholbedarf hat.
Der 48-jährige Moreno ist im internationalen Fußball kein unbeschriebenes Blatt. Er war jahrelang Co-Trainer von Luis Enrique in Barcelona, Vigo und Rom, trainierte im Jahr 2019 für zehn Partien die spanische Nationalmannschaft und floppte danach sowohl bei der AS Monaco als auch beim FC Granada.
ChatGPT als wichtigster Co-Trainer
Im Dezember 2023 heuerte Moreno im russischen Sochi an, wo er bis Ende August 2025 Trainer war, ehe er auf dem letzten Platz der russischen Premier Liga liegend entlassen wurde. Knapp ein halbes Jahr später wurden Details über seine Arbeitsmethoden bekannt.
Den Vereinsoffiziellen des nach wie vor Tabellenletzten zufolge, war ChatGPT für Moreno wohl der wichtigste Co-Trainer. Wie der ehemalige Geschäftsführer des Klubs Andrei Orlov erklärte, waren die Anleihen an der künstlichen Intelligenz nicht irgendwelche Ausnahmen, sondern praktisch täglicher Bestandteil von Morenos Arbeit.
Der spanische Coach ließ von der Software Trainingspläne erstellen, nutzte den AI-Client für die Matchvorbereitung und sogar für die Vorbereitungen auf die Reisen des Teams.
28 Stunden wach? Kein Problem!
So zum Beispiel als es in der zweiten Liga ins entlegene Khabarovsk ging und Moreno voller Selbstvertrauen konstatierte, dass die Reise bereits bestens von ihm organisiert wurde.
Dummerweise schlug ChatGPT vor, dass die Spieler im Zuge der langen Reise idealerweise 28 Stunden lang nicht schlafen sollten. Am Matchtag um 5 Uhr früh aufzustehen war ein anderer Vorschlag der KI, den Moreno ohne großes Hinterfragen so auch an seine Spieler weitergab.
KI als suboptimaler Scout
Dessen nicht genug, nutzte Moreno die künstliche Intelligenz auch für die Suche nach neuen Offensivoptionen im Sommer. Die Vorauswahl brachte drei Angreifer aufs Tableau: Vladimir Pisarsky, Pavel Meleshin und Artur Shushenachev waren die Top-Kandidaten für den Sochi-Sturm.
Um herauszuarbeiten, welcher der Angreifer am besten geeignet wäre, extrahierte Trainer Moreno Daten des renommierten Anbieters WyScout und verfütterte sie an ChatGPT.
Offensichtlich war der Prompt des spanischen Trainers aber nicht detailliert genug und die KI benannte Artur Shushenachev als besten Kandidaten für die Position. Der Klub folgte der Empfehlung und holte den kasachischen Brecherstürmer leihweise vom israelischen Klub Hapoel Beer-Sheva.
In der zweiten russischen Liga kam der Angreifer auf keinen einzigen Treffer und lediglich im russischen Cup steuerte er gegen ebenfalls unterklassige Klubs zwei Tore bei. Ob die mangelhafte, von ChatGPT vorgegebene Trainingsplanung Grund für seine regelmäßigen Muskelverletzungen war, ist allerdings nicht zweifelsfrei überliefert. Nach neun Monaten kehrte der kasachische Nationalspieler nach Israel zurück.
(Nicht) Gewusst wie…
Es ist ein kurioses Beispiel dafür, was passieren kann, wenn eine grundsätzlich gute Technologie auf die falsche Art und Weise angewendet wird. Seit seinem Aus in Sochi im vergangenen August ist der katalanische Coach jedenfalls vereinslos. Nachdem die kuriose, von Orlov geleakte Geschichte die Runde machte, ist wohl zu erwarten, dass sein nächster Arbeitgeber die eine oder andere Anti-KI-Klausel in den Vertrag schreiben wird…

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als „Gschropp“ sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen
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