Der Derbyabend in der Süper Lig 2025-2026 endete am achtundzwanzigsten Spieltag mit einem 1:0 für den Fenerbahce gegen den Besiktas im Ülker Stadyumu. Über weite Strecken blieb die Partie torlos, ehe die Entscheidung in der Nachspielzeit per Elfmeter fiel. Dazwischen prägten ausgeglichene Abschlusszahlen, aber eine deutliche Differenz bei Schüssen aufs Tor und bei den Expected Goals den Verlauf.
Ballbesitz und Spielkontrolle
Im Grundmuster lag der Fenerbahce über die gesamte Spielzeit etwas häufiger am Ball und band das Spiel öfter in der gegnerischen Hälfte, was sich in 56 Prozent Ballbesitz sowie in 456 Pässen bei 382 erfolgreichen Zuspielen ausdrückte. Der Besiktas blieb mit 44 Prozent Ballbesitz und 365 Pässen deutlich passiver und kam auch in der Passsicherheit nicht an den Gegner heran, was die Möglichkeit reduzierte, längere Ballbesitzphasen zu stabilisieren und Angriffe mehrfach neu aufzubauen.
Trotz identischem Schussverhältnis von 13:13 zeigte sich der Unterschied darin, wie oft beide Teams in Abschlusspositionen kamen, aus denen tatsächlich Torgefahr entstand. Der Fenerbahce brachte sechs Schüsse aufs Tor, der Besiktas nur zwei. Diese Spreizung passte zur Gesamttendenz, dass der Fenerbahce im letzten Drittel häufiger so abschloss, dass der gegnerische Torhüter eingreifen musste, während der Besiktas einen größeren Anteil seiner Versuche nicht sauber durchbekam oder gar nicht erst in Richtung Tor platzierte.
Auch bei Standards wurde die Feldüberlegenheit des Fenerbahce sichtbar. Mit 10:5 Ecken hatte das Heimteam häufiger längere Phasen, in denen der Besiktas tief verteidigen musste. Umgekehrt fehlte dem Besiktas im Spielaufbau die Konstanz, um in ähnlicher Regelmäßigkeit Druck in Tornähe zu erzeugen.
Chancenqualität und Torhüter als Faktor
Der größte Abstand zwischen beiden Teams lag in der Chancenqualität. Mit 2.93 zu 1.02 bei den Expected Goals hatte der Fenerbahce ein deutliches Plus an Abschlüssen, die statistisch näher am Torerfolg lagen. Das ging nicht über eine höhere Anzahl an Abschlüssen insgesamt, sondern über die bessere Auswahl der Abschlusssituationen und die höhere Präzision im letzten Moment, erkennbar am Verhältnis der Schüsse aufs Tor.
Innerhalb des Sechzehners lagen die Werte mit 6:5 zwar eng beieinander, dennoch zeigte sich ein klarer Unterschied in der Durchschlagskraft: Der Besiktas ließ zehn Schüsse blocken, der Fenerbahce nur drei. Dieses Verhältnis deutete darauf hin, dass der Besiktas häufiger in Schussbahnen kam und Abschlüsse frühzeitig störte, zugleich aber auch darauf, dass der Fenerbahce viele Versuche überhaupt erst in Situationen anbrachte, in denen ein Block nötig wurde und die Aktion damit bereits in gefährlicher Zone stattfand. Dass der Besiktas-Torhüter fünf Paraden verzeichnete, der Fenerbahce-Torhüter nur zwei, passte in dieses Bild.
Ein Schlüsselmoment war das aberkannte Tor des Fenerbahce in der 56. Minute nach VAR-Entscheidung wegen Abseits. Dieser Eingriff hielt den Spielstand zunächst bei 0:0 und verlängerte die Phase, in der die bessere Chancenbilanz des Heimteams noch nicht in ein Tor umschlug. Auf der Gegenseite stach Ersin Destanoğlu mit einem Spielerrating von 8.2 heraus, dem höchsten Wert im Team des Besiktas. Die fünf Paraden und das Rating ordneten sich direkt in die Spielrealität ein: Der Besiktas überstand mehrere klare Situationen, ohne in Führung oder Ausgleichsnähe über eigene Abschlüsse aufs Tor zu kommen.
Beim Fenerbahce war Mattéo Guendouzi mit 8.2 der auffälligste Einzelwert. Seine zehn gewonnenen Duelle bei insgesamt 13, dazu vier Tackles und ein Schuss aufs Tor, spiegelten eine zentrale Rolle in den vielen Phasen wider, in denen der Fenerbahce Ballgewinne in die nächste Angriffswelle überführen konnte. N’Golo Kanté ergänzte das mit acht Tackles und vier Interceptions bei einem Rating von 7.9, was die Stabilität im Zentrum erhöhte und dem Besiktas die Möglichkeit nahm, nach Ballgewinnen längere Umschaltangriffe zu wiederholen.
Rhythmus, Wechsel und das späte Ende
Der Spielverlauf bekam früh eine personelle Veränderung auf Seiten des Fenerbahce: Bereits in der 24. Minute kam Frederico Rodrigues de Paula Santos für Marco Asensio. Ohne dass sich aus den Daten ein komplettes Umschalten der Spielweise ableiten lässt, lässt sich die Einordnung über Beiträge im Spiel herstellen: Frederico lieferte zwei Key Pässe, hatte vier Interceptions und blieb in seinen Pässen stabil, wodurch sich die Anzahl an Anschlussaktionen nach Ballgewinnen erhöhte und der Fenerbahce die eigenen Angriffe häufiger fortsetzen konnte.
Der Besiktas reagierte zur Pause mit dem Wechsel von Michael Amir Murillo Bermúdez auf G. Sazdagi. Ausgerechnet Sazdagi stand kurz danach im Zentrum des VAR-Moments, als ein Treffer des Fenerbahce in der 56. Minute wegen Abseits aberkannt wurde. In der Folge nahm die Partie weiter den Charakter eines umkämpften Derbys an, was auch in den Foulzahlen sichtbar war. Der Besiktas beging neunzehn Fouls, der Fenerbahce dreizehn, dazu kamen fünf Gelbe Karten auf Seiten des Besiktas und drei beim Heimteam. Die Häufung spät, inklusive Gelber Karten in der langen Nachspielzeit, deutete auf eine Partie hin, in der viele Aktionen durch Unterbrechungen begleitet wurden und sich entscheidende Szenen nach hinten verschoben.
Die Wechsel ab der 58. Minute schufen beim Fenerbahce zusätzliche Abschlusspräsenz. Sidiki Chérif kam in der 58. Minute und brachte in kurzer Einsatzzeit zwei Schüsse aufs Tor an. Noch entscheidender wurde der Wechsel in der 62. Minute: Muhammed Kerem Aktürkoğlu kam für Anthony Musaba und setzte später den letzten Akzent. Aktürkoğlu hatte zwei Schüsse, beide aufs Tor, und lieferte zwei Key Pässe, bevor er in der 90. plus elften Minute den Elfmeter zum 1:0 verwandelte. Der Zeitpunkt des Treffers zeigte, dass der Fenerbahce den Druck bis in die letzte Phase trug und der Besiktas zwar lange verteidigte, aber die Entlastung über eigene Schüsse aufs Tor nicht ausreichend wiederholen konnte.
Zusammenfassung
- Fenerbahce gewann am 28. Spieltag der Süper Lig 2025-2026 gegen den Besiktas mit 1:0, das Tor fiel in der 90. plus elften Minute per Elfmeter.
- Trotz 13:13 Schüssen lag der Fenerbahce bei Schüssen aufs Tor 6:2 vorn und hatte mit 2.93 zu 1.02 klar bessere Expected Goals.
- Der Fenerbahce hatte mehr Ballbesitz und mehr Passvolumen, zudem 10:5 Ecken, wodurch längere Druckphasen häufiger in Tornähe stattfanden.
- Ein Treffer des Fenerbahce wurde in der 56. Minute nach VAR wegen Abseits aberkannt und hielt das Spiel lange torlos.
- Ersin Destanoğlu mit Rating 8.2 und fünf Paraden hielt den Besiktas im Spiel, während Guendouzi mit Rating 8.2 und Kanté mit 7.9 die zentrale Arbeit gegen den Ball prägten.