Der Wolfsberger AC und der SK Sturm Graz trennten sich am einundzwanzigsten Spieltag der Österreich Bundesliga 2025-2026 in der Lavanttal Arena 2:2. Nach der Wolfsberger 1:0-Pausenführung erhöhte der WAC kurz nach Wiederbeginn, ehe Sturm nach einer Roten Karte und einem verwandelten Elfmeter zurückkam und den Ausgleich in der Schlussphase herstellte. Entscheidende Szenen waren die Platzverweisung in Minute 61 sowie ein zweiter Elfmeter für Sturm, der ungenutzt blieb.
Früher WAC-Vorsprung trotz Sturmer Aktivität
Die Grundtendenz war früh erkennbar: der SK Sturm Graz hatte über weite Strecken mehr Ballbesitz mit 54 Prozent und spielte auch mehr Pässe mit 343 zu 299. Gleichzeitig kam Sturm deutlich häufiger in Abschlusspositionen, das Schussverhältnis lag bei 20:11, bei den Schüssen aufs Tor sogar bei 7:3. Dennoch ging der WAC in Minute 19 in Führung, als Boris Matić nach Vorlage von Erik Kojzek zum 1:0 traf. In dieser Phase stand Wolfsberg damit im Ergebnis vor einem Gegner, der häufiger zum Abschluss kam, aber seine Aktionen zunächst nicht in Tore ummünzte.
Dass Sturm im ersten Durchgang trotz der höheren Aktivität im letzten Drittel ohne Treffer blieb, lässt sich auch an der Torhüterarbeit ablesen. Wolfsbergs Nikolas Polster kam auf vier Paraden bei zwei Gegentoren und hatte damit messbar mehr zu tun als Sturms Matteo Bignetti, der bei zwei Gegentoren nur eine Parade verzeichnete. Die Verteilung der Abschlüsse im Strafraum unterstreicht zudem, wo sich das Spiel hauptsächlich abspielte: Sturm nahm vierzehn seiner zwanzig Schüsse innerhalb des Sechzehners, Wolfsberg nur sechs von elf. Der Unterschied in der Gefährlichkeit zeigte sich spätestens im Expected-Goals-Wert, der bei Sturm mit 2,44 klar über Wolfsbergs 0,76 lag, auch wenn sich das zur Pause noch nicht im Spielstand widerspiegelte.
Wolfsbergs Effizienz bis zur Roten Karte
Der Start in die zweite Hälfte kippte das Spiel zunächst weiter zugunsten des WAC, nicht zugunsten der Spielkontrolle, sondern in der Konsequenz vor dem Tor. In Minute 51 erhöhte Erik Kojzek nach Assist von Marco Alessandro Sulzner auf 2:0. Wolfsberg hatte damit nach zwei Schüssen aufs Tor zwei Treffer erzielt, während Sturm zu diesem Zeitpunkt trotz deutlich mehr Abschlüssen weiter leer ausging. Kojzek prägte die produktive Phase sichtbar, mit einem Tor und einer Vorlage sowie einem Spielerrating von 8,5, dem auffälligsten Wert im Wolfsberger Team. Auch Sulzner fiel in diesem Kontext als Vorbereiter auf, neben der Vorlage mit drei Schlüsselpässen und einem Rating von 8,0.
Bis zu diesem Zeitpunkt hatte Wolfsberg die wenigen eigenen Offensivmomente maximal genutzt, während Sturm zwar in die gefährlichen Zonen kam, aber im Abschluss nicht effizient war. Die Daten zu geblockten Schüssen zeigen gleichzeitig, wie häufig Wolfsberg noch vor dem Torabschluss oder in der Schussbahn verteidigen musste: neun geblockte Sturm-Abschlüsse stehen vier geblockten WAC-Schüssen gegenüber. Diese Relation passt zu einem Spiel, in dem Sturm häufiger am und im Strafraum zum Zug kam, Wolfsberg jedoch die Treffer setzte.
Die zentrale Zäsur folgte in Minute 61 mit der Roten Karte gegen M. Diabaté. Bis dahin war Wolfsbergs Führung vor allem über Effizienz aufgebaut, danach veränderten sich die Rahmenbedingungen für die zweite Halbzeit grundlegend, weil Sturm mehr Situationen gegen einen numerisch unterlegenen Gegner bekam. In der Folge brachte Sturm zudem frische Kräfte, unter anderem kam Otar Kiteishvili in Minute 67, kurz bevor die Aufholjagd auch auf der Anzeigetafel begann.
Sturms Comeback über Standards und Abschlussdruck
Unmittelbar nach der Hereinnahme von Otar Kiteishvili kam Sturm zum Strafstoß und verkürzte in Minute 68 per Elfmeter auf 1:2. Damit wurde das Spiel in einer Phase eng, in der Sturm ohnehin bereits die höhere Abschlussfrequenz hatte. Die nächste Schlüsselsequenz folgte nur wenige Minuten später: In Minute 73 vergab Kiteishvili zunächst einen weiteren Elfmeter, glich aber noch in derselben Minute zum 2:2 aus. Auch ohne Detailangaben zur Entstehung des zweiten Treffers bleibt festzuhalten, dass Sturm innerhalb weniger Minuten zwei hochkarätige Standardsituationen erhielt und zusätzlich den Ausgleich erzielte.
Die Zahlen stützen, dass der Ausgleich nicht aus einzelnen Zufällen heraus entstand, sondern auf einem konstanten Chancenübergewicht beruhte. Sturm kam insgesamt auf sieben Schüsse aufs Tor, Wolfsberg auf drei, und die hohe Zahl an Strafraumabschlüssen mit 14 zeigt, wie oft Sturm in unmittelbare Tornähe kam. Hinzu kamen klare Vorteile bei ruhenden Bällen: Sturm hatte sechs Ecken, Wolfsberg nur eine. Dass Wolfsberg am Ende mit dem Punkt leben musste, erklärt sich aus der Kombination aus Unterzahl ab Minute 61, dem anhaltenden Sturm-Druck in torgefährlichen Zonen und der Tatsache, dass Wolfsbergs Torhüter deutlich häufiger eingreifen musste.
Individuell war Kiteishvilis Einfluss nach seiner Einwechslung unmittelbar messbar. Er erzielte zwei Tore, davon eines per Elfmeter, traf mit drei Schüssen aufs Tor dreimal den Kasten und kam als Joker auf ein Rating von 7,2. Auf Wolfsberger Seite blieb die Partie trotz des späten Ausgleichs in der offensiven Bilanz stark an den frühen Scorern gekoppelt: Matić traf zum 1:0 und kam ebenfalls auf ein Rating von 8,0, während Kojzek mit Tor und Assist den Vorsprung bis in die Schlussphase trug, bevor er in Minute 87 ausgewechselt wurde.
Zusammenfassung
- Der Wolfsberger AC führte zur Pause 1:0 und erhöhte kurz nach Wiederbeginn auf 2:0.
- Der SK Sturm Graz hatte mehr Ballbesitz und ein klares Chancenplus, sichtbar im Schussverhältnis 20:11 und im xG von 2,44 zu 0,76.
- Die Rote Karte gegen Wolfsberg in Minute 61 leitete die Phase ein, in der Sturm zu mehr Aktionen im Strafraum kam.
- Sturm glich durch einen verwandelten Elfmeter und einen Treffer von Otar Kiteishvili aus, nachdem ein weiterer Elfmeter zuvor vergeben worden war.
- Das 2:2 spiegelt Wolfsbergs Effizienz in den ersten Phasen und Sturms anhaltenden Abschlussdruck über die gesamte Partie.