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Kommentar

Kommentar: Der talentierte Herr Stöger?

Erfolg im Fußball hat immer viele Väter und Mütter. Trotzdem wird die These, dass Peter Stöger aktuell für den derzeitigen Erfolgslauf Rapids hauptverantwortlich ist, wohl kaum auf viele Widerworte stoßen. Zu Beginn von Stögers Trainerengagements bei den Grün-Weißen spielte das sportliche Momentum allerdings eine Nebenrolle; denn nicht wenige Medien orakelten aufgrund der Vergangenheit des gebürtigen Wieners als letzter FAK-Meistermacher sowie Austria-Spielmacher Probleme mit den – angeblich – allmächtigen Fans der Hütteldorfer.

Schon die zweite Wortmeldung bei Stögers Antrittspressekonferenz als neuer Rapid-Trainer entpuppte sich als grün‑weiß/violette „Gretchenfrage“: Habe Peter Stöger, der – trotz Meisterschaft und verlorenem Europacup‑Finale mit Rapid 1996 – als Austria-Legende gelte, gezögert in den Wiener Westen zu wechseln? Der Gefragte probierte es diplomatisch: Die Reaktionen in seinem Umfeld seien positiv gewesen und er selbst sei einfach am Job interessiert.

Diesen Job macht Stöger gerade hervorragend: Rapid glänzt nicht, gewinnt aber. In Interviews wiegelte der Trainer ab, kritisiert sein Team im gebotenen Ausmaß und platziert den ein oder anderen Schmäh. Stöger, ein talentierter Mann, der bei Rapid von Anfang an in Ruhe werken konnte. Die (von vielen Medien angesagten) Proteste der Fanszene gegen seine Person blieben aus. Was ist nun mit dem vielzitierten Hass der Rapid-Fans auf alles jenseits des grünen Farbspektrums?

Ganz unberechtigt war es natürlich nicht Probleme zwischen Stöger und den Rapid-Fans zu prophezeien. In der jüngeren Vergangenheit protestierte der Block West immerhin lautstark gegen Spieler wie Wöber oder Entrup, die aus ihrer Sicht gegen die Ehrbestimmungen des Fußballs verstoßen hatten. Peter Stöger selbst wurde vor seinem Amtsantritt beim ungarischen Rekordmeister Ferencváros von den Fradi-Fans, die eine Verbindung zur Rapid-Anhängerschaft haben, (gelinde gesagt) kritisch beäugt. „Ich hatte nicht den Support, den ich mir gewünscht hätte.“, meinte der gebürtige Wiener nach Ende seiner Zeit in Budapest. Jetzt – in der Höhle des Löwen selbst – scheint aber alles anders. Ist das nur dem derzeitigen Erfolgslauf des Traditionsklubs geschuldet?


Gegenbeispiel

Nein, denn der Grund, warum Stöger von den Rapid-Fans von Anfang an respektiert wurde, kann am besten an einem Gegenbeispiel erklärt werden: Stefan Maierhofer monierte einst, er sei beim Abschiedsspiel von SCR-Rekordspieler Steffen Hofmann nicht eingeladen gewesen und habe – auf Nachfrage (!) – erfahren, dass dies kein Versehen war: „Andy Marek hat mir beinhart gesagt: ‚Du hast eine Red Bull-Vergangenheit, da tun wir uns nichts Gutes, wenn du […] bei diesem Spiel aufläufst.‘“, erzählte Maierhofer im September 2022 im Podcast „Zweierkette“. Das Maierhofersche Verhalten in einen direkten Vergleich mit Stögers Auftreten gesetzt mutet geradezu pervers an: Einladungen sind keine amtlichen Vorladungen. Man/frau kann sie nicht fordern oder eine Begründung für das Ausbleiben solcher verlangen.

Offensichtlich ist sich Stefan Maierhofer auch nach Beendigung seiner Spielerkarriere nicht darüber im Klaren, dass er als Profi einen Balanceakt versuchte, der nur scheitern konnte: Bei jeder seiner Vereinsstationen schwärmte der „Major“ wie „geil“ alles sei, feierte mit den Fans, als wäre er einer von ihnen, um im Handumdrehen (1,5 Saisonen später) seine Zelte anderorts aufzuschlagen, wo er – täglich grüßt das Murmeltier – dieselben Aktionen setzte. Die Enttäuschung der zurückgelassenen Anhänger:innen machte den Stürmer stets ratlos, dabei war diese Gemütsregung nur Konsequenz von Maierhofers Verhalten: Der gelernte Koch und Restaurantfachmann war Profisöldner, benahm sich aber wie ein Spieler, für den der Verein mehr als nur ein Arbeitgeber war. Die Enttäuschung der jeweiligen Fanszenen war somit das Ende einer Täuschung.

Etwas mehr Abstand und professionelles Verhalten – wie bei Robert Lewandowski – hätte dem gebürtigen Niederösterreicher Ärger erspart. Bei Rapid ging daher nur Maierhofers sportlicher Beitrag in die Geschichte des Rekordmeisters ein, mehr als ein Baustein der Meistermannschaft von 2008 wurde der Stürmer aber nicht. Demzufolge ist es klar, warum Maierhofer seinerzeit bei der Veranstaltung einer Klublegende, die ihre Karriere aus purer Liebe (und Zufall) Rapid gewidmet hatte, nicht willkommen war. So weit, so logisch.

Talentiert oder ehrlich?

Gegen den extrovertierten Maierhofer wirkt Peter Stöger, dessen Auffälligkeit sich als Profi in Flinserl und dezentem Vokuhila manifestierten, wie eine graue Maus. Bis heute ist der aktuelle Rapid-Coach uneitel, ruhig, gelassen. Bodenständig – ein in der Fußballwelt viel missbrauchtes Adjektiv – trifft auf den 1966 Geborenen wie auf keinen anderen zu. Das „Exzentrischste“ am längstdienensten Köln‑Trainer der Geschichte ist wohl seine Brillensammlung.

Genauso nüchtern wie sein Auftreten ist Peter Stöger in seinem Beruf: Fußball ist sein Job, das Spiel und kein bestimmter Klub seine Leidenschaft. Genau diese Einstellung verkörpert der Wiener ohne viele Worte darüber zu verlieren. Stöger ist demnach kein talentiertes Chamäleon, das sich perfekt in die jeweiligen Gegebenheiten einfügt, sondern einfach nur ehrlich und gerade deswegen ein bunter Hund im monochromen Klubleben, wo es „alles für unsere Farben“ heißt. Nachdem ehrlich bekanntlich am längsten währt, scheint sich Stöger wenig Feinde zu machen. Klar: Ein paar Unbelehrbare, Frustrierte gibt es immer, doch schon zu seiner aktiven Zeit war der Edelzangler in weiten Fankreisen respektiert. Vernunft macht vor einem Tribüneneingang eben nicht Halt.

Im Jänner 1997 meinte Stöger als SCR-Spieler, er überlege einen Wechsel aufgrund fehlender Einsatzzeiten, dennoch sei ihm der Klub ans Herz gewachsen. Nebensatz: „Jetzt schauen wir einmal, dass wir Meister werden.“ Ein sehr pragmatischer Zugang und alle Rapidanhänger:innen hoffen wohl inständig, dass Peter Stöger genau dieses Ziel gerade eben wieder verfolgt.


Marie Samstag, abseits.at

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