Nun hat er Rapid doch noch verlassen, der Hamdi Salihi. Das ist Anlass genug, um die Reise des Albaners nachzuzeichnen, eine Reise, die uns... Die Reise des Hamdi Salihi

Nun hat er Rapid doch noch verlassen, der Hamdi Salihi. Das ist Anlass genug, um die Reise des Albaners nachzuzeichnen, eine Reise, die uns von Shkodra über Ried und Hütteldorf nach Washington führt. Eine Reise, die von Toren und Emotionen geprägt ist.

Es ist der 13. März 2011 in Wien, Favoriten. Wir schreiben die 72. Minute in diesem 296. Wiener Derby. Rapid-Kapitän Steffen Hofmann tritt einen Freistoß, den Mario Sonnleitner mit dem Kopf übernimmt. Sein Kopfball wird von Austria-Torwart Heinz Lindner noch abgewehrt, den Abpraller nützt Hamdi Salihi, der aus nächster Nähe zum letztlich Spiel entscheidenden 1:0 abstaubt. Salihi ist außer Rand und Band: Er springt über die Bande hinter dem Tor, um an dem dichten Sicherheitsnetz, das vor den Rapid-Fans angebracht wurde, heftig zu rütteln. Salihi rüttelt derart heftig, das seine Erleichterung für den Zuschauer spürbar wird. Es ist eine emotionale Szene, die zum emotionalen Salihi passt. Einem Salihi, der seiner Verbundenheit mit seinem mittlerweile ehemaligen Verein Rapid und seinen Fans gerne Ausdruck verliehen hat. Und einem Salihi, der auf dem Platz vor allem eines gut kann, nämlich Tore schießen.

Am Anfang war Vllaznia

Kommen wir zum Ausgangspunkt der Reise des emotionalen und torgefährlichen Stürmers, nach Shkodra in Albanien, wo er 1984 geboren wird. Im Interview mit dem Rapid-Magazin erzählt Salihi über seine Kindheit. Einen langen Schulweg hatte er tagtäglich zurückzulegen, das hat ihm damals Ausdauer verschafft. Eine Ausdauer, die der junge Albaner ansonsten für den Fußball genützt hat. Seine Profikarriere als Fußballer beginnt auch in Shkodra, als Salihi 2002 beim zehnfachen Meister Klubi Sportive Vllaznia anheuert. Seine erste Saison ist ein Sinnbild seiner weiteren Karriere: Auf Anhieb schießt er ein Tor nach dem anderen. Nach zwei Jahren darf er auf eine unglaubliche Bilanz zurückblicken: In 55 Spielen schießt er 30 Tore.

Nach Griechenland und zurück

Vllaznia wird damit zum Sprungbrett zu seinem ersten Transfer ins Ausland, 2004 wechselt Salihi in die griechische Hauptstadt Athen zu Panonios. Panonios bildet die Ausnahme seiner ansonsten torreichen Karriere, nur sechsmal kommt er zum Einsatz, Tor schießt er keines. Nach dem glücklosen Engagement in Athen, kehrt der Albaner in seine Heimat zurück. Diesmal landet er bei Klubi i Futbollit Tirana, dem Rekordmeister. Salihi macht dort weiter wo er aufgehört hat: Er schießt Tore, so viele, dass er mit 29 Treffern zum Torschützenkönig gekürt wird und damit Tirana zum albanischen Pokalsieg verhilft.

Nach Österreich

Im Jahr 2006 geht Salihis Reise weiter. Erstens darf er sich über die Einberufung ins albanische Nationalteam freuen, zweitens wechselt er im Winter zur SV Ried. Seine 47 Tore in 49 Spielen, die er für Tirana erzielt hat, haben in Ried einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Auch in der österreichischen Bundesliga hinterlässt der Mittelstürmer einen guten Eindruck. In 82 Partien für die SV Ried erzielt er 34 Tore. Das entgeht auch dem SK Rapid nicht. Nachdem Goalgetter Stefan Maierhofer nach England wechselt, präsentiert Rapid seinen Nachfolger: Hamdi Salihi. Er erbt auch Maierhofers Nummer 9 und wird der Rolle des Neuners gerecht. In seiner ersten Saison stürmt er für den österreichischen Rekordmeister an der Seite von Nikica Jelavic und erzielt dabei 15 Meisterschaftstore.

Herzensklub Rapid

In der gleichen Saison feiert Salihi sein Debut und sein erstes Tor im Europacup: Im verschneiten Happel-Stadion schießt er die 3:0 Führung gegen Celtic Glasgow, die Rapid schlussendlich wieder aus der Hand gibt, 3:3 endet das Spiel. Salihi ist in Wien mittlerweile gänzlich angekommen. Mehr als das, für Salihi wird Rapid zum Herzensklub. Das äußert sich in seinen emotionalen Jubelposen, nicht nur in der beschriebenen Derbyszene hat Salihi am Netz gerüttelt: Oft zelebriert der Albaner den Jubel gemeinsam mit den Rapid-Fans und damit auch seine Verbundenheit mit dem Verein. Diese Verbundenheit bringt Salihi selbst auch immer wieder zur Sprache, kurz vor seinem Wechsel in die USA sagte Salihi dem Kurier noch: „Aber ich glaube, ich bleibe bei Rapid. Ich mag den Klub, die Leute und Wien als Stadt.“

Spielertyp

Man könnte meinen zwischen Salihi und Rapid: Da hat alles gepasst. Sportlich hat das aber nur teilweise zugetroffen. Salihi ist in seiner Zeit in Hütteldorf stets für Tore gut: 36 Tore in 67 Pflichtspielen sprechen für sich. Tore alleine sind aber zu wenig. Salihi ist ein Mittelstürmer alten Schlags: Seine Stärken liegen im Strafraum, wo er sich durch Stellungsspiel, Schusstechnik aber auch Kopfballstärke auszeichnet. Eine Lufthoheit ist er wiederum nicht, er ist kein Spieler, der durch seine körperliche Stärke den Ball abdecken kann. Seine Defizite liegen aber vor allem, trotz technischer Vorzüge, in seiner Ballbehandlung und seinen spielerischen Fähigkeiten. Salihi ist keiner, der seine Kollegen im Spielaufbau unterstützt, damit eine Überzahl hergestellt werden kann. Er bemüht sich zwar die Rolle des spielenden Mittelstürmers einzunehmen, funktionieren tut das jedoch nicht. Fassen wir Salihis Spielertyp so zusammen: Mit ihm steigt die Torgefahr im Strafraum, jedoch sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass Chancen im Strafraum erst entstehen. Rapid-Trainer Peter Schöttel entscheidet sich verständlicherweise gegen Salihi, setzt in seinem 4-2-3-1 auf spielstarke Mittelstürmer und Salihi wird der Abgang nahegelegt.

Nationalteam, Big Brother und Washington

Besser läuft es da im albanischen Nationalteam. In der Qualifikation für die Europameisterschaft 2012 schießt er drei Tore, im Freundschaftsspiel gegen Montenegro trifft er mit einem sehenswerten Fallrückzieher. Salihi wird zum Fußballstar in Albanien. In Albanien tritt Salihi 2011 als Gast in der Realitysendung Big Brother auf. Salihis Beliebtheit hat auch Rapid in Albanien Popularität verschafft, auf sportnet wird Salihi im März 2011 zitiert: „In Albanien leben viele Rapid-Fans, die sich täglich informieren. Hier kann dir fast jeder sagen, welchen Platz Rapid in der Tabelle gerade belegt.“

Die Wege von Salihi und Rapid haben sich also getrennt, die Reise geht weiter. Nach zahlreichen, wochenlangen Gerüchten ist Salihi in Washington bei D.C. United, dem Verein des Ex-Rapidlers Branko Boskovic, gelandet. Salihi wollte bei Rapid bleiben, hat in Schöttels Konzept jedoch nicht gepasst. Damit verlässt ein nicht nur torgefährlicher und durchaus erfolgreicher Spieler den Verein, sondern auch einer der eine besondere Beziehung zu Verein und Fans hatte. Man wird sehen, welche Rolle der neue „Neuner“ in der Major League Soccer spielen wird, ob sein Spielertyp dort gefragt ist und wie seine Reise dann weitergeht.

Emanuel Van den Nest, abseits.at

Emanuel Van den Nest

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