In dieser Serie sollen jede Runde parallel zu den üblichen Spielanalysen ein paar Tore hinsichtlich der Entstehung, individueller Fehler oder taktischer Feinheiten genau untersucht... Toranalyse zur 29. Runde der tipico Bundesliga 2014/2015 | Ouedraogo, Sabitzer, Soriano

Jonathan Soriano - Red Bull SalzburgIn dieser Serie sollen jede Runde parallel zu den üblichen Spielanalysen ein paar Tore hinsichtlich der Entstehung, individueller Fehler oder taktischer Feinheiten genau untersucht und analysiert werden. In der Toranalyse zur 29. Runde nimmt abseits.at die Treffer von Issiaka Ouedraogo (Admira), Marcel Sabitzer und Jonatan Soriano (beide Salzburg) unter die Lupe.

Admira Wacker Mödling – SCR Altach 2:2, Issiaka Ouedraogo (79. Minute)

Dank eines Punktgewinns am vergangenen Wochenende konnte Admira Wacker Mödling den letzten Tabellenplatz verlassen und die rote Laterne abgeben. Gegen Aufsteiger Altach erreichten die Südstädter ein 2:2 Dabei standen insbesondere zwei Stürmer im Fokus, deren Rollen wie bereits betrachtet haben. Hannes Aigner und Issiaka Ouedraogo hatten auch ihren Anteil am 2:2, das wir näher analysieren wollen. Ersterer weil sein Ausschluss taktische Folgen hatten und Letzterer weil er den Ball über die Linie beförderte.

Üblicherweise achtet die verteidigende Mannschaft darauf, in der letzten Linie eine Überzahl zu haben. Der freie Spieler – üblicherweise im Zentrum zu finden – dient als Absicherung, falls der Gegner durchbrechen kann und dadurch eine Überzahlsituation entstehen könnte. Die Altacher können dies hier jedoch nicht bewerkstelligen, da Aigner ausgeschlossen wurde. Admira spielt diesen Vorteil in der Folge gut aus.

Am rechten Flügel der Admira gibt es eine drei-gegen-drei-Stellung. Ein Spieler bewegt sich entlang der Linie, der zweite geht von außen diagonal nach hinten. Beide ziehen damit ihre Gegenspieler mit, sodass sich ein großer Freiraum ergibt, in den Konstantin Kerschbaumer (schwarz) hineindribbeln kann nachdem er seinen Gegenspieler mit einer Körpertäuschung ausspielte.

Anschließend sieht man die Probleme, die durch die Unterzahl und einem auf die Abwehr zulaufenden Spieler entstehen. Der rechte Mittelfeldspieler der Vorarlberger könnte zwar weiter ins Zentrum schieben, jedoch würde dann die komplette ballferne Seite entblößt werden. Kerschbaumer würde dafür schon ein unsauber gespielter Ball reichen. Ebenfalls erkennt man die naturgemäße Tendenz der verteidigenden Mannschaft, im Abwehrzentrum nicht in Gleichzahl zu geraten. Dario Baldauf (rot) rückt nämlich ein und lässt den linken Flügelspieler der Admira frei.

Kerschbaumer geht zunächst in den freien Raum und spielt einen Doppelpass mit Rene Schicker (blau). Dessen Prallen und die davor gesehene, erzwungene flache Staffelung der Altach-Abwehr sorgen dafür, dass ein Verteidiger nach vorne rückt und Kerschbaumer attackiert. Das hinterlässt naturgemäß ein Loch in seinem Rücken, in das die Admira sofort hineinspielt. Kerschbaumer passt nämlich gleich mit dem ersten Ballkontakt. Dadurch ergibt sich anschließend folgende Situation.

Die beiden linken Verteidiger der Altacher versuchen Schicker am Flanken zu hindern, dementsprechend verschieben auch die beiden anderen nach. Markus Lackner (weiß) geht in Richtung Fünfmeterraum und bindet damit die beiden Innenverteidiger. Baldauf muss sich um zwei Gegenspieler kümmern. Ouedraogo (gelb) nutzt den kurzen Moment, in dem Baldauf über seine Schulter blickt, aus, orientiert sich in den Rücken der Innenverteidiger und erzielt das für ihn und seinen Verein erlösende Ausgleichstor.

FC Red Bull Salzburg – SC Wiener Neustadt 4:0, Marcel Sabitzer (66. Minute)

Der Sprung der Admira auf den ersten Nicht-Abstiegsplatz wurde neben dem eigenen Punktgewinn von der gleichzeitigen Niederlage des SC Wiener Neustadt ermöglicht. Dieser lief im Duell mit Red Bull Salzburg, gegen das man nach der Winterpause noch gut mithielt, nämlich erneut in ein Debakel. Die Mozartstädter gewann in der heimischen Red Bull Arena mit 6:0 und profitierten dabei vor allem von den großen taktischen und individuellen Mängel der Niederösterreicher.

Ein großes Problem der Wiener Neustädter, das insbesondere im Spiel gegen die Topklubs des Landes schlagend werden, sind die teilweise abartig großen Abstände zwischen den Linien. Vor allem wenn sie im Rückstand sind und das Spiel machen müssen kommt dies zum Vorschein – unter anderem vor dem vierten Gegentor am Samstag, wie man im obigen Bild sieht. Salzburg zeigt in dieser Situation ein für ihre Verhältnisse moderates Pressing, haben aber sowohl in Ballnähe eine Überzahl, als auch ausreichend Absicherung. Die Spieler von Wiener Neustadt haben viel zu lange Wege zum Ball, sodass sie weder Stabilität noch Zugriff erzeugen können und abhängig vom Gegner sind.

Salzburg gewinnt den Ball und kann in Überzahl auf die Dreierverteidigung zulaufen, tun ihrem Gegner aber nicht den Gefallen, dass sie den Angriff selbst verspielen – dafür haben sie viel zu viel Platz. Die Wiener Neustädter Abwehr zieht sich zusammen, während zwei Salzburger das Spiel breit machen. Christoph Leitgeb (weiß) spielt nach außen auf Jonatan Soriano (blau), dessen Hereingabe von Marcel Sabitzer (gelb) problemlos verwertet wird.

FC Red Bull Salzburg – SC Wiener Neustadt 5:0, Jonatan Soriano (67. Minute)

Unmittelbar nach dem 4:0 folgte sofort das nächste Tor. Die Salzburger eroberten sofort nach dem Wiederanstoß den Ball und schossen das 5:0. Zum Abschluss dieser Toranalyse wollen wir die Hintergründe dieses Tors beleuchten.

Entscheidend für den schnellen Ballverlust ist einerseits das aggressive Pressing der Salzburger. Vier Spieler standen beim Anstoß bereits an der Mittellinie und orientierten sich nach vorne. Der zweite Grund ist, dass der Ball nur kurz nach hinten gespielt wird. Dadurch müssen die Bullen nur kurze Distanzen zurücklegen um Zugriff zu bekommen und den Ballführenden unter Druck zu setzen. Für diesen sind die naheliegenden Anspielstationen alle versperrt.

Massimo Bruno (weiß) antizipiert den Pass auf den Rechtsverteidiger, sodass Christoph Freitag (rot) den Ball stoppt. Conor O’Brien (schwarz) neben ihm fällt als Anspielstation ebenfalls weg, da er einerseits gleich neben ihm steht und so vom anlaufenden Sabitzer (blau) ebenfalls leicht gepresst werden kann. Zusätzlich lauert Soriano (gelb) in seinem Rücken. Freitag verstolpert folglich den Ball und es ergibt sich die gleiche Situation wie beim Tor zuvor.

Alexander Semeliker, abseits.at

Alexander Semeliker

@axlsem

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