In dieser Serie sollen jede Runde parallel zu den üblichen Spielanalysen ein paar Tore hinsichtlich der Entstehung, individueller Fehler oder  taktischer Feinheiten genau untersucht... Toranalyse zur 30. Runde der tipp3-Bundesliga | Alan, Soriano, Jun

Tomas Jun (FK Austria Wien)In dieser Serie sollen jede Runde parallel zu den üblichen Spielanalysen ein paar Tore hinsichtlich der Entstehung, individueller Fehler oder  taktischer Feinheiten genau untersucht und analysiert werden. In der Toranalyse zur 30. Runde nimmt abseits.at die Treffer von Alan (Red Bull Salzburg), Jonathan Soriano (Red Bull Salzburg) und Tomas Jun (Austria Wien) unter die Lupe.

FC Red Bull Salzburg – Wolfsberger AC 1:1, Alan (17. Minute)

Red Bull Salzburg stand am Samstag gegen den Wolfsberger AC, dem Überraschungsteam der Rückrunde, vor einer schwierigen Aufgabe. Die Kärntner verlangten dem Titelverteidiger vor allem in der ersten Halbzeit alles ab und gingen auch 1:0 in Führung. Den darauffolgenden Ausgleich durch Alan wollen wir uns hier genauer ansehen.

Die Wolfsberger zeichnen sich in der Rückrunde durch eine hohe Kompakheit im Defensivspiel aus. Auch in dieser Szene übten sie auf der rechten Seite gut Druck auf den Ball aus und zwangen die Salzburger zu einem Seitenwechsel auf Christian Schwegler (grün). Auf der ballfernen Seite hat der Schweizer naturgemäß viel Platz, aus Sicht des WAC hier allerdings zu viel. Dies rührt daher, dass dessen Linksverteidiger Dario Baldauf (schwarz) sehr tief steht.

Provoziert wird das von Kevin Kampl (blau), der zum einen sehr hoch und zum anderen weit eingerückt ist. Er postiert sich zwischen zwei Gegenspielern und will so für Zuordnungskonflikte zwischen ihnen sorgen. Aufgrund der vorsichtigen Einstellung der Kärntner wartet Baldauf zunächst den Wechselpass ab und geht erst dann auf den Ball. Dies öffnet allerdings den Raum hinter ihm.

Hier sieht man nochmals, wie hoch die Salzburger Angriffsreihe im Zwischenlinienraum steht. Aus diesem bewegt sich Kampl nun auf den Flügel raus, wo er frei anspielbar ist. Baldauf muss den Ballführenden attackieren und Innenverteidiger Boris Hüttenbrenner (rot) kann Kampl nicht folgen, da sonst der direkte Passweg zum Tor auf Alan (gelb) offen gewesen wäre. Dennoch kommt der Brasilianer schließlich zum Abschluss, da er sich bei der anschließenden Flanke gegen Nenad Jovanovic durchsetzt – das erste von drei Toren für Alan.

FC Red Bull Salzburg – Wolfsberger AC 3:2, Jonathan Soriano (50. Minute)

Die Geschichte des Spiels schrieb aber Jonathan Soriano, der in der Halbzeit quasi direkt vom Kreißsaal aus eingewechselt wurde und in der zweiten Halbzeit ebenfalls drei Tore erzielte. Zum Zeitpunkt des 3:2 waren die Wolfsberger allerdings nur mehr zu zehnt, da Hüttenbrenner in der ersten Hälfte ausgeschlossen wurde. Die formative Folge: der WAC spielten fortan in einem 5-3-1, was auch bei besagtem Tor zu sehen war.

Hier erkennt man die Fünferkette, vor der sich die drei Mittelfeldspieler postieren. Die Kärntner sind bemüht die Distanzen zu den Mitspieler gering zu halten, wobei vor allem das Mittelfeld-Trio zunächst äußert gut gestaffelt steht und konstante Abstände zueinander einhält. Allerdings bietet diese 5-3-1-Ordnung zwei Schwachstellen. Aufgrund des schmalen Mittelfelds hat der Gegner Platz in den Halbräumen, was hier Kampl (blau) ausnutzen will. Andererseits offenbart das Herausrücken des Außenverteidigers – wie beim 1:1 – Platz hinter diesem. Soriano (gelb) deutet auch an, dass er den Ball in diesen Raum gespielt haben will, was Roland Putsche (grün) antizipiert und sich dorthin bewegt.

Dadurch wird aber der Passweg zu Soriano geöffnet, woraufhin der Ball anschließend in die Mitte kommt, wo Stefan Hierländer (weiß) viel Platz vorfindet. Dieser ist auf das nicht geschlossene Verschieben des Mittelfeldtrios zurückzuführen. Das ballnahe Duo stellt Kampl bzw. den im obigen Bild noch offenen Halbraum gut zu. Man sieht auch, dass der Abstand zwischen den beiden Spielern richtigerweise kleiner geworden ist. Jedoch rückt David de Paula (rot) nicht entsprechend nach. Aus dem idealen, gleichseitigen Dreiecks (erstes Bild) wurde deshalb ein langgezogenes, woraufhin Hierländer Soriano mit einem Lupfer gut einsetzen und der Spanier einnetzen kann.

FK Austria Wien – SK Rapid Wien 1:0, Tomas Jun (28. Minute)

Im 305. Wiener Derby trennten sich die Austria und Rapid 2:2. Zweimal glichen die Grün-Weißen dabei eine Führung des Tabellenführers aus und dürfen sich so als moralischer Sieger fühlen. Die beiden Tore der Veilchen fielen auf ähnliche Weise und wurde jeweils von Tomas Jun erzielt.

Dass Rapid seit geraumer Zeit arge Probleme im Spiel mit dem Ball hat, wurde in den vergangenen Wochen und Monaten breit diskutiert. Auch in dieser Situation erkennt man, dass es bei den Hütteldorfern an grundlegenden Aspekten in der Raumaufteilung hapert – von Automatismen, die eine tiefstehende Abwehr aufreißen ganz zu schweigen. Fünf Rapid-Spieler stehen hier auf engstem Raum beieinander, nehmen sich so schon von vornherein potenziellen Kombinationsmöglichkeiten

Abgesehen davon ist zudem noch die gleiche Zahl an Austrianern dort vertreten. Ein Ballverlust in dieser Zone ist also vorprogrammiert. Weitere Kritikpunkte: Christopher Trimmel (rot), als nominell rechter Flügelspieler steht ebenfalls viel zu mittig, wodurch dem Spiel zusätzlich die Breite fehlt. Zudem postiert sich Geron (grün) sehr hoch, während hinter ihm zwei Verteidiger so tief stehen, dass sie nicht mal im Bild sind.

Die tiefen Stellungen von Mario Sonnleitner (weiß) und Michael Schimplsberger (schwarz) wird zu Teilen allerdings auch von Tomas Jun (gelb) erzwungen, der ballfern sehr hoch steht. Dennoch postieren sich die beiden Rapidler verglichen mit ihren Kollegen noch am besten. Sie mussten nach links verschieben, weil Gerson wie oben erkennbar vorne war. Aufgrund des Einrückens von Schimpelsberger hat Jun jedoch extrem viel Platz, was das Umschaltspiel für die Austria stark vereinfacht. Dafür, dass Schimpelsberger den Tschechen in der Folge nur zaghaft attackiert, ist dies jedoch keine Entschuldigung.

FK Austria Wien – SK Rapid Wien 2:1, Tomas Jun (56. Minute)

In Analogie dazu ist das zweite Tor von Tomas Jun zu sehen, an dem weitestgehend die gleichen Protagonisten am Werk waren. Ausgangspunkt war ein Einwurf für die Favoritner tief in der eigenen Hälfte, nach dem diese mit einem einzigen Kontakt in die gegnerische kamen.

Begünstigt wurden die Veilchen dabei wieder von den hohen Stellungen zweier Rapidler – hier Markus Katzer (rot) und Gerson (grün). Die beiden wollten offenbar den Druck auf den Einwurf erhöhen, was jedoch nach hinten losging. Per Kopf leitet Philipp Hosiner (orange) in den Lauf von Alexander Grünwald (blau), der hinter die beiden Rapid-Akteure sprintet und in der Folge einen sehenswerten Außenristpass auf Jun spielt.

Auch in dieser Situation verschieben Schimplsberger (schwarz) und Sonnleitner (weiß) richtigerweise nach links und räumen dadurch Jun (gelb) viel Platz ein. Was folgt, ist vom ersten Treffer des Spiels bestens bekannt: Schimpelsberger geht nicht aktiv zum Ball und Jun vollendet in Robben-Manier.

Bildquelle: http://www.laola1.tv/

Alexander Semeliker, abseits.at

Alexander Semeliker

@axlsem

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