In dieser Serie betrachten wir die Leistungen und Statistiken der österreichischen Legionäre in der deutschen Bundesliga, wobei wir in erster Linie jene Spieler analysieren,... Abseits.at-Leistungscheck, 20. Spieltag (Teil 1) – Zlatko Junuzović mit ordentlichem Einstand beim SV Werder Bremen

In dieser Serie betrachten wir die Leistungen und Statistiken der österreichischen Legionäre in der deutschen Bundesliga, wobei wir in erster Linie jene Spieler analysieren, die beim österreichischen Teamchef Marcel Koller gute Karten haben. In der 20. Runde waren die meisten österreichischen Augen auf Zlatko Junuzovic gerichtet, der bei seinem Debüt gleich einen Assist für sich verbuchen durfte.

Am Ende war wohl die Enttäuschung über die zwei verlorenen Punkte größer, als die Freude über das ordentliche Debüt. Junuzović traf mit dem SV Werder Bremen in der 20. Runde auswärts auf den SC Freiburg und konnte trotz zweimaliger Führung den Sieg nicht über die Zeit bringen. Die Partie endete 2:2-Unentschieden. Claudio Pizarro traf zwei Mal für die Bremer, während für die Heimmannschaft Cédric Makiadi und Jonathan Schmid die Treffer erzielten. Schmid kam im rechten Mittelfeld zum Einsatz und wäre fürs ÖFB-Team spielberechtigt, da sein Vater aus Scheibbs stammt und er neben der französischen, auch die österreichische Staatsbürgerschaft besitzt.

Ein Assist zum Einstand

Zlatko Junuzović begann im rechten Mittelfeld und durfte bei seinem Debüt über 90 Minuten lang durchspielen. Trainer Thomas Schaaf stellte im Mittelfeld wie gewohnt eine Raute auf, wobei es bemerkenswert ist, dass Junuzovic mit 24 Jahren der mit Abstand älteste Mittelfeldspieler in dieser Raute war. Mehmet Ekici (OM) und Aleksander Ignjovski (DM) sind beide 21 Jahre alt, Tom Trybull, der im linken Mittelfeld zum Zug kam, ist erst 18 Jahre jung. Zlatko Junuzović bekam von allen Werder-Mittelfeldspielern die beste Note vom Kicker, nämlich eine 3. Besser als der Österreicher wurde nur Claudio Pizarro bewertet, der für beide Treffer verantwortlich war. Den ersten Treffer legte Junuzović in der 29. Minute auf, womit der Österreicher endgültig in der deutschen Bundesliga ankam.

Junuzović hat sicherlich den Vorteil, dass er im System seines neuen Vereins vielseitig einsetzbar ist. Von vier Positionen im Mittelfeld kann er drei spielen, insbesondere da die Flügelspieler im Mittelfeld unter Thomas Schaaf sowieso eher zentral spielen und in die Mitte ziehen. Wenn man sich die Heatmap von Junuzović ansieht, dann kann man gut erkennen, dass Junuzović mehr als nur den rechten Flügel bearbeitete:

 

 

 

 

 

Heatmap von Junuzović gegen den SC Freiburg

Enorme Laufarbeit

Am meisten konnte der Bremer-Neuzugang seine Fans mit seiner enormen Laufarbeit beeindrucken. Auch bei der Wiener Austria war der technisch starke Mittelfeldspieler dafür bekannt, dass er nach Ballverlusten sofort zurücksprintete und von seinem Einsatz her ein Vorbild für seine Mitspieler war. Trotzdem ist es ein wenig überraschend, dass Junuzović mehr als 13 Kilometer lief. Nach den 90 Minuten absolvierte er 13,22 Kilometer, 24 Sprints und 74 intensive Läufe. Der österreichische Nationalspieler erzielte in jedem dieser Bereiche mannschaftsintern den Bestwert und setzt damit gleich ein Ausrufezeichen! Die Winterpause scheint ihm fitnessmäßig also nicht geschadet zu haben. Mit den 13,22 Kilometern übertrifft er gleich in seiner ersten Partie den Bestwert aller Österreicher in der heurigen Bundesligasaison in Deutschland! Er löst mit diesem Wert Julian Baumgartlinger ab, der in der 14. Runde gegen den FC Bayern München 13,17 Kilometer abspulte. Harnik, der ebenfalls zu den laufstärksten Profifußballern Österreichs zählt, kam in dieser Saison regelmäßig auf über 12 Kilometer, knackte aber die 13-Kilometer-Marke in den bisherigen 20 Runden kein einziges Mal.

Viele verlorene Zweikämpfe

Weniger erfreulich war die Zweikampfbilanz des Österreichers. Junuzović gewann von 33 Zweikämpfen lediglich 11 Stück, also 33,33 Prozent. Bemerkenswert ist, dass er die ersten sechs Zweikämpfe in der deutschen Bundesliga verlor – danach konnte er sich aber fangen. Anhand der folgenden Grafik sieht man auch recht gut, dass Junuzović recht zentral spielte und viele Zweikämpfe im defensiven Mittelfeld austragen musste. Viele Werder-Fans kritisieren an Schaaf, dass er de facto ein 4-3-1-2-System spielen lässt, da die Flügelspieler im Mittelffeld recht defensiv agieren und eine Lücke zu den Offensivkräften existiert. Tatsächlich fehlen im Spiel der Bremer noch die Automatismen. Schaaf hat das Glück, dass er an der vordersten Front auf Claudio Pizarro zurückgreifen kann, der nicht viele Chancen braucht, um seine Treffer zu erzielen.

 

 

 

 

 

 

Die schwarzen Punkte symbolisieren die gewonnene, die roten die verlorenen Zweikämpfe. (Klick zum Vergrößern)

Weitere Statistiken

Junuzović hatte 48 Ballkontakte, spielte 29 Pässe, von denen 25 bei seinen Mitspielern ankamen (86,2%). Bemerkenswert ist auch hier, dass er zwischen der 11. und 90. Minute keinen einzigen Fehlpass produzierte. Die ersten drei Fehlpässe machte er innerhalb der ersten zehn Minuten, der letzte Fehlpass passierte erst in der Nachspielzeit. Nachdem sich die Nervosität legte sah man, dass Junuzović technisch stark und ballsicher ist. Erfreulich ist auch, dass er einige Standardsituationen ausführen durfte, was bedeutet, dass er beim Trainer und innerhalb der Mannschaft schon ein gewisses Standing besitzt. Junuzović beging innerhalb der 90 Minuten kein einziges Foul, wurde allerdings drei Mal gelegt, wobei zwei Gegenspieler eine gelbe Karte sahen. Natürlich wäre es schöner gewesen, wenn Junuzović bei seinem Debüt drei Punkte eingefahren hätte – mit seiner persönlichen Leistung darf er aber absolut zufrieden sein.

Stefan Karger, www.abseits.at

Stefan Karger

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