In dieser Serie betrachten wir die Leistungen und Statistiken der österreichischen Legionäre in der deutschen Bundesliga, wobei wir in erster Linie jene Spieler analysieren,...

In dieser Serie betrachten wir die Leistungen und Statistiken der österreichischen Legionäre in der deutschen Bundesliga, wobei wir in erster Linie jene Spieler analysieren, die beim österreichischen Teamchef Marcel Koller gute Karten haben. Martin Harnik schaffte es dieses Wochenende nicht nur ins Kicker-Team-der-Runde, er bekam auch die allerbeste Note – eine glatte 1. Die hat er sich mit seinen drei Toren gegen Hertha BSC Berlin aber auch redlich verdient!

Der VfB Stuttgart empfing Hertha BSC Berlin und konnte nach sieben Spielen ohne Sieg endlich wieder voll punkten. Bereits nach 45 Minuten führte die Mannschaft von Trainer Bruno Labbadia mit 4:0 – so viele Tore schoss noch kein Team in der ersten Halbzeit der heurigen Saison. Den Anfang machte Vedad Ibisevic in der 24. Minute, wobei der Bosnier Glück hatte, dass Schiedsrichter Aytekin den Treffer wegen gefährlichem Spiel nicht aberkannte. Der Neuzugang aus Hoffenheim war es auch, der nur vier Minuten nach dem ersten Streich Harniks ersten Treffer mustergültig vorbereitete. Nach einem schönen Lochpass ließ der österreichische Nationalspieler Torhüter Kraft keine Chance, als er den Ball überlegt am Goalie vorbeischob. Nur zwei Minuten später flog Ottl nach einem schweren Foul an Hajnal zu Recht vom Platz. „Kopfballungeheuer“ Okazaki erzielte den dritten Treffer, Harnik setzte in der 41. und 58. Minute die beiden Schlusspunkte und krönte seine starke Leistung mit seinem ersten Bundesliga-Tripplepack überhaupt.

Harnik gibt die richtige Antwort

Der Österreicher fand in den ersten Partien des Frühjahrs nicht mehr seine gute Form der Hinrunde und verlor nach zwei schwachen Spielen zum Auftakt seinen Stammplatz. Als Joker erzielte er gegen Bayer Leverkusen kurz vor Ende der Partie den Treffer zum 2:2-Unentschieden und er zeigte dem Coach auch im Training die richtige Reaktion: Harnik akzeptierte die Entscheidung zu 100 Prozent und gab bei den Trainingseinheiten alles, um wieder von Anfang an dabei zu sein. Gegen die Hertha ging sein Wunsch in Erfüllung, Okazaki wechselte auf die linke Seite, dafür musste Julian Schieber auf der Ersatzbank Platz nehmen. Harnik begann in einem 4-2-3-1-System im rechten offensiven Mittelfeld, zog aber sehr stark in die Mitte und nahm eher die Wege direkt zum Tor, anstatt auf der Seitenlinie auf und abzumarschieren, wie es auch seine Heatmap veranschaulicht:

 

 

 

 

 

Martin Harniks Heatmap im Spiel gegen Hertha BSC Berlin (Harnik spielte von links nach rechts). Man sieht, dass der Flügelspieler stark in die Mitte zog und den direkten Weg zum Tor suchte.

Wie gewohnt starke Laufleistung

Nach 73 Minuten nahm Bruno Labbadia Martin Harnik vom Platz, diesmal aber im Unterschied zur 18. und 19. Runde nicht aufgrund schwacher Leistungen, sondern um sich seinen verdienten Applaus abzuholen. In den 73 Minuten lief er 10,07 Kilometer, was auf 90 Minuten aufgerechnet 12,41 Kilometer wären – also wie gewohnt eine starke Laufleistung des Flügelspielers. Die 73 Minuten reichten Harnik außerdem aus, um die meisten Sprints (25) aller Spieler am Platz zu absolvieren. Auch bei den intensiven Läufen (76) liegt der Österreicher ganz vorne, nur Okazaki absolvierte zwei mehr. Erfreulich ist des Weiteren, dass Harnik eine positive Zweikampfbilanz hat, was eher eine Seltenheit ist. Von 22 Zweikämpfen entschied er 12 für sich (54,55%). Harnik hatte 32 Ballkontakte, von 19 Pässen brachte er 15 zu den eigenen Mitspielern.

Harnik trifft nächsten Sonntag auf Hannover 96 und muss sich nun keine Sorgen um einen Platz in der Startaufstellung machen. Auch Marcel Koller wird seine Leistung mit einem sehr breiten Grinsen verfolgt haben.

Kein Grund zur Freude für Christian Fuchs

Im Gegensatz zu Martin Harnik hatte Christian Fuchs keinen Grund zum Feiern. Der Außenverteidiger ging mit seinen Schalkern in Gladbach mit 0:3 unter und muss sich, wie die gesamte restliche Schalker-Hintermannschaft, einiges vorwerfen lassen. Gleich in der zweiten Minute verlor Fuchs, der wie die restlichen Spieler der Schalker-Viererkette vom Kicker eine 5 bekam, auf seiner Seite ein Laufduell gegen den starken Hermann, der ideal für Torjäger Reus auflegte. Reus ließ sich nicht zweimal bitten und sorgte für die frühe Führung der Gäste. Die beiden weiteren Tore fielen ebenfalls in der ersten Halbzeit. Zuerst schoss Hanke, der beste Mann am Platz, nach einem doppelten Doppelpass gefühlvoll zum 2:0 ein, danach schlenzte Arango einen Freistoß unhaltbar für Unnerstall ins rechte Eck. Von Schalke 04 war in der ersten Hälfte nichts zu sehen, die Spieler begingen zu viele Fehler im Spielaufbau, was sich auch Fuchs vorwerfen lassen muss. Der Österreicher hatte zwar 88 Ballkontakte, wusste mit dem Spielgerät allerdings nicht viel anzufangen und tat sich schwer das Spiel von hinten aufzubauen. Auch Stevens muss seine Taktik hinterfragen, da er ein extrem offensiv besetztes 4-1-4-1 auflaufen lassen ließ, das nach Ballverlusten zu langsam umschaltete und gegen die kompakten Gladbacher einfach überfordert war. Die offensiven Mittelfeldspieler Jurado, Farfan und Obasi waren Komplettausfälle und fielen innerhalb der schwachen Schalker-Mannschaft noch einmal ab. Fuchs lief 10,63 Kilometer und absolvierte mit 25 Sprints die meisten schnellen Antritte seiner Mannschaft. Außerdem absolvierte er 66 intensive Läufe, einen Torschuss und zwei Flanken, die jedoch nicht bei den Mitspielern ankamen. Von 14 Zweikämpfen entschied er immerhin 8 für sich (57,14%).

Am kommenden Sonntag kann Schalke 04 zu Hause die Schlappe gegen Gladbach mit einem Erfolg gegen den VfL Wolfsburg zumindest teilweise gutmachen.

Alaba mit guter Leistung – trotz Kicker-Note 3,5

Die Note 3,5 ist beim Kicker eine richtige Durchschnittsnote – und die hat sich Alaba für seine Leistung gegen den 1. FC Kaiserslautern (2:0) nicht verdient. Eine 2,5 wäre weitaus passender gewesen, denn der junge Österreicher, der statt dem verletzten Schweinsteiger im zentralen defensiven Mittelfeld neben Luiz Gustavo zum Zug kam zeigte eine mehr als anständige Leistung. Die Leistungsdaten sprechen überhaupt für sich, aber auch ohne einen Blick auf die Statistik zu werfen, kann man dem Bayern-Legionär zu seiner guten Partie gratulieren. Alaba machte im Verbund mit Gustavo bei gegnerischem Ballbesitz hinten gut dicht und zeigte eine fehlerfreie Leistung. Besonders auffällig war, dass sich Alaba konstant anbot, den Ball forderte und auch innerhalb der Mannschaft ein hohes Standing zu genießen scheint, da er auch bei Standardsituationen ran durfte und einen Freistoß nur knapp neben das gegnerische Tor setzte. Seine Passquote erinnert an die zentralen Mittelfeldspieler beim FC Barcelona – von 59 Pässen landeten 54 bei den Mitspielern (91,53%). Alaba spulte von allen Spielern mit 12,07 Kilometer die größte Distanz ab. Er absolvierte 17 Sprints und 66 intensive Läufe, wobei er mit dem letzten Wert Mannschaftsintern ebenfalls die Nase vorne hat. Eine positive Zweikampfbilanz rundet die starke Leistung ab: von 19 Zweikämpfen entschied Alaba 11 für sich (57,89%). Der letzte Wert bestätigt, was auch zahlreiche Bayern-Fans in diversen Diskussionsforen auffiel: Alaba scheint in den letzten Monaten auch körperlich einen Schritt nach vorne gemacht zu haben. Respekt, was der erst 19-Jährige beim FC Bayern München leistet!

Der FC Bayern München spielt kommenden Samstag auswärts gegen den SC Freiburg.

Stefan Karger, www.abseits.at

Stefan Karger

  • boj

    13.Februar.2012 #1 Author

    Sehr feine Analyse! Vielen Dank dafür! Das sind drei herzeigbare Spieler in der D-BL die vor allem auch wegen ihrer mentalen Verfassung die notwendigen erfreulichen Fortschritte machen.

    Interessant vor allem auch die Aussage was Alaba und seine körperliche Weiterentwicklung angeht. Wobei die Zweikampfquote selbst keine hohe Aussagekraft besitzt. Spannend wäre, denke ich, vor allem bei einer so vielfältigen Figur wie dem zentralen MF-Spieler, eine Differenzierung in offensive und defensive Zweikämpfe, da das ansonsten sehr leicht missverstanden werden kann.

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