In dieser Serie betrachten wir die Leistungen und Statistiken der österreichischen Legionäre in der deutschen Bundesliga, wobei wir in erster Linie jene Spieler analysieren,... Abseits.at-Leistungscheck, 25. Spieltag (Teil 1) – Prödl schießt sich nach Comeback ins “kicker“-Team der Runde

In dieser Serie betrachten wir die Leistungen und Statistiken der österreichischen Legionäre in der deutschen Bundesliga, wobei wir in erster Linie jene Spieler analysieren, die beim österreichischen Teamchef Marcel Koller gute Karten haben. Im ersten Teil des Leistungschecks befassen wir uns mit der Partie des SV Werder Bremen gegen Hannover 96, in der gleich vier Österreicher mitmischten.

Sebastian Prödl darf sich über ein absolut gelungenes Comeback freuen, denn der österreichische Innenverteidiger feierte in seinem ersten Einsatz seit dem 21. Jänner 2012 nicht nur einen 3:0-Sieg gegen Hannover 96, sondern erzielte auch selbst einen Treffer und spielte sich zum ersten Mal in dieser Saison ins Team der Runde. Da der 20-jährige Schweizer François Affolter kurzfristig wegen einer Erkrankung passen musste, durfte Prödl nach seiner Gesichtsverletzung schon früher als geplant sein Comeback im Abwehrzentrum der Bremer geben.

Ein Kopfballtor und eine starke Zweikampfbilanz

In der Anfangsphase hatten die Bremer mit den Gästen aus Hannover große Probleme, da diese gefährlich über die Flügel kamen, wobei insbesondere Rausch auf seiner linken Seite Rechtsverteidiger Fritz Schwierigkeiten bereitete. Durch das schnelle Flügelspiel erarbeitete sich Hannover 96 jede Menge Möglichkeiten, allerdings scheiterte die Offensivabteilung immer wieder am starken Tormann Wiese, an der gut eingestellten Innenverteidigung der Bremer und schlussendlich auch am eigenen Unvermögen. Prödl lieferte eine einwandfreie Vorstellung, wobei er auch ein wenig davon profitierte, dass er neben seinem Innenverteidiger-Kollegen Sokratis Papastathopoulos zum Zug kam, der defensiv so gut wie jeden Zweikampf gewann. Der Grieche gewann 23 von 27 Zweikämpfen (85,19%) und hat damit einen noch besseren Wert, als der ebenfalls zweikampfstarke Prödl, der 10 seiner 13 Duelle für sich entschied (76,92%). Zusammengerechnet gewann die Bremer Innenverteidigung 33 von 41 Zweikämpfen (80,4%) – ein absoluter Spitzenwert mit Seltenheitscharakter. Prödl hatte außerdem 46 Ballkontakte und spielte 32 Pässe, von denen 28 bei seinen Mitspielern landeten (87,5%).

Während Hannover 96 die Chancen ausließ zeigte sich der SV Werder Bremen besonders bei Standardsituationen eiskalt. Den ersten Treffer erzielte der starke Claudio Pizarro in der 31. Minute nach einem Ekici-Freistoß. Ein weiterer Treffer nach einer Standard-Situation von Markus Rosenberg wurde wegen eines Pizarro-Foulspiels nicht anerkannt. Knapp nach der Pause zirkelte Ekici erneut einen Freistoß perfekt in den Strafraum der Gäste und Prödl setzte seinem starken Comeback die Krone auf, indem er per Kopf das 2:0 erzielte. In der 56. Minute sorgte Rosenberg nach einem schönen Pizarro-Lochpass für den 3:0-Endstand. Da sich Arnautovic beim Spielen mit seinem Hund verletzte durfte der zuletzt formschwache Schwede wieder von Beginn an spielen und erzielte nun endlich seinen ersten Treffer im Jahr 2012.

Junuzovic lauf – und zweikampfstark

Neben Innenverteidiger Prödl stand mit Zlatko Junuzovic ein weiterer Österreicher in der Startaufstellung der Bremer. Der Mittelfeldspieler, der abermals auf der rechten Position der Mittelfeld-Raute zum Einsatz kam, zeigte wieder eine ordentliche Vorstellung, insbesondere was die Laufbereitschaft und Zweikampfstärke betraf. Dass Junuzovic einer der laufstärksten Spieler der Bundesliga ist, ist für Leser des Leistungschecks auf abseits.at keine große Überraschung und auch wenn für diese Runde aufgrund eines technischen Fehlers leider noch keine genauen Zahlen zur Laufdistanz vorliegen, konnte man auch ohne technische Hilfsmittel gut sehen, dass Junuzovic sich wieder einmal äußerst laufstark präsentierte. Überraschender ist jedoch seine starke Zweikampfbilanz, die in der deutschen Bundesliga bisher nicht seine große Stärke war. Von insgesamt 16 Duellen entschied der 24-Jährige 12 für sich (75%). Wenn man bedenkt, dass er inklusive dieser Partie im Schnitt insgesamt bloß 43,8% seiner Zweikämpfe gewann, dann ist das eine äußerst beachtliche Leistung. Junuzovic hatte 57 Ballkontakte und spielte 36 Pässe, von denen 30 bei seinen Mitspielern ankamen (83,33%). Aufgrund seiner Einstellung und seiner Laufbereitschaft sind die meisten Werder-Fans momentan recht zufrieden mit ihrem Neuzugang, auch wenn sie sich in Sachen Kreativität zu Recht ein wenig mehr erwarten. Momentan ist Junuzovic ein wertvoller Spieler für Thomas Schaaf, weil er sich in den Dienst der Mannschaft stellt und weniger, weil er für die zündenden, spielentscheidenden Ideen sorgt. Allerdings muss man auch festhalten, dass Junuzovic sehr viel nach hinten arbeiten muss und die Flügelspieler in der Bremer-Raute über weite Strecken wie defensive Mittelfeldspieler agieren müssen. Vom Kicker bekam Junuzovic die Note 4, sportal.de sah den Österreicher stärker und verlieh ihm die Note 3.

Emanuel Pogatetz bester Hannover-Feldspieler

Der österreichische Nationalspieler Emanuel Pogatetz bekam vom Kicker die Note 3,5, womit er die beste Bewertung aller Hannover-96-Feldspieler bekam. Nur Tormann Ron-Robert Zieler bekam mit der Note 3 eine bessere Beurteilung. Während sein Kollege in der Innenverteidigung Karim Haggui einen schlechten Tag erwischte und insbesondere bei den Standardsituationen Zuordnungsfehler beging, präsentierte sich Pogatetz bissig und aufmerksam. Pogatetz gewann genau zwei Drittel seiner Zweikämpfe, hatte 49 Ballkontakte und spielte 29 Pässe von denen 25 bei seinen Kollegen ankamen (86,21%).

Am bemerkenswertesten ist wohl, dass er nach einer nicht geahndeten Ohrfeige von Pizarro ruhig blieb und sich nicht zu einer Tätlichkeit hinreißen ließ. Die TV-Bilder belasten den Peruaner schwer und eine nachträgliche Sperre ist nicht auszuschließen, da Schiedsrichter Dingert die Situation nicht wahrnahm.

Pizarro fiel bereits in der Hinrunde in dieser Hinsicht negativ auf, als er Bayern-Spieler Badstuber mit dem Ellenbogen einen Schlag versetzte, der jedoch ebenfalls nicht geahndet wurde. Jedenfalls muss man Pogatetz Respekt zollen, dass er sich in dieser Situation nicht revanchierte. Nach seiner Sperre vom 19. Spieltag hätten ihm die Klubverantwortlichen einen weiteren Aussetzer wohl nur schwer verziehen, auch wenn der heißblütige Österreicher diesmal nicht die Streitigkeit anstachelte. Außerdem ist es schön zu sehen, dass es Fußballer gibt, die sich nicht wegen jeder Kleinigkeit fallen lassen und in erster Linie Sportler und keine Schauspieler sind.

Royer fällt beim Kurzeinsatz nur mit Fouls auf

Daniel Royer kam in der 70. Minute für Rausch in die Partie und durfte somit zum ersten Mal seit dem 21. Jänner wieder Bundesligaluft schnuppern. Dazwischen spielte er vier Mal bei den Amateuren und einmal im U21-Nationalteam gegen die Schweiz, wo er in der 53. Minute einen Treffer beisteuern konnte. Royer konnte in spielerischer Sicht in den letzten 20 Minuten wenig Positives beitragen und fiel in erster Linie durch Härteeinlagen auf, was leider auch Zlatko Junuzovic schmerzhaft zu spüren bekam. Von sechs Zweikämpfen gewann Royer zwei Stück (33,33%), von sechs Pässen kamen vier bei seinen Mitspielern an (66,66%). Insgesamt hatte der 21-Jährige 14 Ballkontakte.

Hier seht ihr eine ausführliche Zusammenfassung der Partie:

Am 26. Spieltag muss Werder Bremen nach Dortmund reisen, während Hannover 96 zu Hause gegen den 1. FC Köln antritt. Im zweiten Teil des Leistungschecks sehen wir uns insbesondere die starke Leistung David Alabas an, der sich wie Prödl ins kicker-Team der Runde spielte.

Stefan Karger, www.abseits.at

Stefan Karger

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