In dieser Serie betrachten wir die Leistungen und Statistiken der österreichischen Legionäre in der deutschen Bundesliga, wobei wir in erster Linie jene Spieler analysieren,...

In dieser Serie betrachten wir die Leistungen und Statistiken der österreichischen Legionäre in der deutschen Bundesliga, wobei wir in erster Linie jene Spieler analysieren, die beim österreichischen Teamchef Marcel Koller gute Karten haben. Nachdem wir im gestrigen Leistungscheck über die erfolgreiche Europa-League-Qualifikation von Emanuel Pogatetz berichteten, widmen wir uns nun in erster Linie dem Spiel zwischen dem SV Werder Bremen und dem FC Schalke 04. Gleich drei österreichische Legionäre hatten bei der 2:3-Heimniederlage der Bremer ihre Füße im Spiel.

Nach der 2:3-Niederlage gegen die Königsblauen darf der SV Werder Bremen die miserable Rückrunde endlich abhaken und sollte sich nun mit voller Kraft auf die kommenden Aufgaben konzentrieren. In den 17 Spielen nach der Winterpause holte die Truppe von Trainer Thomas Schaaf nur magere 13 Punkte, was der schlechtesten Rückrundenbilanz aller Zeiten entspricht. Selbst der Trainer steht nun in der Kritik und wer genau hinsah entdeckte ein kleines „Schaaf raus“-Transparent in den Zuschauerrängen. Für die Bremer traf zweimal der Peruaner Pizarro, auf der anderen Seite trugen sich Huntelaar (2x) und Draxler in die Torschützenliste ein.

Drei Österrreicher im Einsatz

Sebastian Prödl organisierte gemeinsam mit dem Griechen Sokratis die Innenverteidigung, während Zlatko Junuzovic im rechten Mittelfeld begann. Stürmer Marko Arnautovic musste vorerst auf der Bank Platz nehmen, kam aber sofort nach der Pause für Borowski ins Spiel.

Für Zlatko Junuzovic dauerte der Arbeitstag nur 36 Minuten, danach musste der österreichische Nationalspieler angeschlagen ausgewechselt werden. Der rechte Mittelfeldspieler nahm am darauffolgenden Training auch nicht teil, gab jetzt aber die Entwarnung durch: Er zog sich eine Kapselverletzung zu, die jedoch nicht schwerwiegend sein soll. Bis zu diesem Zeitpunkt war er einer der besseren Werder-Spieler und zeigte auf seiner Seite einige gute Aktionen. In den 36 Minuten lief er 5,43 Kilometer, was auf 90 Minuten aufgerechnet einen Schnitt von ca. 13,5 Kilometer ergibt. Bei Junuzovic weiß man mittlerweile, dass er dieses Tempo auch über die gesamte Partie gehen kann, denn er übertrifft regelmäßig die 13-Kilometer-Marke. Wie man an der Heatmap sehen kann, hatte der Österreicher wieder einmal einen enormen Aktionsradius und war in den 36 Minuten fast am gesamten Platz zu finden. Besonders erfreulich sind seine Zweikampfwerte, denn Junuzovic gewann sieben seiner elf Duelle (63,6%). Seit seinem Wechsel in die deutsche Bundesliga hatte er nämlich gerade in diesem Bereich Probleme und konnte nur selten eine positive Bilanz ausweisen. Gegen den FC Schalke 04 gewann er aller drei Zweikämpfe in der eigenen Hälfte und konnte auch in der Offensive das eine oder andere Mal den Ball behaupten. Junuzovic hatte 28 Ballkontakte und spielte 18 Pässe von denen 14 bei seinen Mitspielern ankamen (77,8%). Vom Kicker erhielt er eine 4,5, während sportal.de ihn besser sah und ihm eine 3,5 gab.

Prödl mit schwacher Leistung

Der Innenverteidiger Sebastian Prödl durfte im Gegensatz zu den beiden anderen Österreichern über die volle Distanz spielen, erwischte aber leider einen schwachen Tag und sah in einigen Szenen nicht gut aus. Besonders mit Julian Draxler, der sich in ausgezeichneter Spiellaune befand, hatte der Innenverteidiger Schwierigkeiten, wenn dieser von der linken Seite in die Mitte zog. Beim ersten Tor etwa ging der Schalke-Spieler auf diese Art am Österreicher vorbei und konnte ungehindert knapp außerhalb des Strafraums abziehen. Auch in einigen anderen Szenen wirkte Prödl zu wenig energisch und antizipierte Situationen langsamer als seine Gegenspieler, sodass er nicht in die Zweikämpfe kam. Prödl hinterließ jedoch selbst in dieser Bilanz keinen starken Eindruck, da er nur 6 seiner 13 Duelle gewann (46,2%), was für einen Innenverteidiger eindeutig zu wenig ist. Immerhin absolvierte er 11,7 Kilometer, was zeigt, dass seine Fitnesswerte in Ordnung sind. Der Abwehrspieler hatte 53 Ballkontakte und spielte 39 Pässe, von denen 30 bei seinen Mannschaftskollegen landeten (77%). Kicker und sportal.de waren sich diesmal einig: Beide gaben dem österreichischen Nationalspieler die Note 5 – kein versöhnlicher Abschluss für Prödl zum Saisonende.

Arnautovic mit guter Partie nach seiner Einwechslung  

Zur Pause kam Marko Arnautovic in die Partie, der zeigte, dass er seine Verletzung endgültig hinter sich brachte, da er das Angriffsspiel der Hausherren erfrischend belebte und neuen Schwung in die Partie brachte. In den 45 Minuten lief er 6,18 Kilometer und war in der Offensive überall am Platz zu finden. Er suchte offene Räume, beschäftigte seine Gegenspieler und hatte einige schöne Aktionen, die jedoch leider nichts Zählbares brachten, auch da Stürmer Rosenberg wieder einen schwachen Tag erwischte und eine große Chance nach Zuspiel von Arnautovic ausließ. Arnautovic steuerte insgesamt vier Torschussvorlagen bei, schlug zwei Flanken und schoss einmal selbst aufs Tor. Er gewann 7 von 13 Zweikämpfen (53,9%), hatte 28 Ballkontakte und spielte 15 Pässe, von denen 10 ankamen (67%). Arnautovic absolvierte mit elf Sprints in 45 Minuten genauso viele wie Pizarro über die gesamte Distanz und nur einen weniger als Rosenberg. Erfreulich ist, dass er einmal auf eine Geschwindigkeit von 34,1 km/h kam, ein Tempo, das nicht jeder Bundeligaspieler erreichen kann. Der Kicker gab Arnautovic die Note 4, während sportal.de dem Österreicher die Note 3 gab. Nur Pizarro bekam von diesem Portal eine etwas bessere Bewertung.

Die Leistungen der übrigen Österreicher

Christian Fuchs saß aus Rotationsgründen auf der Bank, ebenso wie David Alaba, da Bayern-Trainer Jupp Heynckes alle Spieler draußen ließ, die im Champions-League-Finale gegen Chelsea FC gesperrt sind. Es spricht vieles dafür, dass Heynckes die gleiche Elf, die gegen den FC Köln begann, auch beim Spiel des Jahres aufs Feld schicken wird. Alaba-Ersatz Contento wird dem Trainer jedoch ein wenig Kopfschmerzen bereiten, da er unsicher wirkte, beinahe einen Elfmeter verschuldete und am Gegentreffer von Novakovic in der 63. Minute beteiligt war. Der Kicker strafte den linken Außenverteidiger mit der Note 5 ab. Alaba kam in der 69. Minute für Kroos und fiel weder positiv, noch negativ auf. Zum Zeitpunkt seiner Einwechslung machten die Kölner den Eindruck, als hätten sie sich bereits mit dem Abstieg abgefunden und konnten den Bayern nichts mehr entgegensetzen. Alaba hatte nur 10 Ballkontakte und spielte sieben Pässe, die alle bei den Mitspielern ankamen. In der Offensive hatte er keine nennenswerten Szenen.

Keinen guten Tag erwischte Julian Baumgartlinger, der im linken defensiven Mittelfeld gegen starke Gladbacher einen überforderten Eindruck hinterließ und dem nur sehr wenig gelang. Er fand nicht in die Zweikämpfe und wenn, dann hatte er meist das Nachsehen: von zwölf Duellen entschied er nur drei für sich (25%). Dazu kamen Fehler im Spielaufbau, die den Hausherren aus Gladbach in die Hände spielten. Selbst kurze Pässe kamen immer wieder beim Gegner an. Baumgartlinger erhielt sowohl vom Kicker, als auch von sportal.de die Note 5. Ein wenig besser stellte sich Andreas Ivanschitz an, der in der 64. Minute zusammen mit Polanski eingewechselt wurde, während Baumgartlinger und Caligiuri vom Platz mussten. Ivanschitz verlor zwar alle seine drei Zweikämpfe, überzeugte dafür aber mit einer hundertprozentigen Passquote und einer positiven Körpersprache. Er schoss einmal aufs Tor und sorgte für eine Torschussvorlage – gegen die starken Gladbacher, die das Spiel klar mit 3:0 gewannen, gab es schlussendlich jedoch nichts zu holen. Der Klasseunterschied war in jeder Phase der Partie deutlich spürbar.  Auf der anderen Seite durfte Martin Stranzl mit seiner Leistung absolut zufrieden sein. Der Innenverteidiger gewann 15 seiner 18 Zweikämpfe (83,3%!) und zeigte wieder einmal eine absolute Top-Leistung. Vom Kicker bekam er die Note 3, sportal.de gab ihm eine 2,5.

Wie im letzten Leistungscheck prophezeit, endete die starke Serie der Freiburger im letzten Spiel gegen Borussia Dortmund. Nach zehn Spielen ohne Niederlage ging der SC Freiburg beim deutschen Meister mit 4:0 unter. Die beste Kicker-Bewertung aller Freiburg-Spieler erhielt Jonathan Schmid, der für seine Bemühungen die Note 4 erhielt. Dortmund war jedoch in allen Belangen überlegen und verwöhnte die Fans im letzten Meisterschaftsspiel besonders in der ersten Hälfte mit einem wunderschönen Offensivfußball.

Stefan Karger, www.abseits.at

Stefan Karger

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