Seit einiger Zeit ist bekannt, dass Pep Guardiola mit Ablauf dieser Saison seinen Arbeitgeber wechselt. Es geht nach Manchester City, wo er auf seinen... Guardiolas Manchester City (3): Der Rechtsverteidiger

_Manchester City - Wappen, LogoSeit einiger Zeit ist bekannt, dass Pep Guardiola mit Ablauf dieser Saison seinen Arbeitgeber wechselt. Es geht nach Manchester City, wo er auf seinen alten Weggefährten Txiki Begiristain trifft. Erwarten wird ihn dort vor allem finanzielle Freiheit, kaum ein Spieler dürfte zu teuer werden. Aber auch ein Team, das ganz und gar nicht nach Peps Stil spielt und diese Saison schon katastrophale Leistungen abliefert. Wie auch bei den Bayern wird der Katalane einiges umstrukturieren müssen. Welche Spieler könnte er holen, welche könnten gehen und welche Formationen könnten mit diesem Spielermaterial gespielt werden? Dies ist natürlich eine spekulative Thematik, dennoch versuchen wir Antworten auf die Fragen, die die Fußballwelt im Sommer bewegen werden, zu finden. Der Einfachheit halber werden wir uns nicht mit Spielern beschäftigen, die beim FC Bayern unter Vertrag stehen, oder Stammspieler beim FC Barcelona sind. Alle Statistiken wurden im Vergleich zudem erhoben aus Spielern, die mindestens 15 Einsätze diese Saison hatten. Auf der Basis der einzelnen Fazits über die Mannschaftsteile werden am Ende dieser Serie die möglichen Formationen besprochen.

Der rechte Verteidiger

Außenverteidiger sind in der heutigen Zeit weit mehr als „Außendecker“, das ist bereits hinlänglich bekannt. Guardiolas Anforderungsprofil für einen Außenverteidiger besteht jedoch nicht nur aus Dynamik, Technik und Offensivdrang. Am Beispiel Lahm, Alaba und auch Rafinha sieht man. dass Spielverständnis sowie taktische Variabilität und sogar spielmachende Qualitäten für den katalanischen Trainer äußerst wichtig sind.

Sein zukünftiger Arbeitgeber Manchester City hat auf dieser Position ein Überangebot an sehr starken Leuten, die zumindest an der Weltklasse kratzen. Selbst wenn einige Mannschaften vereinzelt bessere Außenverteidiger haben, so ist doch die Dichte an Qualität bei Manchester City wohl einzigartig im europäischen Fußball.  Zabaleta und Sagna sind beide nicht nur Nationalspieler, sondern auch erfahren in allen möglichen Turnieren und haben ihre jeweils ganz speziellen Qualitäten.

Pablo Zabaleta

Der 31- jährige Argentinier ist seit 2008 bei Manchester City angestellt und bestritt bereits über 300 Spiele für die Citizens. In der  argentinischen Nationalmannschaft hat er ebenfalls stolze 54 Einsätze vorzuweisen. Zabaletas Stärken liegen vor allem in seiner Tackling-Technik, die ihn zu einem nur schwer zu überwindenden Verteidiger macht. Dass man diagonal zum Gegenspieler stehen soll und ihn nach außen leiten soll, das weiß fast jeder. So erfolgsstabil und unter allen Umständen machen es jedoch nur wenige wie Zabaleta es tut, im Schnitt wird er nur einmal im Spiel ausgedribbelt, bringt drei Tacklings an, in der Champions League sogar über vier. Seine Statistik ist mit 1.8 abgefangen Bällen auch sehr in Ordnung, wenngleich er bei einem der wesentlichsten Bausteine für die Fähigkeit der Interceptions, die Positionierung, Schwächen offenbart. Individualtaktisch ist Zabaleta defensiv sicherlich hervorzuheben in Europa, gruppentaktisch hinkt er jedoch hinterher, wie man bei folgender Grafik erkennen kann. Schwach ist er jedoch bei Kopfballduellen, hier verliert er den Großteil. Screenshot (209) Zabaleta attackiert hier den Ballführenden Sadio Mané und hinterlässt viel Raum hinter sich. Tadic fordert den Ball in diesen Raum, zu Zabaletas Glück entscheidet sich Mané zum Schuss. Offensiv ist der Argentinier ebenfalls sehr interessant: mit einer Pferdelunge ausgestattet, geht er oft weite, intensive Wege um sich freizulaufen und Räume zu öffnen. Dabei kennt er nicht nur das klassische Hinterlaufen, wie es in Österreich unentwegt in isolierten Trainingsformen eingeübt wird, sondern geht oft diagonal, was für die Verteidiger deutlich schwieriger zu verteidigen ist. Dribbler ist er kein besonderer, er sucht meist den einfachen Pass, um sich dann dynamisch in die Tiefe lösen zu können. Seine Passquote, in der unteren Grafik sichtbar, ist in Ordnung, jedoch ausbaufähig. Dies liegt jedoch auch an der Direktheit seiner Aufgaben und dem Spielstil insgesamt. Er kam in der Premier League häufiger als in der Champions League zum Einsatz, zeigte dort jedoch meist gute Leistungen. Screenshot (154) Zabaleta erkennt einen Raum und läuft in diesen hinein. Mit diesem diagonalen Laufweg kann er entweder angespielt werden oder er öffnet einen Dribblingweg in die Mitte für seinen Mitspieler. Zabaleta gehört auf jeden Fall zu den bekanntesten seiner Zunft und kann für Guardiola kurzfristig eine Möglichkeit sein, längerfristig mangelt es ihm vermutlich jedoch an taktischer Flexibilität, da er prinzipiell doch sehr geradlinig agiert.

Bacary Sagna

 

Rutschen, laufen, flanken. Bacary Sagna ist ein simpler Spieler, der die genannten Sachen jedoch recht gut beherrscht. „Recht gut“ ist jedoch ein Problem in einer Mannschaft, die in den nächsten Jahren die Premier League und auch Europa dominieren möchte. Doch auch diese Eigenschaften, die ihn früher zum Stammspieler und Leistungsträger Arsenals gemacht hatten, werden schwächer. Vor allem in der Champions League, weniger in der Premier League, hat seine Defensivstärke deutlich abgenommen. Sein Konkurrent Zabaleta ist nicht nur statistisch besser, sondern ist auch taktisch noch eine Stufe über Sagna zu stellen. Diagonalität lässt Sagna vermissen, er läuft die Linie fleißig rauf und runter, mehr jedoch nicht. Zum Spielaufbau trägt er kaum effektiv bei, befindet sich dabei meist in eher tieferen Positionen zur Absicherung nach Ballverlust und spielt meist nur Alibi- Pässe zurück zu den Innenverteidigern. In der unteren Grafik von squawka.com werden seine Pässe gegen Real Madrid aufgezeigt. Zwar war Manchester City auch vom System her zurückhaltend an diesem Tag, der Großteil seiner Pässe geht jedoch zurück, oder gerade die Linie entlang. Diagonale Pässe sind nur sehr schwierig zu finden, sind aber äußerst wichtig, da sie Raumgewinn in Horizontale und Vertikale bedeuten. Sagnas Chancen im Kader Guardiolas zu bleiben stehen nicht nur aufgrund seines Alters (33) also nicht besonders gut. Der Franzose hat vor allem spielerische Defizite und hinkt diesbezüglich seinem noch etwas jüngeren Mitspieler Zabaleta hinterher. Screenshot (210)

Top- Kandidat #1: Daniel Carvajal

 

Carvajal, der 24-jährige Madrilene (geboren im Vorort Leganés), von Real Madrid ist einer der zurzeit besten Rechtsverteidiger im Fußballgeschäft. Seine Passquote ist sehr stark, beträgt an manchen Tagen auch über 90%. Dazu kommt, dass er meist eine sehr hohe Position einnimmt, also deutlich mehr Gegnerdruck im Aufbau hat als Sagna zum Beispiel, dessen Position meist tiefer ist. Er glänzt durch Schnelligkeit, Antizipationsfähigkeit und am Ball nicht nur durch sein Passspiel sondern auch durch seine situativ gut eingestreuten Dribblings. Aufgrund seiner Technik, gepaart mit seiner Schnelligkeit und einem robusten Körper kann er sich auch gegen mehrere Gegenspieler offensiv durchsetzen, sowie defensiv Präsenz zeigen. Diese Präsenz bekam unter anderem auch Neymar zu spüren, der bei der Clásico-Niederlage im April seine Probleme mit seinem Gegenspieler hatte. Carvajal erinnert auch aufgrund seiner Dynamik etwas an Dani Alves, der ja glorreiche Tage unter Pep hatte und somit wäre Carvajal wohl der Traumtransfer für Guardiola, der seine Außenverteidiger ja auf verschiedene Arten einzubinden weiß. Alves, oft breit oder diagonal, sowie Lahm und Rafinha einrückend sind hier die besten Beispiele. Carvajal könnte auf jeden Fall sehr diagonal agieren, auch bei Real besetzt er immer wieder situativ den Halbraum und kommt hier sehr gut zurecht. Dies wird auch in unterer Grafik vom Spiel gegen Manchester City im Champions League Halbfinale deutlich, wo man einige Pässe aus den Halbräumen finden kann, ebenso wie viele diagonale Pässe, die wie oben bereits erwähnt von großer Wichtigkeit sind.

Top Kandidat #2: Alessandro Florenzi

Der 25-jährige Italiener bringt eigentlich alles mit, was ein Pep- Spieler braucht: Passgenauigkeit, Dynamik, eine variable Spieleröffnung und wenn möglich auch Erfahrung im zentralen Mittelfeld. All dies hat Alessandro Florenzi, der eigentlich nur deswegen nicht so hoch geachtet wird von der breiten Öffentlichkeit, weil die Roma international in den letzten Jahren eher schlecht als recht abschnitt. Seine Antizipation im Gegenpressing ist gut, er ist ein richtiger „Vorwärts-Verteidiger“. Am Ball hat er stets mehrere Lösungen parat, Dribblings, öffnende Pässe sowie auch im richtigen Moment der „sichere“ Pass, all dies hat er in seinem Repertoire. Auf der Suche nach weiteren Top- Kandidaten haben wir ihn auf squawka.com mit anderen verglichen. In den Pep-relevanten Statistiken schneidet er am besten ab. Zudem ist er durch seine Erfahrung im zentralen Mittelfeld ebenfalls als einrückender Außenverteidiger einsetzbar, was Guardiola ja bei den Bayern als ein effektives taktisches Mittel angewandt hatte. Die taktische Flexibilität ist bei Florenzi also sehr hoch zu rechnen und macht ihn zum Top-Kandidaten neben Carvajal. Screenshot (212)

Fazit

Einer der beiden Rechtsverteidiger der Citizens wird wahrscheinlich gehen. Dies kann durchaus Sagna sein, der seine besten Tage hinter sich hat, zudem ein vielleicht etwas zu simpler Spieler für Peps System ist. Als Konkurrenten für Zabaleta kommen vor allem Carvajal und Florenzi in Frage, jedoch ist es bei weitem nicht ausgeschlossen, dass Zabaleta zumindest im ersten Jahr noch Stammspieler unter Guardiola sein wird, da auch er zu den besseren seiner Zunft zählt.

David Goigitzer, abseits.at

David Goigitzer

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