Totti, Ferguson, Gerrard, Wenger. Diese Namen gehören einer sehr kleinen Spezies an. Nur wenige Spieler oder Trainer sind mehr als 10 Jahre bei einem... Seit 13 Jahren kein Meistertitel: Kritik an Urgestein Wenger wird größer

Arsene Wenger_abseits.atTotti, Ferguson, Gerrard, Wenger. Diese Namen gehören einer sehr kleinen Spezies an. Nur wenige Spieler oder Trainer sind mehr als 10 Jahre bei einem Verein aktiv. Arsene Wenger hält „seinem“ FC Arsenal mittlerweile seit mehr als 20 Jahren die Treue. In letzter Zeit geriet der Franzose allerdings immer mehr in die Schusslinie. Auch von den Fans erhält er nicht mehr volle Rückendeckung.

Seine Laufbahn beim Arsenal FC

Nachdem Bruce Rioch im Sommer 1996 den Trainersessel des Arsenal FC räumen musste, präsentierten die „Gunners“ Arsene Wenger. Der Franzose, der im englischen Fußball noch ein unbeschriebenes Blatt war, kam vom japanischen Erstligisten Nagoya Grampus Eight. Der Trainerwechsel trug Früchte. In der ersten Saison unter Arsene Wenger konnte der 3. Platz errungen werden.

Double in Wengers zweitem Jahr

In der Spielzeit 1997/98 zelebrierte man das erste Mal seit 1991 den Meistertitel. Man setzte sich mit 78 Zählern gegen Manchester United im Titelrennen durch. Die „Red Devils“ lagen nur einen Punkt dahinter. Des Weiteren konnte in dieser Saison auch der FA Cup gewonnen werden. Im Finale bezwangen die „Gunners“ Newcastle mit 2:0.

Souveräner Meistertitel

Zum zweiten Mal unter Wenger konnte 2001/02 der Titel nach Nordlondon geholt werden. Im Endeffekt gewann man die Meisterschaft doch recht klar mit sieben Punkten Vorsprung auf den zweitplatzierten Liverpool FC. Thierry Henry gewann in dieser Spielzeit mit seinen 24 Treffern für den FC Arsenal erstmals den Titel des Torschützenkönigs.

The Invicibles

Es ist die bekannteste Elf, die jemals für Arsenal spielte. Diese Mannschaft errang 2003/04 den Meistertitel in beeindruckender Art und Weise. Man blieb in der gesamten Meisterschaftssaison ungeschlagen. Das gelang davor nur Preston North End im Jahr 1889. Angeführt von Kapitän Patrick Vieira fuhr man in 38 Spielen 90 Punkte ein, lag so im Endklassement 11 Zähler vor dem Stadtrivalen FC Chelsea und kürte sich somit klar zum Meister. Maßgeblichen Beitrag zum Erfolg hatte wieder einmal Thierry Henry. Mit seinen 30 Liga-Toren holte er abermals den Titel des Torschützenkönigs.

Seit 13 Jahren kein Meistertitel

„The Invincibles“ waren das letzte Team, das die Meisterschaft nach Nordlondon holen konnte. Doch ganz leer ging man nicht aus. Dreimal konnte der FA Cup gewonnen werden (2005, 2014, 2015). Der Gewinn des „Community Shield“ konnte zweimal gefeiert werden (2014, 2015). In der UEFA Champions League ist man hingegen Dauergast. Seit 1998 nimmt man ausnahmslos an der Königsklasse teil. 2006 stand man erstmals in der Vereinsgeschichte im Finale. Das Endspiel in Paris verlor man nach einer Halbzeitführung mit 2:1 gegen den FC Barcelona. Zum Angstgegner in der CL avancierte der FC Bayern. Alleine seit der Saison 2012/13 musste der FC Arsenal dreimal wegen dem deutschen Rekordmeister die Segel streichen – immer im Achtelfinale.

Wengers Transferpolitik

Dass die Premier-League-Klubs aufgrund der milliardenschweren TV-Verträge im Geld schwimmen, ist bekannt. In der jüngeren Vergangenheit vermeldete Arsenal allerdings nur zwei Transferknaller. Mesut Özil und Alexis Sanchez kamen für 47 bzw. 42 Millionen Euro aus Spanien. Arsene Wenger gibt nicht sehr gerne am Transfermarkt viel Geld aus. Ein Beispiel dafür: In der Sommertransferzeit 2015/16 gab man lediglich 30 Millionen Euro für neue Spieler aus. Damit fand man sich über diesen Zeitraum nur am 15. Platz im „Premier-League-Ausgaben-Ranking“ wieder. Ein Grund dafür könnte die recht hohe Quote an Eigenbauspielern sein. Mit Bellerin und Iwobi haben sich mittlerweile zwei selbst ausgebildete Spieler in der Startelf etabliert. Wenn man den 27-jährigen Gibbs (296 Spielminuten in der Liga, Ex-Akademiespieler) dazuzählt, würde Arsenal aus den „Big Six“ die meisten Eigenbauspieler stellen.

Unklare Situation

Fix ist: Arsene Wenger hat bis 30.06.2017 einen gültigen Vertrag. Außerdem soll der Verein ihm bereits ein Angebot zur Vertragsverlängerung angeboten haben. Wenger sagte, dass er sich bis spätestens April festlegen werde, ob er weitermacht. An einer Verlängerung des Kontrakts kann allerdings durchaus gezweifelt werden. Diverse Medien brachten schon Namen wie Allegri oder Tuchel ins Spiel. Auch der Name Ralph Hasenhüttl fällt im Bezug auf einen neuen Trainerposten häufig. Der Österreicher dürfte die „Gunners“ nach den Erfolgen mit Ingolstadt und Leipzig beeindruckt haben. Ein Schützling von Wenger macht seine Zukunft unter anderem von jener seines „Bosses“ abhängig. Mesut Özil sprach dazu in einem Interview mit dem „kicker“ und meinte: „Der Klub weiß, dass ich vor allem wegen Arsene Wenger hier bin, der mich geholt hat, dessen Vertrauen ich genieße.“

Konstanz oder Risiko

In der Ära Wenger nie schlechter als 4. in der Liga – das ist Konstanz. Nun stellt sich die Frage, wie sich ein möglicher Abgang Wengers auf das Geschehen beim Arsenal FC auswirken könnte.

Szenario 1: Wenger geht

Das Letzte, was man in Nordlondon braucht, ist eine Kurzschlusshandlung. Deswegen kann man davon ausgehen, dass man bereits sorgfältig Anforderungsprofile für Coaches angefertigt hat und mit diversen Trainern Gespräche geführt hat. Ein neuer Trainer könnte im ganzen Verein neue Impulse setzen. Ein Trainerwechsel würde auch die Wahrscheinlichkeit erhöhen, wieder einmal Meister zu werden. Eine Veränderung dieser Größe birgt natürlich auch ein gewisses Risiko. Das Risiko einer großen Umstellung wurde z.B. Manchester United nach dem Abgang von Sir Alex Ferguson zum Verhängnis. Nach der Bestellung David Moyes‘ belegte man am Ende der Saison 2013/14 lediglich Platz 7.

Szenario 2: Wenger bleibt

Diese Variante ist risikoärmer. Abgesehen von großer Kritik einiger Fans wird sich im Norden Londons wohl nicht sehr viel verändern. Es werden wohl weiterhin keine Großtransfers à la Manchester United/City getätigt werden und ein Meistertitel wäre ohne große Veränderungen eher unwahrscheinlich. Ein plötzlicher starker Leistungsabfall scheint hingegen ebenfalls unrealistisch.

J.G., abseits.at

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