Dank eines tollen Laufs im neuen Jahr nimmt Watford F.C. Kurs auf die Premier League. Die Hornets holten aus den letzten neun Partien 22... Watford F.C. auf dem Weg in die Premier League (1) – Pozzo-Familie sorgt für Umschwung und Diskussionen

SpielszeneDank eines tollen Laufs im neuen Jahr nimmt Watford F.C. Kurs auf die Premier League. Die Hornets holten aus den letzten neun Partien 22 Punkte und liegen momentan punktegleich mit Hull City auf dem zweiten Platz hinter dem souveränen Tabellenführer Cardiff City. Wie gelang dem Verein, der in den vergangenen Jahren eher in der unteren Tabellenhälfte zu finden war, diese Leistungssteigerung? Die Antwort finden wir, wenn wir einen Blick auf den Eigentümer und den Kader des Clubs werfen.

Ende Juni des vergangenen Jahres meldeten die Zeitungen, dass die Pozzo-Familie den finanziell stark angeschlagenen Zweitligisten übernimmt. Familienoberhaupt Giampaolo Pozzo erwarb nach Udinese Calcio (1986) und Granada (2009) seinen dritten Profi-Fußballklub, mit dem Ziel langfristig eine Mannschaft zu formen, die in der Premier League in der oberen Tabellenhälfte mitspielen kann.

Neuer Trainer, neue Spieler

Zu diesem Zweck entließ er zunächst den bei den Fans beliebten Coach Sean Dyche, der während seiner aktiven Karriere drei Jahre bei den Hornets spielte und später auch den Nachwuchs trainierte. Pozzo installierte als neuen Trainer seinen Landsmann Gianfranco Zola, der nach einer gewissen Einarbeitungszeit seine Mannschaft immer besser in den Griff bekam und von den Niederungen der Tabelle nach oben führte. Dieses Team hat jedoch nicht mehr allzu viel mit der Mannschaft der vergangenen Jahre gemein, denn Pozzo verschwendete keine Zeit und schickte zahlreiche Kicker aus Udine und Granada nach England. Insgesamt lotste der Geschäftsmann 14 Leihspieler nach Watford, von denen 12 von den beiden oben genannten Vereinen kamen. Der Aufstieg in die Premier League kann dem Geschäftsmann nicht schnell genug gehen, was viele als Anlass nehmen, seine Transferpolitik zu kritisieren.

Kritik von Liga-Konkurrenten

Besonders die Liga-Konkurrenten, die mit Watford um den Aufstieg spielen, sehen diese Entwicklung kritisch und fordern den Verband auf strengere Bestimmungen bezüglich Leihspielern aus dem Ausland zu entwerfen. Während in England auf nationaler Ebene ein Verein nur eine begrenzte Anzahl an Spielern an einen anderen Klub verleihen darf, gibt es bei internationalen Leihgeschäften keine Beschränkungen. Weiters wurde die Sorge geäußert, dass die Talente aus der Watford-Akademie angesichts der neuen Konkurrenz keine Chance mehr bekommen werden und die Identität des Vereins verloren geht.

Zustimmung von Watford-Fans

Diese Sorgen werden jedoch von den meisten Watford-Fans nicht geteilt, da sie sich mit der aktuellen Situation aufgrund der nachstehenden Tatsachen anfreundeten und den neuen Eigentümer in Internet-Foren und Kommentaren vehement verteidigen.

  • Die alte Führung des Vereins bekleckerte sich in den vergangenen Jahren nicht mit viel Ruhm und der Klub stand vor der Übernahme durch Pozzi sowohl sportlich, als auch finanziell schlecht da. Die neuen Eigentümer haben hingegen in Udine bewiesen, dass sie es verstehen im Profifußball wirtschaftlich zu arbeiten und dabei auch Erfolg zu haben. Insbesondere am Transfermarkt wird hochprofessionell gewirtschaftet, was wir bereits Ende 2011 in diesem Artikel festhielten.
  • Einige der „Leiharbeiter“ sollen langfristig an den Verein gebunden werden und Pozzi versprach, dass nicht jedes Jahr so viele Neuzugänge aus Italien kommen würden. Er ließ außerdem verlautbaren, dass die Watford-Eigenbauspieler aus der Akademie in der Vergangenheit nicht stark genug in die Kampfmannschaft eingebaut wurden und dies unter seiner Führung ein wichtiger Punkt sein werde. Zum Zeichen dafür ließ er die Verträge der besten Nachwuchsspieler des Vereins verlängern.
  • Unter Trainer Gianfranco Zola spielt Watford nicht nur erfolgreich, sondern auch attraktiv. Schon bei West Ham ließ er einen sehenswerten Fußball spielen und war dafür bekannt, dass er gut mit jungen Spielern umgehen kann – eine Eigenschaft die ihm bei Watford zu Gute kommen wird.

Fazit

Die Argumente beider Seiten sind nachvollziehbar. Die Fans haben jahrelang zusehen müssen, wie der Verein ineffektiv geführt wurde und immer wieder in arge wirtschaftliche Bedrängnis kam. Hilfe von außen wird nun gerne angenommen, noch dazu wenn sie von Leuten kommt, die in der Vergangenheit bewiesen, dass sie die richtigen Entscheidungen treffen. Dennoch sollte überdacht werden, ob die Regeln bezüglich Leihspieler nicht überarbeitet werden. Wenn andere Vereine diesem Beispiel folgen, könnte die zweite Spielklasse Englands theoretisch zu einer Meisterschaft der B-Mannschaften der Serie A werden. Im Prinzip muss man ernsthaft hinterfragen, ob ein Verein so viele Spieler haben darf, dass er praktisch eine gesamte Startelf an einen anderen Verein verleihen kann.

Alle Watford-Tore zwischen August 2012 und Jänner 2013

Im zweiten Teil widmen wir uns den Leistungsträgern der Mannschaft. Welche Namen muss man sich für die Zukunft unbedingt merken.

Stefan Karger, www.abseits.at

Stefan Karger

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