Gestern wurde der ehemalige ägyptische Fußballstar Mohamed Zidan in Abwesenheit von einem ägyptischen Gericht zu sechs Jahren Haft verurteilt. Der 41-fache Nationalspieler soll beim... Von der deutschen Bundesliga in ein ägyptische Gefängnis? | Mohamed Zidan droht lange Haftstrafe

GefängnisGestern wurde der ehemalige ägyptische Fußballstar Mohamed Zidan in Abwesenheit von einem ägyptischen Gericht zu sechs Jahren Haft verurteilt. Der 41-fache Nationalspieler soll beim Kauf von Immobilien gefälschte Schecks ausgestellt haben. Wir beleuchten noch einmal die Karriere des ehemaligen deutschen Bundesligaspielers und erklären, weshalb dem damaligen Nationalhelden in seiner Heimat nun nicht mehr viel Liebe entgegengebracht wird. Sind die Vorwürfe berechtigt, oder wird ihm nun die Nähe zum ehemaligen Staatspräsidenten Husni Mubarak zum Verhängnis?

Seine bisherige Karriere

Freunde der deutschen Bundesliga werden sich sicherlich noch gut an den trickreichen ägyptischen Stürmer Mohamed Zidan erinnern, der zwischen 2005 und 2012 für vier verschiedenen Vereine auf Torjagd ging. Nachdem er zwischen 2003 und 2005 für den dänischen Klub FC Midtjylland 30 Tore in 45 Spielen erzielte, verpflichtete ihn der SV Werder Bremen, wo er aber nach einer Verletzung nur schwer in die Stammmannschaft zurückfand. Er wurde an den 1. FSV Mainz 05 verliehen und schoss während seiner Leihe immerhin neun Tore in 26 Einsätzen, darunter das schnellste Tor in der damaligen Saison: Ausgerechnet gegen den SV Werder Bremen traf der ägyptische Nationalspieler nach nur 13 Sekunden!

Auch nach der Leihe konnte er sich bei Werder keinen Stammplatz erkämpfen, sodass ihn Mainz in der darauffolgenden Winterpause fix verpflichtete. Bei den Mainzern ging ihm der Knopf auf und er traf 13 Mal in 15 Spielen, sodass sich der Hamburger SV im Sommer die Dienste des Angreifers sicherte. Nach einer enttäuschenden Saison, die von Verletzungen geprägt war, schnappte sich Borussia Dortmund den Ägypter. Jürgen Klopp kannte den Stürmer als Ex-Mainz-Trainer gut und hielt große Stücke auf ihn. Zidan kam in dreieinhalb Jahren auf 66 Einsätze und 13 Tore. Dass es nicht zu mehr Einsätzen reichte, lag unter anderem auch an einem Kreuzbandriss, der ihn mehr als sieben Monate außer Gefecht setzte. Anfang 2012 wechselte er noch zum 1. FSV Mainz zurück und obwohl er sieben Tore in zwölf Spielen erzielte, wurde sein Vertrag nicht verlängert, da es zu Meinungsverschiedenheiten zwischen ihm und Thomas Tuchel kam. Er unterschrieb stattdessen einen Zweijahresvertrag beim Baniyas SC in den Vereinigten Arabischen Emiraten, beendete seine Karriere jedoch Anfang dieses Jahres mit nur 31 Jahren.

Liebe und Hass

Mohamed Zidan absolvierte insgesamt 41 Länderspiele für sein Heimatland und erzielte dabei elf Tore. Wichtiger als die Treffer waren jedoch seine beiden Assists, mit denen er die beiden einzigen Tore in den Finalspielen des Afrika-Cups in den Jahren 2008 und 2010 vorbereitete. Der Stürmer wurde auch aufgrund seiner trickreichen und spektakulären Spielweise in seinem Heimatland lange Zeit vergöttert und galt als einer der größten Stars in seinem Land. Diesen Status nutzte er aus, indem er unter seinem Markenzeichen “Z9“ beispielsweise ein Gourmet-Restaurant in Kairo gründete und sich als Unternehmer versuchte.

Diese ihm entgegengebrachte Liebe schlug jedoch zuletzt um, da ihm viele vorwarfen, dass er nach dem Massaker in seiner Heimatstadt Port Said, als beim Fußballspiel zwischen Al-Ahly Kairo und Al Masry nach Ausschreitungen 70 Menschen starben und mehr als 1000 verletzt wurden, auf seine Wurzeln vergaß. Ihm wurde vorgeworfen, dass er sich nicht um die Menschen seiner Heimatstadt kümmerte und nach seinen Treffern in der Bundesliga ausgelassen jubelte. Weiters nehmen es ihm viele Fußballfans in seiner Heimat übel, dass er ein nahes Verhältnis zum mittlerweile gestürzten Staatspräsidenten Husni Mubarak pflegte, den er laut eigenen Angaben sehr respektiert.

Zidans Charakter und das Gerichtsverfahren

Mohamed Zidan gilt als eigenwilliger Spaßvogel, als sympathischer Chaot, der eine große Liebe zu schnellen Autos hat. Mainz Manager Christian Heidel sagte in einem Interview, dass es schon einmal vorkommen kann, dass Zidan in die Stadt fährt, um eine Hose zu kaufen, dann aber mit einem neuen Auto zurückkehrt. Der Stürmer meinte, dass er nach der Geburt seines Sohnes Adam ruhiger und verantwortungsbewusster wurde.

Gestern verurteilte ihn ein ägyptisches Gericht in Abwesenheit wegen Scheckbetrugs zu sechs Jahren Haft. Der Stürmer soll beim Kauf von Immobilien dem Unternehmen Arab Company for Projects and Urban Development gefälschte Schecks ausgestellt haben, worauf ihn die Immobiliengesellschaft verklagte. Der Angreifer befindet sich momentan nicht in Ägypten und sein Aufenthaltsort gilt als ungewiss. Ob es sich hierbei um einen berechtigten Vorwurf handelt, oder ob ihm nun die Nähe zur Familie Mubarak zum Verhängnis wird, ist von außen nur schwer zu beurteilen. Im Juli 2012 besuchte der ehemalige Nationalheld jedenfalls seinen Freund Alaa Mubarak, Husnis Sohn,  im Gefängnis.

Stefan Karger, www.abseits.at

Stefan Karger

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