Mit einem weiteren Sieg qualifizieren sich die Deutschen für das Viertelfinale. Die Löw-Elf zeigte eine gute Leistung, tat sich aber durchaus schwer gegen die... Dänemark verpasst große Überraschung – Deutschland steigt nach 2:1-Sieg ins Viertelfinale auf

Mit einem weiteren Sieg qualifizieren sich die Deutschen für das Viertelfinale. Die Löw-Elf zeigte eine gute Leistung, tat sich aber durchaus schwer gegen die Dänen, welche beinahe die Überraschung geschafft hätten. Nach dem zwischenzeitlichen Führungstreffer durch Podolski konnten die Dänen kurze Zeit später zurückschlagen und glichen aus.

Im weiteren Spielverlauf hatten sie noch einige wenige gute Chancen, konnten jedoch nicht mehr den benötigten Führungstreffer erzielen. Stattdessen trafen die Deutschen durch Bender zum 2:1, was letztlich den Schlusspunkt dieser Partie markierte. Dänemark schaffte die Überraschung dieser Gruppe, ein Weiterkommen gegen die drei großen Gegner, nicht und muss vorzeitig nach Hause fahren.

Deutschlands Spielweise – eine Abkehr vom Erfolgssystem?

Im Gegensatz zu sonst zeigte sich die DFB-Elf im letzten Spielfelddrittel weniger breit und agierte selbst für ihre Verhältnisse flexibel. Sogar Podolski verließ seine angestammte Position auf der linken Außenbahn und ging einige Male in eine zentralere Halbposition oder passte sich an die Läufe von Müller und Gomez an. Damit wollten sie gegen die erwartet tiefe Ausrichtung der Dänen vorgehen, die nötige Breite sollten stattdessen die Außenverteidiger ins Spiel bringen.

Dies gelang jedoch nicht konstant, denn Lahm zog wie allseits bekannt zu gerne Richtung Mitte, während Bender sich bei seinen Offensivausflügel noch etwas unsicher zeigte. Ihm fehlen die Abstimmung und die Erfahrungswerte für ein Bespielen dieser Position auf höchstem Niveau. Sein Tor zum 2:1 war ein Ausbruch aus diesem Korsett, welches in dieser Partie teilweise zu eng schien. Allerdings zeigte er durchaus Potenzial zum Agieren als Außenverteidiger, was aufgrund vieler Faktoren eine Option für die Zukunft sein könnte.

Defensiver Mittelfeldspieler und Außenverteidiger – die modernen Positionen

Sie gelten als die zwei wichtigsten Positionen im „modernen Fußball“: der Außenverteidiger und der Sechser. Für viele sind sie jedoch nicht nur spielentscheidend, sondern in ihrer Ausführung sehr ähnlich. Ob Schweinsteiger oder Khedira, beide haben bereits als Außenverteidiger in ihren Vereinen ausgeholfen. Auch David Alaba ist eigentlich ein gelernter Sechser, der nun – und das sogar hervorragend – als Außenverteidiger spielt. In diesem Match war es Bender, der sich auf einer neuen Position beweisen musste. Bei näherer Betrachtung erkennt man aber auch, wieso sich Löw auf dieses Experiment einließ.

Bender besitzt das technische und körperliche Rüstzeug, um sein Spiel auf der Sechs auf die Seite verlagern zu können. Er ist solide im Passspiel und kann sich auch im Spielaufbau als sichere Passoption anbieten, dank seiner ungeheuren Laufstärke (teilweise über 13 Kilometer pro Partie in der deutschen Bundesliga) kann er auch die gesamte Außenbahn beackern. Mit dem Routinier Lahm auf der anderen Seite wollte Löw wohl diese Fähigkeiten nutzen, um kürzere Passwege im Zentrum zutage zu bringen, was einige Male sehr schön gelang, allerdings verteidigten die Dänen durchaus gut. Sie versperrten die Schnittstellen und organisierten sich sehr diszipliniert, womit Bender manchmal nicht klar kam.

Auch dies erklärt sich bei genauer Überlegung: während die Vorstöße des Außenverteidigers wie auch auf der Sechs gut überlegt und getimt werden müssen, so hat der Sechser deutlich mehr Passoptionen und gerät gegen eine tiefe Mannschaft, die ein Abwehr- oder tiefes Mittelfeldpressing praktiziert seltener unter Druck, kann das Spiel in beide Richtungen bei mehr Zeit aufbauen. Die Außenverteidiger hingegen werden oftmals in eine mannorientierte Deckung genommen, was dank der Außenlinie gut funktioniert. Im Zweifelsfall reicht ein leichtes Spitzeln des Balles, um einen Einwurf zu erhalten. Da Bender ohnehin eher einer der defensiveren Sechser ist, lässt er sich durch solche Probleme in seinem Vorwärtstrieb schnell einschränken, anders als Lahm. Mit etwas Übung und Schulung könnte er dennoch für die Zukunft eine Waffe auf dieser Position werden.

Das dänische System – Vorbild Portugal?

Die Olsen-Bande begann in einem 4-1-4-1-System. Die Idee dahinter war das Versperren von Passoptionen im Mittelfeld, ein Wechsel zwischen Abwehr-, Mittelfeld- und gar vereinzeltem Angriffspressing. Dadurch wollten sie die deutsche Elf bei technischen Mängeln sofort vor große Probleme stellen, was aber nur in Teilen funktionierte. Beim Abwehrpressing hatten die Deutschen dank ihrer Rochaden und der flexiblen Spielweise einige Vorteile und konnten sich einfacher daraus entwinden. Im Mittelfeld hatten die Spieler mit Hummels und Badstuber zwei extrem ballstarke Spieler als sichere Anspieloptionen hinter sich und jene konnten unter Druck auf den sehr aggressiv agierenden Neuer spielen.

Immer wieder war zu beobachten, wie Pressingwellen der Skandinavier sofort der Wind aus den Segeln genommen wurden und sie sich bereits beim Beginn, dem Anlaufen, wieder zurück auf ihre ursprünglichen Positionen begeben mussten. Auf Neuer zu pressen hatte selten einen Sinn und wurde nur einmal gefährlich, als der deutsche Torhüter mit einer schönen Körpertäuschung den Ball am gegnerischen Stürmer vorbeischob und dann das Foul bekam – gute 15 Meter vor dem eigenen Sechzehner. In diesem Fall klappte das Pressing beinahe, was an der extrem breiten Stellung der Innenverteidiger lag. Allerdings war diese unüblich und kam in dieser Partie nur vereinzelt vor, was letztlich ein Mitgrund war, wieso es die Dänen so schwer hatten. Portugal hatte im ersten Spiel mehr Erfolg gehabt, weil die Deutschen starrer agierten. Sie konnten sich bei ihrem Pressing einfacher auf die Zuteilungen des Gegners verlassen, da diese nicht aufgelöst wurden. Darum spielte auch Veloso eine hervorragende Partie, denn er konnte dank des festen Gebildes der Deutschen viele Pässe antizipieren und unterbrechen. Kvist bei den Dänen auf der gleichen Position als alleinige Sechs tat sich hierbei deutlich schwerer, es war um ihn und hinter ihm einfach zu viel Bewegung, was dafür sorgte, dass er mit der Doppelacht vor sich zu oft auf einer Linie agierte, statt als Mittelfeldlibero dahinter.

Alles in allem hatten die Dänen einige taktische Ideen, die aber nicht voll aufgingen. Dennoch zeigten sie eine gute Partie und generell ein für viele überraschend starkes Turnier, in welchem sie in der Gruppe noch klar vor Vizeweltmeister Niederlande kamen. Gegen Turnierfavorit Deutschland zeigten sie ebenso eine respektable Leistung und dürften insgesamt mit stolzer Brust nach Hause fahren. Für die DFB-Elf heißt es nun gegen Griechenland einen weiteren Erfolg zu verbuchen.

René Maric, www.abseits.at

Rene Maric

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