Was bringt Menschen dazu, bestimmte Marken anderen vorzuziehen? Ist diese Hinwendung echt oder ist sie uns durch Werbung auferlegt? Eine finale Antwort hierauf zu... Markensponsoring in der Premier League. Wissen Sie, wer Ihr Lieblings-Team unterstützt?

Was bringt Menschen dazu, bestimmte Marken anderen vorzuziehen? Ist diese Hinwendung echt oder ist sie uns durch Werbung auferlegt? Eine finale Antwort hierauf zu finden ist nicht einfach: Aber ja, wir ziehen wirklich einige Unternehmen anderen vor, weil diese mit uns Visionen teilen. Was geschieht aber, wenn sie dies nicht tun? Dann versuchen die Firmen ihr Bestes, dass wir deren Marken und Produkte auf jeden Fall im Gedächtnis behalten.
Fußball-Sponsoring ist ein anerkannt guter Weg, um die Popularität einer betreffenden Marke zu steigern. Denn die Spieler müssen Dressen auf dem Spielfeld tragen und benötigen spezielle Ausrüstungen zum Spielen. Und genau hier kommt das Markensponsoring ins Spiel. Wissen Sie noch, welcher Markenname auf dem Shirt Ihres Lieblingsfußballers in der Premier League steht? Lassen Sie uns das überprüfen, und schauen wir, ob Sie sich erinnern können.

Die Ausrüstungs-Sponsoren

Die Ausrüstungssponsoren sind Firmen, die die Fußballer sprichwörtlich anziehen. Jedes Stück Tuch, das Sie auf einem Spieler sehen, wird von einer bestimmten Sportbekleidungsfirma hergestellt. Für die Saison 2018-2019 gibt es in Summe 6 Ausrüster-Sponsoren in der Premier League: Adidas (30%), Nike (20%), Umbro (20%), Puma (20%), Under Armour (5%) und New Balance (5%).

Bemerkenswert ist die Tatsache, dass die Anzahl der Ausrüster-Sponsoren abnimmt. In der vergangenen Saison haben wir noch 8 Marken in der Premier League gezählt, und in der Saison 2016/2017 gab es sogar noch 10 Unternehmen, die Englands Top-Fußballern ihre Dressen lieferten.

Wenn es um die Mannschaften geht, die um die Meisterschale mitspielen, so werden drei Teams – Manchester City, Chelsea und Tottenham – von „Nike“ gesponsert. Manchester United vertraut „Adidas“ als Ausstatter, die Spieler von Liverpool tragen „Under Armour“ und Arsenal setzt weiter auf „Puma“. „Puma“ war noch in der letzten Saison der führende Ausrüstungs-Ausstatter der Premier-League.

Die Shirt-Sponsoren

Wenn Ihr Lieblings-Team in der letzten Saison außerhalb der Top-6 war, so werden Sie wahrscheinlich das Logo einer Glücksspielfirma auf den Shirts seiner Spieler gesehen haben. 9 von 20 Teams – (das sind 45%) – werden von den Vertretern der Glückspielbranche gesponsert, 20% von Unternehmen aus dem Finanzsektor und weitere 20% von Automobilmarken und Fluggesellschaften.

Die Topteams der englischen Eliteliga neigen jedoch dazu, keine Glücksspielfirma als Sponsor ihres Shirts zu wählen. Die aktuelle Nummer 1 in der Premier League, Manchester City, unterzeichnete einen Vertrag mit Etihad Airways, UAE Airlines. Arsenal geht den gleichen Weg- sie setzen ihre langjährige Zusammenarbeit mit Emirates fort. Sowohl Chelsea als auch Manchester United tragen Trikots mit Logos aus der Automobilindustrie – „Yokohama Tyres“ und „Chevrolet“. Und Tottenham und Liverpool haben sich für Finanzunternehmen als Shirt-Sponsor entschieden – „AIA“ bzw. „Standard Chartered“.

Der Grund, warum Glücksspielmarken bei den führenden Team der Liga nicht gefragt und beliebt sind, liegt vor allem in der Tatsache, dass diese Teams eine breites Spektrum an unterschiedlichen Auswahlmöglichkeiten an Sponsoren haben, mit denen sie zusammengearbeitet können. Die nicht so privilegierten Teams der Premier League haben hier weniger Auswahlmöglichkeiten. Also wenden sie sich notgedrungen an unterschiedliche Glücksspielunternehmen, die bereit sind, mehr zu zahlen als Marken außerhalb der Glückspielindustrie. Die wachsende Zahl des Sponsorings durch Glücksspielfirmen kann der Meinung von Behörden und Regierungsstellen jedoch unserer Gesellschaft schaden.

Behörden und die Politik haben auf Grund des dominierenden Einflusses der Glückspiel-Sponsoren große Bedenken und schlagen Alarm

Die Vertreter der Labour-Regierung betrachten Glücksspielpatenschaften als Bedrohung für die britische Gesellschaft. Den einzigen veritablen Ausweg, den sie daher sehen, ist das Verbot oder zumindest die Verringerung des Anteils der Glücksspielunternehmen, die die Mannschaften der Premier League sponsern. „Der Fußball muss seinen Teil dazu beitragen, Großbritanniens versteckte Epidemie der Spielsucht anzugehen“, sagt deren stellvertretende Vorsitzende Tom Watson.

Wir sind uns einig: Es ist schwer, der Versuchung zu widerstehen, sein Glück im Spiel zu versuchen, wenn die Glücksspielunternehmen uns fast überall mit Werbung zupflastern: überall treffen wir auf sie – im Fußballstadion, auf der Straße, in Printmedien, im TV und im Internet. Und wenn die riesigen Werbetafeln im Stadion und die Logos auf den Trikots der Fußballspieler ihre „schwere Artillerie“ sind, so gibt es noch mehr verborgene Marketingwaffen, mit denen die Unternehmen unsere Aufmerksamkeit erregen wollen.

Casino-Willkommens-Boni können hier als ein gutes Beispiel dienen: Auf der einen Seite scheint es, dass Casinos Ihnen so mir nichts dir nichts Geld kostenlos zu Gute kommen lassen wollen. „Alles, was Sie hierfür machen müssen, ist sich auf unserer Website registrieren und Ihre erste (in der Regel kleine) Einzahlung zu tätigen“ – so verkünden zuckersüß die Casinos. Aber Casinos nutzen dieses Werbemittel ausschließlich dazu, um noch mehr Kunden anzuwerben: Sie, als Kunde, können ihr einbezahltes Geld nach der Anmeldung nicht sofort abheben, denn zuerst müssen Sie die vom betreffenden Casino vorgegebenen Wettanforderungen erfüllen. Und das ist gar nicht so einfach. Sie müssen eine bestimmte Anzahl von Einsätzen platzieren, was statistisch gesehen zu einem Verlust Ihrer gesamten Bonusgelder führt. Ein dadurch getäuschter Spieler wird immer mehr und mehr spielen und einzahlen, um seine verlorenen Gelder zurück zu bekommen, aber normalerweise beginnt er oder sie nur sein eigenes Geld zu verlieren.

Deshalb werden die Behörden und die Politik versuchen, ihr Möglichstes zu tun, um die noch weitere Verbreitung der Spielsucht zu unterbinden. Wer weiß, wahrscheinlich wird die nächste Saison in der Premier League die erste sein, in der der Prozentsatz des Glücksspielsponsoring der unterschiedlichen Mannschaften zurückgehen wird.
Ärmel-Sponsoring
Diese Art von Sponsoring stellen ein Novum für die Premier League dar: Den Teams der Liga wurde es erst in der vergangenen Saison erlaubt, Logos auf den Ärmeln der Spieler zu platzieren. Aus diesem Grund haben Burnley, Newcastle und Tottenham noch keine Verträge mit Sponsoren abgeschlossen.

Bei dieser Form von Werbung treffen wir Sponsoren aus den unterschiedlichsten Branchen an, aber am weitesten verbreitet sind Finanzunternehmen, die einen Anteil von 23% bei dieser Art von Ärmelsponsoring verzeichnen. Die zweitwichtigsten Werbeträger sind die Spiel- und Glücksspielmarken – sie sponsern 3 Teams (17%). Übrigens, Manchester United und Chelsea haben in dieser Saison Automobillogos angebracht, während die Sponsoren von Manchester City und Arsenal aus den Bereichen Produktion, Gastgewerbe und Tourismus kommen.

Die Gelder, die diese Unternehmen ins Sponsoring stecken, tragen auch maßgeblich zur Entwicklung der Premier League bei. Aber vergessen wir nicht, dass diese Firmen auch riesige Gewinne aus dieser Zusammenarbeit ziehen, und dabei geht es nicht nur alleine ums liebe Geld. Es gibt viele Leute auf der Welt, die Nike Turnschuhe kaufen wollten, nur weil Wayne Rooney sie getragen hat. Die andere Gruppe von Fußballfans wusste nichts von Fluglinien wie Emirates Airlines, bevor sie sich ein Spiel von Arsenal sahen.

Wenn Sie sich vorstellen, wie viele Menschen mindestens einmal in ihrem Leben Fußball gesehen haben, so wird uns klar, wie stark dieses Markensponsoring unser Unterbewusstsein beeinflussen kann. So funktioniert Werbung für Marken – manchmal viel besser als andere Arten der Beeinflussung. Wir sind uns dessen eigentlich gar nicht bewusst, aber genau das ist die Vorgehensweise des Markensponsorings, damit wir deren Produkte lieben und sich für sie entscheiden.

Erwin Novotny