Echte Admiraner wissen, dass die heute in Maria Enzersdorf Beheimateten einst als 1. Groß-Floridsdorfer SK Admira im 21. Wiener Gemeindebezirk aus der Taufe gehoben... Anekdote zum Sonntag (42) – König, Chevalier und eine bissige Angelegenheit

Admira Wacker Mödling Wappen_abseits.atEchte Admiraner wissen, dass die heute in Maria Enzersdorf Beheimateten einst als 1. Groß-Floridsdorfer SK Admira im 21. Wiener Gemeindebezirk aus der Taufe gehoben wurden. Schon bei seiner Gründung begann für den Klub jene bis heute anhaltende Tradition der Vereinsfusionen, die zuletzt in einem Zusammenschluss von Admira, SC Wacker Wien und dem VfB Mödling mündete. Die Jedleseer Ur-Admira entstand am 17. Oktober 1905 aus den Vereinen „Burschenschaft Einigkeit“ und „SK Vindobona“. Man wählte den Namen eines 1897 gegründeten und nicht mehr existierenden Klubs, der wiederrum nach einem Schiffsdampfer benannt wurde, auf dem einer der Gründerväter einst von Amerika nach Europa gereist war: Admira.

Im Arbeiterbezirk Floridsdorf erlebte die Admira regen Zulauf und konnte sich rasch etablieren. Fast zweiundzwanzig Jahre nach ihrer Gründung feierten die Wiener ihren ersten Meistertitel. Mit dafür verantwortlich zeichnete auch das kongeniale Sturmduo Toni Schall und Adolf Vogl: Schall, an den heute eine kleine Gasse in Stammersdorf – zehn Autominuten vom Ex-Admira-Platz entfernt – erinnert, machte sich als „Chevalier von Floridsdorf“ einen Namen: In der Saison 1927/28 netzte der elegante Wunderteamstürmer 36-mal – im Schnitt also eineinhalb Mal pro Spiel. Schalls Siegerlächeln erinnerte frappant an jenes des französischen Filmstars Maurice Chevalier, sodass er bald nur mit „Chevalier“ angesprochen wurde.

Kollege Adolf Vogl stieß als 15-Jähriger zur Admira und erspielte sich seinerseits den Spitznamen „König“. Selbst als er sich 1930 durch ein Foul schwer am Knie verletzte, galt er im Wunderteam als gesetzt. „Ein kranker Vogl ist mir lieber als ein anderer, der gesund ist.“, huldigte Hugo Meisl dem Angreifer. Auch dessen Stammverein war – laut Meisl – nicht nur sportlich sondern auch moralisch den anderen überlegen: „Weil der Sportklub Admira den nicht hoch genug einzuschätzenden Beweis erbracht hat, dass in unserem meistverbreiteten Sport alle Wettbewerbe ohne Groll und Gehässigkeit, vielmehr auf die vorbildlich korrekteste Weise durchgeführt werden können, dafür muss man der Leistung und der Mannschaft der Admira dankbar sein.“

1933 feierten die Admiraner bereits das dritte Double der Vereinsgeschichte als sie im Cupfinale Rapid Wien mit 8:0 nach Hütteldorf zurückschickten. Die Zeit war gekommen auch auf internationaler Ebene Lorbeeren zu ernten: Die erste Hürde des Mitropacups hieß AC Neapel, die heutige SSC Neapel. Den „Azzurri“ war damals noch mäßiger Erfolg beschieden, folglich witterten die Jedleseer ihre Chance. Ein 0:0 im Hinspiel in Wien schaffte zwar keine optimale Ausgangslage für das Match in Neapel, doch im Rückspiel konnten die Österreicher durch beherzten Kampfin der 81. Minute den rettenden 2:2-Ausgleich erzielen. Dem Remis lagen aus Wiener Sicht zwei genutzte Tormöglichkeiten zu Grunde. Durspekt, ein Offensivspieler auf links, machte das wahrscheinlich beste Spiel in seiner Zeit in Wien und leitete beide Tore ein.

Da eine Auswärtstor-Regel noch nicht bekannt war, wurde ein Entscheidungsspiel angesetzt: Die Mannschaften sollten im neutralen Zürich gegeneinander antreten. Dort gelang den Wienern schon in der ersten Minute das wichtige Führungstor durch Vogl. Napoli hielt wacker dagegen, doch in Halbzeit Zwei brach ihr Verteidigungswall: Mit vier Toren machten die Admiraner den Sack zu. So mancher Neapolitaner konnte und wollte das nicht hinnehmen: Nach einer Flanke verfehlte Stürmer Vogl den Ball nur knapp und landete umgeben von Freund und Feind bäuchlings im Strafraum. Urplötzlich spürte der Stürmer einen stichartigen Schmerz im Hinterteil. Als er den Kopf wandte, blickte er in die funkelnden Augen eines italienischen Giftzwerges, der im Getümmel kurz die Zähne in Vogls Allerwertesten versenkt hatte.

Am liebsten hätte sich der Verteidiger wohl selbst in den Hintern gebissen, doch Vogls Backen waren näher und auf diese Art konnte er wenigstens ein bisschen Rache üben, da ihm der Floridsdorfer an diesem Tag zumeist einen Schritt voraus war. Vogl ließ die Angelegenheit auf sich beruhen, erklärte später nur cool: „Das einzig Brutale, das ich erlebt habe, war der Spieler von Napoli, der mir in den Hintern gebissen hat.“ Die wahre Brutalität erlebten die Wiener erst im Finale, als sie gegen Bologna 5:1 untergingen. Nach einem 3:2-Hinspielsieg in Wien waren sie mit berechtigten Hoffnungen zum Rückspiel angereist, doch ihre Kräfte waren erschöpft und so mussten sie knapp vor dem Ziel den Traum von Mitropacupsieg aufgeben.

Marie Samstag, abseits.at

Marie Samstag

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