Die Wiener Austria hat eine ausführliche Frischzellenkur hinter sich. Barazite und Junuzovic gingen, Simkovic, Kienast und Kardum kamen. Dazu kam mit Ivo Vastic ein... Alles neu macht der Frühling – Austrias tückische Gefahren

Die Wiener Austria hat eine ausführliche Frischzellenkur hinter sich. Barazite und Junuzovic gingen, Simkovic, Kienast und Kardum kamen. Dazu kam mit Ivo Vastic ein neuer Trainer – er löste Karl Daxbacher ab. Eine gefährliche Situation. abseits.at nennt vier Gefahren, mit denen die Austria zum Rückrundenstart zurechtkommen muss.

 

1. Ein neuer Steuermann

Mit Ivica Vastic wurde kurz vor Weihnachten überraschend ein neuer Coach in Favoriten vorgestellt. Kurz zuvor wurde Karl Daxbacher nach elf Spielen ohne Sieg nach mehr als zwei Jahren Amtszeit als violetter Coach entlassen. Durch die Bestellung von Vastic als neuem Übungsleiter ging die Austria jedoch auch Risiken ein. Der ehemalige Nationalspieler bringt zwar frischen Wind, die Mannschaft muss sich jedoch auch erst an ihren neuen Chef gewöhnen. Vastic scheint nicht nur auf ein anderes System als Daxbacher zu setzen, sondern pflegt auch abseits des Platzes eine andere Philosophie als sein Vorgänger. Während Daxbacher wenig wechselte, sich stets per Sie anreden ließ und immer eine dezente Distanz zu seinen Schützlingen einhielt, stellt Vastic mehr den Kumpeltyp dar. Wie ihn die Spieler nennen, ist Vastic egal, die Hauptsache ist, „dass der nötige Respekt da ist.“ Auch taktisch scheint sich die Austria etwas zu verändern. Vastic sagte bereits, dass er sich auch ein System mit zwei echten Spitzen vorstellen kann, unter Daxbacher war das 4-2-3-1 meist ein unumstößlicher Teil des taktischen Korsetts. Insgesamt will Vastic seiner Mannschaft etwas mehr Freiheiten im Spiel geben, als Daxbacher dies getan hat. Die Frage wird sein, wie schnell Trainer und Mannschaft zueinander finden und Vastic seine Ideen und seine Philosophie an die Spieler weitergeben kann. Die Neubesetzung des Trainerpostens kann sich durch den frischen Wind, der zweifellos durch den gesamten Verein bläst, im Nachhinein als goldrichtige Entscheidung erweisen – auf der anderen Seite könnte gerade dies der entscheidende Nachteil der Austria gegenüber den anderen Titelkandidaten sein. Denn Sturm, Salzburg und Rapid verfügen über Trainer, die ihrer Mannschaft ihre Idee von modernem Fußball bereits ausführlich näherbringen konnten.

2. Die Abgänge

34 Tore erzielte die Austria in der Hinrunde – an unglaublichen 26 davon waren Zlatko Junuzovic und/oder Nacer Barazite beteiligt. Damit hatte bei 76% aller erzielten Austria-Tore mindestens einer der beiden Winterabgänge der Veilchen seine Füße im Spiel. Auch wenn viel Geld für die beiden Offensivgeister eingenommen wurde – am Platz könnte man sie noch schmerzlich vermissen. Es wurde zwar Ersatz geholt, ob die Neueinkäufe jedoch ähnliche Leistungsdaten wie die beiden Abkömmlinge aufweisen werden, bleibt ungewiss. Durch den Abgang der beiden Edeltechniker verliert man nicht nur eine geballte Ladung an Kreativität und Torriecher, sondern muss auch sein System umstellen. Junuzovic und Barazite standen für das feine Kurzpassspiel, mit dessen Beherrschung in absoluter Perfektion der große FC Barcelona Woche für Woche die Fans weltweit begeistert. Der Fußball der Austria war nicht nur erfolgreich, sondern er war auch schön. Eine attraktive Mischung und zugleich große Fußstapfen, welche die beiden Youngsters in Favoriten hinterließen. Mit Pascal Grünwald fällt dazu einer der beiden Stammtorhüter lange aus.

3. Die Zugänge

Ob Tomas Simkovic, Roman Kienast und Ivan Kardum die zuvor angesprochenen Abgänge ersetzen können, steht in den Sternen. Jedoch zeigt sich bereits jetzt ein Trend. Ivo Vastic wird sein System schlagartig ändern müssen. Mit Barazite verließ ein spielender Stürmer die Austria, der sich auch oft etwas fallen ließ und als hängende Spitze agierte oder auf die Flügel auswich. Mit Roman Kienast kam allerdings ein ganz anderer Spielertyp als Ersatz zur Austria, wodurch die Violetten in ihrer Spielanlage etwas beschränkt werden. Die Schlüsselfigur könnte Thomas Jun heißen. Denn Jun ist der einzige im Kader verbliebene Stürmer, der auch als hängende Spitze aus der Etappe kommen und dort für Akzente setzen kann. Kienast, Linz und Tadic ähneln sich zu sehr und stehen alle drei eher für den klassischen Strafraumstürmer, der seine Stärken „in der Box“ hat. Mit dem verletzungsanfälligen Jun ist somit das Risiko gegeben, dass die Austria plötzlich mit drei Strafraumstürmern, aber keinem echten Verbindungsglied zwischen Mittelfeld und Angriff dasteht. Ein Name, der seit dem Sommer durch Favoriten geistert, hätte dies möglicherweise ändern können – für Dare Vrsic verlangte Olympia Laibach allerdings Summen, die die Austria nicht zu zahlen bereit war. Im Sommer soll es einen neuen Versuch geben, den Slowenen nach Wien zu lotsen. Mit Ivan Kardum reagierte man auf die Verletzung von Pascal Grünwald. Was der Kroate wirklich kann, wird sich zeigen, einen Nachteil hat die Verpflichtung aber bereits jetzt schon. Kardum spricht kein Deutsch, was die Kommunikation mit der rein österreichischen Abwehr mit Suttner, Ortlechner, Margreitter und Klein deutlich erschwert. Spielt ein Torhüter bereits jahrelang mit einer Abwehr zusammen, rückt diese Problematik in den Hintergrund. Dadurch, dass Kardum aber erst vor einigen Tagen zur Mannschaft stieß, wäre sein Einsatz in der ersten Partie ein nicht zu unterschätzendes Risiko.

4. Das Programm

Viel Zeit haben Mannschaft und Trainer jedenfalls nicht, um sich einzugewöhnen. Für die Austria könnten die ersten Runden im Frühjahr bereits vorentscheidenden Charakter haben. Während auf die Konkurrenz durch die Bank lösbare Aufgaben zum Rückrundenstart warten, muss die Austria bereits im ersten Spiel Vollgas geben. Tabellenführer Rapid muss nach Wiener Neustadt, wo man auf den in Hütteldorf in Ungnade gefallenen Christoph Saurer trifft, Sturm empfängt den SV Mattersburg, Salzburg kämpft im Westderby auswärts gegen Wacker Innsbruck um drei Punkte. Die Austria empfängt im eigenen Stadion die SV Ried. Zwei Fakten sprechen dabei gegen die Austria. Einerseits zeigt die Formkurve der Veilchen im eigenen Stadion steil nach unten. War die Generali-Arena in den vergangenen Jahren noch eine praktisch uneinnehmbare Festung, so gewann man heuer nur vier von neun Heimpartien. Auf der anderen Seite führt Ried die Auswärtstabelle an. Rasant geht’s für die Austria weiter: am 18. Februar muss man beim Derby zum verhassten Erzrivalen aus Hütteldorf. Verliert die Austria beide Partien, ist der Meistertitel bereits in weite Ferne gerückt. In der 22. Runde empfangen Vastic & Co. das Schlusslicht aus Kapfenberg, das im Winter mächtig aufgerüstet hat.

Archimedes, www.abseits.at

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