Am Ende ging alles ganz schnell – Ivica Vastic ersetzte kurz vor Weihnachten Karl Daxbacher am violetten Trainerstuhl. War der Meistertitel in der Saison... Fehlender Achter, Trainerrochade und die Suche nach der letzten Konsequenz – die wechselhafte Herbstsaison des FK Austria Wien

Am Ende ging alles ganz schnell – Ivica Vastic ersetzte kurz vor Weihnachten Karl Daxbacher am violetten Trainerstuhl. War der Meistertitel in der Saison 2010/11 noch zum Greifen nahe, stürzte die Austria im Herbst des vergangenen Jahres gemessen an den Erwartungen ziemlich ab. Doch wie kam es dazu?

Moderate Transferpolitik

Bei den Abgängen verschätzte sich „Pate“ Thomas Parits schon des Öfteren. Diesmal machte er scheinbar fast alles richtig. Mit Fernando Troyansky (Wiener Neustadt), Petr Vorisek (SCR Altach) und Szabolcs Safar (Wacker Innsbruck) wurden ältere Spieler aussortiert. Robert Almer wollte nicht mehr in Favoriten warten, vielleicht einmal Stammgoalie zu werden und setzte sich lieber bei Fortuna Düsseldorf auf die Bank. Schumacher wechselte in die Ukraine zu Volyn Lutsk und Andreas Tiffner auf Leihbasis zum First Vienna FC. Niklas Hoheneder ging zum Karlsruher SC. Der Königstransfer war jener von Julian Baumkgartlinger zum FSV Mainz 05 – angesichts seiner starken Leistungen war es nur eine Frage der Zeit, bis der bei 1860 München ausgebildete Mittelfeldspieler nach Deutschland zurückkehren würde.

Über den Sommer verteilt wurde nach und nach am Kader gebastelt. Kaja Rogulj kam von Slaven Belupo Koprivnica aus der ersten kroatischen Liga. Dazu wurde als Backup in der Innenverteidigung Remo Mally von den Austria Amateuren hochgezogen. Vom Zweitteam kam auch Günther Arnberger als weiterer Ersatzmann für Neuzugang Pascal Grünwald von Wacker Innsbruck, auch um Druck auf den manchmal fahrigen Heinz Lindner auszuüben. Florian Mader übersiedelte spät von Ried an den Verteilerkreis, um die Lücke, die Julian Baumgartlinger im zentralen Mittelfeld hinterließ, zu schließen. Des Weiteren wurde Alexander Grünwald von Wiener Neustadt als Allzweckwaffe im Mittelfeld verpflichtet.

Insgesamt hatten die Verantwortlichen Karl Daxbacher einen der stärksten Kader der letzten Jahre zur Verfügung gestellt. Mit Routinier Roland Linz und Youngster Nacer Barazite verfügte der Kader über zwei Stürmer mit eingebauter Torgarantie, dahinter sollten Jun, Junuzovic und Co. die Fäden ziehen. Mit Mader, Hlinka, Ortlechner und Pascal Grünwald standen genügend routinierte Defensivakteure zur Verfügung. Nach dem verpassten Meistertitel schien so gut wie alles angerichtet, um gemeinsam mit Red Bull Salzburg Meisterschaftsfavorit Nummer eins zu sein.

Ab nach oben im Sommer

Am 14. Juli startete die violette Saison mit einem mühsamen 3:0-Auswärtssieg gegen Rudar Pljevlja. Die Europacup-Saison hat Kollege Ook_PS bereits genau analysiert, weswegen wir mit der 0:2-Niederlage in Salzburg starten. Bereits im Sommer zeigte die Austria zwei Gesichter. Einem späten 2:1-Heimsieg gegen die SV Ried ließen die Wiener ein 0:0 am Innsbrucker Tivoli folgen. Danach folgte ein souveränes 5:0 gegen den Kapfenberger SV mit vier Linz-Toren und ein beeindruckendes 3:0 im Derby gegen den SK Rapid Wien „auswärts“ im Happel-Stadion. Im Heimspiel gegen die Admira ließen sich die Veilchen mit einem 2:4 trotz Führung die Schneid abkaufen.

Auf Europacup-Kurs

Es folgten mehr oder weniger souveräne Wochen. Nach einem 1:1 in Wiener Neustadt konnte der SV Mattersburg dank einer starken Schlussphase mit 4:2 im Pappelstadion geschlagen werden. Gegen die Konkurrenten um die vorderen Plätze, Sturm Graz und Red Bull Salzburg, konnte in den Heimspielen ebenfalls gewonnen werden. Ein umkämpftes Auswärtsspiel in Ried wurde mit 1:2 verloren. Beim Heimderby gegen Rapid stand es am Ende 1:1. Apropos Europacup: Nachdem sich die Konkurrenz in der Liga als hartnäckig erwies, wurden bis 26. Oktober im Cup die unterklassigen Vereine Admira Amateure, SV Allerheiligen und zuletzt am Nationalfeiertag in einer Matinée der SV Reichenau souverän aus dem Bewerb gekickt.

Der Wurm schlich sich ein

In den letzten sieben Runden schlich sich dann der Wurm ein. Nur 2:2 bei kriselnden Kapfenbergern, Heimremis gegen Wacker Innsbruck. Das Auswärts-3:0 gegen die Admira war nur ein Strohfeuer. Gegen die Mannschaften aus der zweiten Tabellenhälfte wurde weiter freudig Unentschieden gespielt – daheim. Sowohl der SC Wiener Neustadt als auch der SV Mattersburg entführten je einen Punkt aus der Generali-Arena. So richtig das Genick brachen den Veilchen und damit auch Trainer Daxbacher die deutlichen Niederlagen in Graz und Salzburg. Die wacklige Defensive ließ gegen Sturm fünf, gegen Red Bull drei Tore zu. Sieben Siege waren den Verantwortlichen zu wenig. Zwar standen diesen nur fünf Niederlagen und von denen nur eine unangenehme gegen die Admira gegenüber, sieben Remis waren aber dann zu viel. Vor allem die drei Heimremis gegen die Nachzügler aus Tirol, Niederösterreich und dem Burgenland waren zu viel. Drei Tage vor Weihnachten wurde Karl Daxbacher durch Amateur-Trainer Ivica Vastic ersetzt.

Taktikanalyse

Karl Daxbacher ist nicht unbedingt der mutigste Trainer. In der Offensive ließ er seine Spieler zumeist von der Leine, in der Defensive suchte er Struktur. Was dem Spiel der Veilchen im Gegensatz sowohl im 4-4-2 als auch im 4-5-1 fehlte, war der „Achter“ Baumgartlinger. Keiner der zentralen Mittelfeldspieler konnte diese Lücke ausreichend füllen. Dass dann noch Verletzungspech dazu kam und Wallner, Dilaver oder Mally statt des starken Margreitter oder des erfahrenen Ortlechner in der Defensivzentrale agieren sollten, war aber noch nicht alles. Auch die Goalies Grünwald und Lindner zeigten Unsicherheiten. Und dass Daxbacher seine Spieler nach einer 1:0-Führung oft zurückbeorderte, trug einiges zu Tabellenplatz vier bei. Die Grundausrichtung mit der straffen und modernen Viererkette stimmte zwar, der Offensive fehlte aber gerade gegen die Nachzügler die Ruhe. Sturm und Salzburg nutzten das in den letzten beiden Runden im Herbst eiskalt aus.

Dass der Trainer kurz vor Weihnachten gehen musste, wurde von vielen Fans lange herbeigesehnt. Zu statisch in der Offensive, wenn kein Raum vorhanden ist, zu unsicher in der Defensive. Ob sich das mit Vastic ändern wird, ist unklar. Der Mittelfeldstratege ließ bei Waidhofen und den Amateuren zumeist ein statisches 4-4-2 spielen. Noch dazu steht es in den Sternen, ob Junuzovic, Linz oder Barazite nicht doch noch im Winter gehen. Dann würde auch die Offensive entscheidend geschwächt werden.

Moment der Hinrunde

Hier sei das 2:2 am 16. Spieltag gegen Wiener Neustadt angeführt. Günter Friesenbichler erzielte in der 93. Minute den Ausgleich für den Nachzügler – und das, obwohl die Veilchen deutlich mehr Ballbesitz hatten und öfters auf Tor geschossen hatten. Wie so oft fehlte es auch hier an der letzten Konsequenz.

Fazit

Drei Startplätze für den Europacup stehen in der Liga bereit, einer im Cup. Gegen die Lustenauer Austria flogen die Veilchen im vergangenen Jahr peinlich aus dem K.O.-Bewerb. In der Liga ist davon auszugehen, dass Red Bull Salzburg wieder weiter vorne landet. Lokalrivale Rapid ist derzeit höher einzustufen, auch die Rieder beeindrucken mit Konstanz. Grundsätzlich spielen auch die Admira und Sturm dynamischer als die Austria unter Daxbacher und – sollte sich nicht plötzlich etwas ändern – unter Vastic. Die Voraussetzungen verbessern sich angesichts des heftigen Werbens aus Bremen um Zlatko Junuzovic sowie der Barazite-Beobachter und des schwierigen Standes von Roland Linz auch nicht unbedingt. Ob unter diesen Voraussetzungen ein Europacup-Startplatz erreicht werden kann, ist noch unklar.

Georg Sander, abseits.at

Georg Sander

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