Im Juli machten sich Sturm Graz, Salzburg, Austria Wien und Ried dazu auf, ein möglichst erfolgreiches Europacupjahr zu beginnen. Etwas mehr als fünf Monate... Österreich im Europacup 2011/12: Austria Wien mit einigen Ausrufezeichen

Im Juli machten sich Sturm Graz, Salzburg, Austria Wien und Ried dazu auf, ein möglichst erfolgreiches Europacupjahr zu beginnen. Etwas mehr als fünf Monate später lässt sich konstatieren, dass dies durchaus gelungen ist und Österreich von diesen vier Vereinen auf internationaler Ebene würdig vertreten wurde. Abseits.at wirft noch einmal einen Blick zurück und beleuchtet das Auftreten der rot-weiß-roten Europacupfighter. Im dritten Teil der Serie steht Austria Wien im Fokus.

Die Wiener Austria ist seit der Saison 2002/03 ständiger Teilnehmer am Europacup, eine derartig lange Serie kann kein anderer österreichischer Verein aufweisen. In dieser Zeit gelang den Veilchen fünf Mal der Sprung in die Gruppenphase des UEFA Cups bzw. der Europa League, wobei das Erreichen des Viertelfinales 2004/05 als größter Erfolg angesehen werden kann. Insofern ist es wenig verwunderlich, dass auch heuer erneut die Qualifikation für die Europa League als Saisonziel ausgegeben wurde.

Rudar ist kein Gegner

Als erster Gegner auf dem Weg dorthin wartete Rudar Pljevlja aus Montenegro, das jedoch über kein UEFA-taugliches Stadion verfügte, so dass die Partie in Niksic ausgetragen werden musste, wo sich bei brütender Sommerhitze immerhin eintausend Zuschauer einfanden. Nach einigen Anlaufschwierigkeiten brachte Nacer Barazite die Austria nach einer guten halben Stunde mit der ersten wirklichen Torchance der Gäste in Führung. Damit waren die Montenegriner gebrochen und abermals Barazite sowie Jun steuerten die weiteren Tore zum 3:0 Sieg bei, der auch noch etwas höher hätte ausfallen können.

Das Rückspiel verkam demnach zu einer Pflichtübung, in der die Montenegriner zu Beginn abermals demonstrierten, dass auch sie über keine allzu schlechten fußballerischen Qualitäten verfügten, jedoch erneut ohne Treffer blieben. Für diese sorgten Barazite direkt vor der Pause und Jun eine Viertelstunde vor dem Abpfiff, so dass die Austria schlussendlich mit einem Gesamtscore von 5:0 in die nächste Runde einzog.

Ljubljana fordert die Austria bis zur allerletzten Minute

Mit Olimpija Ljubljana wartete nun ein Kontrahent, auf den man auch schon in der Qualifikation der Vorsaison hätte treffen können. Damals schieden die Slowenen jedoch gegen Široki Brijeg aus, während sie heuer Revanche an den Bosniern nehmen konnten und da es der Zufall so wollte auf die Austria trafen.

Das Hinspiel wurde größtenteils von den Slowenen, bei denen der Ex-Austrianer Milenko Ačimovič als Sportdirektor fungiert, dominiert, jedoch kam die Austria wenige Minuten vor der Pause nach einem ihrer wenigen Angriffe durch Linz zur Führung. In der zweiten Halbzeit änderte sich am Bild wenig, Olimpija dominierte weiterhin die Partie und erzielte durch Vrsic, an dem auch die Austrianer Interesse zeigten, verdientermaßen den Ausgleich. Bei diesem Spielstand, der für die Wiener durchaus als glücklich zu bezeichnen war, blieb es schlussendlich auch und man konnte mit einer guten Ausgangsposition die Rückreise antreten.

In Favoriten gingen die Gastgeber rasch durch Barazite in Führung und bauten diese durch ein weiteres Tor des Niederländers unmittelbar nach dem Seitenwechsel sogar aus, so dass man vermuten konnte, das Duell sei bereits entschieden. Es kam jedoch anders, nach einer gelb-roten Karte gegen Alexander Grünwald brachten Vrsic und Jovic die Slowenen mittels eines Doppelschlags zurück ins Spiel und virtuell sogar eine Runde weiter. Barazite konnte zwanzig Minuten vor dem Abpfiff per Elfmeter zur erneuten Führung der Austria treffen und da auch die Slowenen einen Mann durch Ausschluss verloren, herrschte wieder numerische Ausgeglichenheit am Spielfeld. In weiterer Folge rettete Pascal Grünwald den Wienern mit einer sehenswerten Parade die Führung, während im Gegenzug Jun und Klein im Konter die Entscheidung versäumten. Somit zitterte sich die Austria wahrhaftig in die nächste Runde, da in der letzten Aktion des Spiels die Slowenen nach einem Eckball noch einmal die Latte trafen.

Zwei sehr unterschiedliche Spiele gegen Gaz Metan Medias

Die letzte Hürde vor der Gruppenphase stellte nun der weitestgehend unbekannte Verein Gaz Metan Medias aus Rumänien dar, der im Vorfeld vor allem für seine defensive Stärke und Gefährlichkeit nach Standardsituationen gelobt worden war. Weiters ließ der Umstand aufhorchen, dass Rumänen in der Runde zuvor niemand geringeren als Mainz 05 aus dem Bewerb befördert hatten.

Im Hinspiel in Favoriten lief zunächst alles nach Plan für die Austria, Linz brachte die Gastgeber bereits nach sieben Minuten in Führung. Die Freude darüber währte jedoch nur kurz, da Breeveld eine abgerissene Flanke unhaltbar für Schlussmann Grünwald ins Tor beförderte, was den Ausgleich bedeutete. Nach einer kurzen Schockstarre wachte die Austria wieder auf und erzielte in der Nachspielzeit der ersten Hälfte durch Barazite die abermalige Führung. Nach rund einer Stunde legte der junge Niederländer einen weiteren Treffer nach herrlichem Sololauf nach und bescherte den Wienern eine recht komfortable Führung. Es war dies bereits Barazites achtes Europacuptor, mehr hatte kein anderer Spieler in der Qualifikation erzielt. Die Austria versäumte es im Anschluss weitere Treffer erzielen, da die Rumänen sich jedoch äußerst bieder und in der Offensive praktisch inexistent zeigten, ging man nicht davon aus, dass sie im Rückspiel noch einmal gefährlich werden könnten.

Dies sollte sich jedoch als Fehleinschätzung herausstellen. In Cluj, wo das Rückspiel mangels eines UEFA-tauglichen Stadions in Medias stattfinden musste, zeigten sich die Rumänen deutlich verbessert, während die Austria nur selten ihre Klasse aufblitzen lassen konnte. Hoban traf demnach nicht unverdient nach vierzig Minuten zur Führung für die Gastgeber und ließ die Austrianer zittern, denn ein weiterer Gegentreffer hätte das Ausscheiden bedeutet. Dazu kam es aber nicht, auch weil die Rumänen aus zahlreichen guten Freistoßmöglichkeiten kein Kapital schlagen konnten. Somit zog die Wiener Austria zum zweiten Mal nach 2009/10 in die Gruppenphase der Europa League ein.

Die in Topf 3 gesetzte Austria bekam es in Gruppe G mit Alkmaar, Metalist Kharkiv sowie Malmö zu tun.

Metalist als zu starker Gegner

Zum Auftakt der Gruppenphase reiste die ukrainische Mannschaft aus Kharkiv nach Wien, wobei es sich bei dieser nach näherer Betrachtung um eine millionenschwere, mit zahlreichen Südamerikanern gespickte Legionärstruppe handelte. Dennoch hatte die Austria zunächst die Vorteile auf ihrer Seite und ging durch Jun nach sieben Minuten in Führung. Davon zeigten sich die Ukrainer jedoch kaum beeindruckt und zogen ein sehenswertes Spiel auf, das man bisweilen noch von kaum einer Gastmannschaft am Verteilerkreis gesehen hatte. Es dauerte knapp eine Stunde, bis ihnen der verdiente Ausgleich durch Gueye gelang, der aber nicht aus dem Spiel heraus, sondern nach einem Eckball fiel. Zehn Minuten vor dem Ende konnte Cleiton das Spiel mittels eines verwandelten Elfmeters endgültig drehen und da die Austrianer nichts mehr entgegenzusetzen hatten, nahmen die Gäste die drei Punkte mit in die Ukraine.

Sieg in Malmö

Nach der Auftaktniederlage stand die Austria in Südschweden gegen Malmö nun bereits unter Erfolgsdruck, wollte man die Aufstiegschancen wahren. Den Wienern sollte schlussendlich die Revanche für das Ausscheiden im Semifinale des Landesmeistercups von 1979 gelingen, Barazite und Grünwald sorgten für die Pausenführung der Gäste. In weiterer Folge kamen die Schweden besser ins Spiel und erarbeiteten sich mehrere Chancen, eine davon verwertete Ranégie zehn Minuten vor dem Ende. Kurioser Höhepunkt des Spiel war der Ausschluss von Alexander Grünwald in der letzten Minute der regulären Spielzeit, da Schiedsrichter Gil der Ansicht war, er habe im Zuge seiner Auswechslung das Spielfeld zu langsam verlassen. Die Schweden konnten in der fünfminütigen Nachspielzeit allerdings keinen weiteren Treffer erzielen, so dass es beim verdienten Auswärtssieg der Austria blieb.

Zweimal 2:2 ergibt zwei Punkte

Nun folgten zwei Spiele gegen Alkmaar, die mehr als nur dramatisch ablaufen sollten. Zunächst gastierte die Austria beim damaligen Tabellenführer der Niederlande, der bisweilen sämtliche Saisonheimspiele für sich entschieden hatte. Nach einem Eigentor von Marcellis sowie einem Treffer von Gorgon lagen die Wiener nach einer halben Stunde sensationell mit 2:0 in Führung, mussten in der Schlussphase der Partie jedoch noch den Ausgleich hinnehmen, den Hlinka per Eigentor sowie Wernbloom besorgten. Dennoch war die Austria die erste Mannschaft, die Alkmaar in der laufenden Saison zuhause einen Punkt abtrotzen konnte.

Das „Rückspiel“ in Wien verlief nach einem ähnlichen Schema, allerdings gingen hier die Niederländer mit einer 2:0 Führung in die Kabine. Elm hatte nach zwanzig Minuten mit einem Handelfmeter die Führung erzielt, die Wernbloom kurz vor der Pause noch ausbaute. Diesmal schlug jedoch die Austria in der zweiten Halbzeit zurück und glich binnen drei Minuten durch Barazite und Ortlechner aus. Da beide Mannschaften in der Schlussphase ihre Möglichkeiten nicht nutzen konnten, blieb es am Ende bei einem verdienten Remis, was bedeutete, dass Alkmaar seit fünfzehn Partien kein Auswärtsspiel im Europacup mehr gewonnen hatte.

Metalist erneut zu stark

Nun stand der schwere Gang in Ukraine auf dem Programm, von dem nahezu erwartungsgemäß keine Punkte mit nachhause genommen werden konnten. Zwar glich Mader die durch Devic erzielte Führung per Kunstschuss aus, danach zeigte sich aber die größere Klasse der Ukrainer, denen auch zahlreiche Unsicherheiten in der violetten Abwehr, wo Petr Hlinka als Innenverteidiger auflief, zupass kamen, so dass die Partie schließlich mit 4:1 endete. Da Alkmaar aber weiterhin auswärts nicht gewinnen konnte und beim bis dato punktelosen Malmö nur zu einem torlosen Remis kam, lebte die kleine Aufstiegschance für die Austria weiter.

Ein schöner Abschluss, aber kein Aufstieg

Im abschließenden Heimspiel gegen Malmö war man auf die Schützenhilfe von Kharkiv in Alkmaar angewiesen, das diese auch bedingt leistete und zu einem 1:1 kam. Nun wäre zeitgleich ein Sieg mit sechs Toren Differenz nötig gewesen, um die Austria doch noch in die nächste Runde zu hieven, wozu es aber nicht kam. In der ersten Halbzeit agierte man zu verhalten gegen bereits lange in der Winterpause befindliche Schweden und trat erst nach dem Wechsel offensiv engagierter auf, was auch in die Tore von Liendl und Barazite mündete, so dass schlussendlich ein 2:0 Sieg zu Buche stand.

Fazit

Damit verabschiedete sich die Austria für diese Saison aus dem Europacup, jedoch nicht ohne in vielen Spielen eine gute Figur abgegeben und wichtige Punkte für ihr und Österreichs UEFA-Ranking gesammelt zu haben.

 

Siege: 6

Unentschieden: 3

Niederlagen: 3

Torverhältnis: 22:17

Bester Torschütze: Nacer Barazite mit elf Treffern

 

OoK_PS, abseits.at