Der holländische Tabellenführer wankte, wankte, wankte und fiel doch nicht zur Gänze hin. Eine Wiener Austria, die mit Konsequenz und Spielwitz überzeugte, ließ im... AZ Alkmaar – Austria Wien 2:2 – Veilchen schrammen knapp an der Sensation beim niederländischen Leader vorbei!

Der holländische Tabellenführer wankte, wankte, wankte und fiel doch nicht zur Gänze hin. Eine Wiener Austria, die mit Konsequenz und Spielwitz überzeugte, ließ im Finish noch zwei Punkte liegen.

Karl Daxbacher packte zwei Monate vor Weihnachten den Tannenbaum aus und ließ vor der Viererkette Klein, Ortlechner, Margreitter und Suttner mit Hlinka, Gorgon und Mader drei zentrale Mittelfeldspieler auflaufen. Allzu defensiv war das nicht, verfügen letztere doch über veritable Spielmacherqualitäten. Davor agierte das Trio infernale der Europa League Junuzovic, Jun und Barazite. Gertjan Verbeek setzte dem komplett unerwartet ein 4-3-3 entgegen.

Alkmaar gewarnt

AZ Alkmaar wirkte gewarnt vor der Wiener Offensivabteilung und begann eher abwartend und überließ den Gästen in den Anfangsminuten etwa gleich viele Spielanteile. Nach fünf Minuten erhöhten die Hausherren aber die Schlagzahl und kamen zu zwei guten Halbchancen. Sattelfest wirkte die Innenverteidigung nicht. Doch die Austria hatte nicht vor, sich zu verstecken und kam nach Foul an Hlinka nach zwölf Minuten zu einer guten Freistoßsituation, von der rechten Flanke versuchte Mader es direkt und ignorierte die Anwesenheit der großen Innenverteidiger im Strafraum.

Erste tolle Szene und das 1:0

Die Austria versteckte sich nicht, es schien ganz danach, dass sich hier zwei Mannschaften auf Augenhöhe begegneten. Dann ging es schnell. Die Gäste erhielten einen Eckball zugesprochen, Junuzovic trat an und wollte den Ball vor das Tor drehen. Das funktionierte so gut, dass gleich zwei Innenverteidiger der Holländer den Ball ins Tor verlängerten. Zu diesem Zeitpunkt war das die etwas glückliche Führung in einem ausgeglichenen Spiel zweier Teams, die mit offenem Visier agierten.

Alkmaar verbissen, Austria effektiv

Alkmaar steckte natürlich nicht auf, Gegentore sind im holländischen Fußball mit einprogrammiert. In der 23. Minute folgte das erste definitive Anklopfen am Kasten von Austria-Schlussmann Grünwald, ein Freistoß aus etwa 25 Metern, ausgeführt von Rasmus Elm strich knapp am Tor vorbei. Wie eigentlich von der Austria nicht anders gewohnt, beorderte Karl Daxbacher sein Team tief in die eigene Hälfte um über schnelle Konter zum Erfolg zu kommen. Die Taktik von Daxbacher führte zum Torerfolg. Mader setzte Barazite ein, der seinen Verteidiger zunächst überlief und dann narrte. Seine Hereingabe setzte Jun noch an den Hintern seines Gegenspielers, Alexander Gorgon verwertete den Abpraller so, als ob es das Normalste der Welt wäre und nicht die erste Saison mit regelmäßigen Profieinsätzen – 2:0 aus Sicht der Wiener!

Selbstvertrauen getankt

Die mitgereisten Austria-Fans waren nach einer halben Stunde bereits in Feierlaune und die elf Männer am Feld wollten mitmachen. So hatte sich Verbeek das Spiel wohl nicht vorgestellt, denn im Gegensatz zu sonstigen Spielen, versuchten die Wiener nachzulegen, fanden noch mehr Räume als es davor schon gegeben hatte. Auf der Gegenseite regierte da Motto „Mit vollen Hosen ist gut stinken“, denn auch wenn Alkmaar das Spiel vor allem über die linke Seite schnell machte, fanden sich immer genug in Violett gekleidete Abnehmer für die Flanken. In Minute 38 setzte dann Barazite wieder einen der viel beschworenen Nadelstiche knapp neben das Tor. Die Austria präsentierte sich bis dahin schlichtweg beeindruckend, immerhin war der Gegner Tabellenführer der Ehrendivise. Erst gegen Ende der ersten Halbzeit wachten die Hausherren auf und die Defensive der Veilchen hatte alle Hände, Füße und sonstige Körperteile voll zu tun, um den komfortablen Vorsprung in die Pause zu bringen. Und trotzdem kam Barazite noch zwei Mal in gute Schusspositionen.

Starke erste Halbzeit

Die Austria spielbestimmend zu nennen, wie es Sky-Kommentator Thomas Trukesitz tat, war übertrieben. Die Veilchen präsentierten sich spielfreudig, zielgerichtet und natürlich eiskalt, aber Alkmaar hatte mehr Spielanteile und wirkte die ganze Zeit so, als ob sie selber noch ein Tor erzielen könnten. Die Frage, die in der Halbzeit zu stellen war, ob die Konzentration in der Defensive ausreichen würde. Immerhin ist das Abwarten nach einem Vorsprung etwas, was bei der Austria in der Vergangenheit schon öfters zu Problemen führte. Noch dazu waren Mader und Hlinka im defensiven Mittelfeld, wenn es schnell ging, auch mal überfordert.

Unverändertes Bild nach der Pause

Beide Teams kamen unverändert aus der Kabine und auch am Bild änderte sich wenig. Alkmaar war weiterhin gefordert und musste mehr nach vorne spielen. Das ergab mehr Raum für den Gegner. Im Grunde genommen war das die perfekte Ausgangslage für die Veilchen, denn um Überzahlsituationen zu schaffen, musste nun fast die gesamte Heimmannschaft Richtung Austria-Strafraum pilgern. In Folge gab es weiterhin das Bild von dem Ende der ersten Halbzeit: Alkmaar spielte, erarbeitete sich (Halb-)Chancen und die Austria konterte. Das Spiel war nun merkbar abgeflacht. Die Veilchen konnten gut das Tempo aus dem Spiel nehmen und AZ wirkte zunehmen ratloser.

Herantasten

In Minute 62 durfte einem holländischen Spielzug mal wieder das Prädikat „zwingend“ verliehen werden, der Kopfball nach einer guten Flanke segelte aber über das Tor. Gegen Mitte der zweiten Halbzeit schafften die Wiener keinen Konter mehr und Alkmaar biss sich um den Sechzehner fest, kam durch Beerens auch zu einer guten Chance, die Grünwald aber entschärfte (68.). Praktisch im Gegenzug hätte es 3:0 stehen können, Jun stand nach einem Eckball aber im Abseits. Augenblicke später gab Poulsen eine Flanke zum Besten, Verbloom setzte den Ball etwas überrascht von der Chance aus zwei Metern übers Tor. Unglück und Glück innerhalb von wenigen Minuten für die Veilchen.

Vermeintliche Befreiung

Verbeek reagierte zum zweiten Mal, brachte mit Jozy Altidore nach Lewis den zweiten frischen Mann. Aber es blieben den ihnen nur noch etwa 18 Minuten plus Nachspielzeit, um hier noch zumindest zwei Tore zu schießen. Doch die Veilchen hatten die Druckperiode scheinbar überstanden, Barazite prüfte mit einem Klasseschuss aus 20 Metern den Keeper. In Minute 79 gab Lewis den Ball scharf zur Mitte und Petr Hlinka drückte den Ball ins eigene Tor. Nun begannen zehn Minuten zittern.

Heißer Tanz in der Schlussphase

AZ witterte Morgenluft und einen oder gar drei Punkte. Nur drei Minuten nach dem Anschlusstreffer traf Wernbloom nach einem Eckball via Innenstange. Wie würden die Veilchen darauf reaieren? Das Publikum peitschte seine Mannschaft nach vorne. Die doch recht spürbare Passivität nach dem 2:0 schien bestraft zu werden. Doch die Wiener wollten sich nicht mit einem Punkt zufrieden geben, versuchten alles, um doch noch zu gewinnen. Vor dem Spiel wäre ein Punkt mehr als OK gewesen. Drei Minuten Nachspielzeit waren angezeigt worden und nach einem Foul und einer folgenden gelb-roten Karte für Moisander musste Alkmaar das Spiel zu Zehnt zu Ende spielen, der Austria half das aber nicht mehr.

Am schönsten sind die Punkte, die nicht zu erwarten sind. Dennoch ist den zwei Punkten nachzuweinen, Alkmaar wird auswärts wohl anders auftreten, noch gewarnter sein vor dieser Austria. Die vier Punkte aus drei Spielen sind zur Halbzeit der Gruppenphase eine gute Ausgangsposition. Das Heimspiel gegen AZ wird richtungsweisend sein, denn noch liegen die Niederländer einen Punkt vor den Österreichern. Gewinnen die Veilchen daheim, könnte sogar ein Pünktchen aus den letzten beiden Partien reichen.

Georg Sander, abseits.at

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen

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