Heute trifft der SK Sturm auswärts im Ernst Happel Stadion auf den SK Rapid. Im Kampf und die Europacupplätze haben die Grazer nach der... Sturms blutjunges Offensivtrio: Der schwarz-weiße Trumpf im Kampf um Europa?

Donis Avdijaj - SK Sturm Graz_abseits.atHeute trifft der SK Sturm auswärts im Ernst Happel Stadion auf den SK Rapid. Im Kampf und die Europacupplätze haben die Grazer nach der jüngsten Serie mit drei Siegen in Folge wieder realistische Chancen. Einen wichtigen Anteil an diesem Formanstieg hat das Trio im offensiven Mittelfeld. Mit diesem setzen wir uns in diesem Artikel auseinander.

Der Kader von Sturm Graz ist gerade im offensiven Mittelfeld an und für sich sehr gut bestückt. Trainer Franco Foda hatte im wahrsten Sinne die Qual der Wahl und es wirkte so, dass er die optimale Besetzung bis weit in die Frühjahrssaison noch nicht gefunden hatte. Für die entscheidende Saisonphase kristallisiert sich jedoch ein überaus passendes und blutjunges Trio heraus, dessen Rolle wir analysieren wollen.

Sascha Horvath: Der Spielmacher

Dass Sascha Horvath über großes Potenzial verfügen würde, konnte man bereits während seiner Zeit bei der Wiener Austria erkennen. Den Durchbruch im Erwachsenenfußball konnte er dort jedoch nicht schaffen. Nach seinem Wechsel zu Sturm im Sommer fasste er kontinuierlich Fuß und war am Ende des Herbstes bereits ein fixer Bestandteil bei den Grazern. Es haperte aber etwas an der idealen Einbindung. Diese scheint nun gefunden.

Zu Beginn des Frühjahrs wurde er von Foda am linken Flügel eingesetzt. Dort hatte er zwar durchaus viele Ballaktionen, es fehlten aber die entscheidenden Durchbrüche in gefährliche Zonen. Horvath ist auf der einen Seite kein Spieler, der bis zur Grundlinie durchmarschiert und dann flankt. Andererseits hat er zwar die Fähigkeiten dafür, mit Tempo in die Mitte zu ziehen und dort Kombinationen einzugehen, allerdings fehlten dafür die nötigen Strukturen.

In den letzten drei Spielen agierte Horvath im zentralen offensiven Mittelfeld, wo er aufgrund seiner Anlagen auch am besten zur Geltung kommt. Mit seiner Technik und Wendigkeit kann er dort für hohe Dynamik sorgen, die Räume öffnet. Sein Tor im Spiel gegen Altach war ein gutes Beispiel dafür. Mit einem kurzen Schritt zur Seite behauptete er den Ball, danach spielte er sofort in die Tiefe, sprintete hinter die Abwehr und schloss gezielt ab.

Sieht man sich die Radargrafik von Horvath an und vergleicht sie mit den untenstehenden seiner beiden Kollegen, erkennt man ebenfalls, wo sein Schwerpunkt bzw. seine Hauptaufgabe liegt. Wie 2,3 Torschussbeteiligungen pro 90 Minuten andeuten, ist das eindeutig nicht in der Gefahrenzone. Horvath ist vielmehr der Einfädler, spielt viele kurze Pässe, hält die Ballbesitzzeiten kurz und hat unter den offensiven Mittelfeldspielern der Liga eine Top-Passquote. Dass er mit 3,2 Balleroberungen pro 90 Minuten – die Majorität durch Tackles – innerhalb des Trios ebenfalls den Topwert hält zeigt, dass vor allem das landläufig gerne angeführte Argument der fehlenden Physis nicht haltbar ist.

Andreas Gruber: Wenn‘s gefährlich wird

Die zweite Stützte des schwarz-weißen Offensivtrios ist ebenso wie Horvath aktueller ÖFB-Nachwuchsteamspieler. Schon im letzten Frühjahr war Andreas Gruber Stammspieler bei den Steirern und sorgte mit der einen oder anderen Toraktion für Aufsehen. Da der Vertrag des 20-Jährigen nächstes Jahr endet, darf man sich schon jetzt auf das eine oder andere Transfergerücht einstellen. Er ist nämlich ein äußerst interessanter, wenngleich auch unscheinbarer Spielertyp.

Gruber ist kein überaus explosiver und dynamischer Akteur, obwohl seine physischen Anlagen genau das implizieren würden. Er zeigt keine spektakulären Einzelaktionen, sondern fokussiert sich auf einfache Pässe und Bewegungen. Je näher es zum gegnerischen Tor geht, umso gefährlicher wird er dadurch. Er ist kein Spieler, der für seine Kollegen große Räume aufzieht, sondern jemand, der wie Thomas Müller, bereits kleine Lücken in der gegnerischen Defensive erkennt und attackiert. So ist er am Ende eines Angriffs meistens irgendwie beteiligt, obwohl er in der Entstehungsphase eigentlich kaum in Erscheinung trat.

Diese Eigenschaften in Grubers Spiel spiegeln sich in seinen statistischen Daten wider. Mit nur 25 Pässen pro 90 Minuten und einer Erfolgsquote von lediglich 64% gehört er jeweils zu den Spielern mit niedrigsten Werten der Liga. Auch hinsichtlich der Dribblings und Balleroberungen ist er am unteren Ende zu finden. Bei den zählbaren Offensivaktionen explodieren seine Daten hingegen.

So liefert er mit seinen Läufen hinter die Abwehr durchschnittlich in jedem Spiel einen Scorerpunkt und ist an außerordentlich vielen Torschüssen direkt und indirekt beteiligt. Im Schnitt ist jeder 10,7te Pass von Gruber eine Torschussvorlage – unter allen Spielern mit mindestens 20% der möglichen Einsatzzeit der niedrigste Wert.

Donis Avdijaj: Das Um und Auf

Das Um und Auf des Offensivspiels der Blackies und der Spieler, der medial die meiste Aufmerksamkeit bekommt, ist ausgerechnet der jüngste Akteur des Offensivtrios: Donis Avdijaj. Der 19-jährige Deutsche, der bis zum Saisonende noch von Schalke 04 ausgeliehen ist, vereint an österreichischen Verhältnissen gemessen eine sehr hohe individuelle Qualität und ein taktisch überaus reifes Bewegungs- und Stellungsspiel. Das bewies er gleich nach seiner Ankunft im letzten Winter. Und das bewies er am Beginn dieser Saison. Dass der Großteil von Sturms Formkrise in den Zeitraum fiel, in dem Avdijaj verletzungsbedingt fehlte, ist keine Überraschung.

Avdijaj vereint in gewissem Sinne die erwähnten Fähigkeiten von Horvath und Gruber. Seine Freilaufbewegungen bringen zum einen ihn in eine gute Position und geben seinen Mitspielern andererseits Räume. Obwohl er mit 1,72m ebenfalls kein großer Spieler ist, ist er dennoch überaus athletisch und standfester als Horvath. Er variiert zwischen explosiven Antritten und einer ruhigen Ballverteilung. Ein scheinbares Problem seiner Rückkehr war jedoch die Frage seiner Eingliederung, da Horvath wie erwähnt in erster Linie auf der Zehnerposition zur Geltung kommt.

Foda beorderte den Deutschen daher für die letzten Spiele vom Zentrum auf den Flügel. Gemeinsam mit Horvaths Interpretation von der Zehnerrolle – mehr Spielmacher als hängende Spitze – sorgte das für eine komplett andere Struktur als zuvor. Im Vergleich zu beispielsweise Thorsten Schick, der die längste Zeit auf dieser Position gesetzt war, ist Avdijaj nämlich kein so eindimensionaler Spieler, der stur die Linie auf und ab rennt. Mit seiner Variabilität gibt es nun auf der Seite eine weitere Quelle für Überraschungsmomente.

Die Radargrafik Avdijajs zeigt nun ebenfalls, dass er im Ligavergleich zu den absolut besten offensiven Mittelfeldspielern zählt und in vielen Kategorien zwischen seinen beiden Mitspielern liegt. In anderen hingegen übertrifft er sie sogar – gerade bei den Torschussbeteiligungen und erfolgreichen Dribblings sehr deutlich. So ist ligaweit überhaupt nur Bullen-Stürmerstar Jonatan Soriano an mehr Schüssen beteiligt. Bei den Dribblings ist Avdijaj – wie kürzlich andernorts ausgeführt – hingegen sogar das Nonplusultra. Dass er nächstes Jahr noch immer in Österreich spielen wird, scheint also auch aufgrund seiner Daten unrealistisch. Zuvor soll er jedoch noch bei der Erfüllung des schwarz-weißen Saisonziels helfen und die Europacupteilnahme im Saisonfinish fixieren.

Alexander Semeliker, abseits.at

Alexander Semeliker

@axlsem