In dieser Serie sollen jede Runde parallel zu den üblichen Spielanalysen ein paar Tore hinsichtlich der Entstehung, individueller Fehler oder taktischer Feinheiten genau untersucht... Toranalyse zur 14. Runde der tipico Bundesliga 2014/2015 | Djuricin, Soriano, Reyna

Yordy Reyna - SV GrödigIn dieser Serie sollen jede Runde parallel zu den üblichen Spielanalysen ein paar Tore hinsichtlich der Entstehung, individueller Fehler oder taktischer Feinheiten genau untersucht und analysiert werden. In der Toranalyse zur 14. Runde nimmt abseits.at die Treffer von Marco Djuricin (Sturm Graz), Jonathan Soriano (Red Bull Salzburg) und Yordy Reyna (SV Grödig) unter die Lupe.

 

FK Austria Wien – SK Sturm Graz 0:2, Marco Djuricin (42. Minute)

Die Wiener Austria schöpfte nach zwei Pflichtspielsiegen in Serie Hoffnung auf eine Trendwende, steckt aber nach der 0:3-Heimpleite gegen Sturm Graz weiterhin in der Krise. Alle drei Tore der Grazer waren dabei mehr oder weniger auf dieselben Ursachen zurückzuführen. Die Austria wurde aufgrund geringer Zentrumskompaktheit bzw. Staffelungsproblemen im Spielaufbau dreimal ausgekontert. Das zweite Tor zeigte diese Probleme sehr gut.

Sturm presst in dieser Aktion das Aufbauspiel der Veilchen hoch an. Die schlechte Staffelung dieser zeigt sich einerseits daran, dass gleich fünf Spieler in der Offensive auf quasi einer Linie stehen. Aufgrund der gegeben Konstellation ist allerdings kein einziger anspielbar. Erst über einen Umweg über das Zentrum wäre dies möglich. Diesen versucht der Ballführende auch zu nehmen, spielt dabei aber einen Fehlpass direkt zum Gegenspieler. Doch selbst wenn dieser angekommen wäre, wäre es für die Wiener schwer gewesen, nach vorne zu spielen. Die Grazer haben dort nämlich eine Überzahl und antizipieren dieses Zuspiel auch richtig.

Das zweite große Problem der Austria findet man in der Abwehrlinie. Vance Shikov (rot) steht sehr weit auf der ballfernen Seite. Dort ist er – auch über ein, zwei Zwischenpässe – nicht anspielbar. Zudem ist der Mazedonier ein langsamer Verteidiger, weshalb es für ihn bei Ballverlust unmöglich ist, die Lücke zu seinem Nebenmann bzw. Marco Djuricin (gelb) schnell genug zu schließen. Auch Florian Mader (schwarz) steht zu weit weg, um den rückwärtspressenden Anel Hadzic (blau) nach dessen Balleroberung zu stören. So haben die beiden Grazer freie Bahn zum Tor.

FC Red Bull Salzburg – Admira Wacker Mödling 1:0, Jonathan Soriano (3. Minute)

Red Bull Salzburg hat einen neuen Rekordtorschützen, denn Jonathan Soriano erzielte am vergangenen Wochenende seine Ligatreffer Nummer 75 und 76. Damit löste er Marc Janko als besten Torschützen der Vereinsgeschichte ab. Das erste Tor des Spaniers wollen wir uns genauer ansehen.

Die Grundformation der Salzburger hat sich zwar verändert – sie spielen nun in einem 4-3-1-2 anstatt 4-2-2-2 – die Grundidee bleibt aber weiterhin dieselbe. Die Hütter-Elf zeichnet sich durch ein enormes ballseitiges Verschieben aus und versucht bei Kombinationen die Halbräume – insbesondere den linken – zu überladen. Diese Punkte waren bei Sorianos Tor ebenfalls zu erkennen.

Die Bullen erobern zunächst den Ball im Gegenpressing zurück, was naturgemäß beim Gegner – die Admira agierte wie viele österreichische Teams ballorientiert – eine gewisse Unordnung hinterlässt. Die beiden Stürmer, Soriano (gelb) und Marcel Sabitzer (weiß) stehen, wie im gesamten Spiel übrigens, eng aneinander. Dadurch ergeben sich bei den Niederösterreichern Zuordnungsprobleme, vor allem weil Soriano nach Sabitzers Balleroberung schnell Richtung Strafraum sprintet, womit er gegen Admiras Rechtsverteidiger die Innenspur gewinnt und so seinen Körper zwischen Ball und Gegenspieler bringen kann.

Das Loch, in welches sich Soriano bewegt, ist auf das Herausrücken des ballnahen Innenverteidigers auf Sabitzer zurückzuführen. Dieser dreht sich aber geschickt um seinen Gegenspieler und es ergibt sich mehr oder weniger eine Überzahlsituation für die Salzburger: Soriano, Sabitzer und Kevin Kampl (blau) gegen Markus Lackner (schwarz) und Christoph Schösswendter (rot). Beide haben im Prinzip zwei Möglichkeiten, wodurch aber jeweils einen der drei Salzburger frei werden würde.

Lackner könnte sich zu Kampl orientieren, was Sabitzer Zeit am Ball einräumen würde. Deshalb attackiert er diesen, wodurch Kampl freikommt und auch angespielt wird. Schösswendter könnte diesen attackieren – was zu Folge hätte, dass Soriano freie Bahn zum Tor hätte – oder er geht mit dem Spanier mit. Der Innenverteidiger entscheidet sich letztlich für keine dieser klaren Möglichkeiten, sondern versucht durch eine geschickte Zwischenstellung das Spiel zu verzögern und Soriano beim Pass ins Abseits zu stellen. Das Zuspiel von Kampl kommt aber im richtigen Moment.

SC Wiener Neustadt – SV Scholz Grödig 0:1, Yordy Reyna (4. Minute)

Das Spiel zwischen Wiener Neustadt und Grödig musste am Samstag abgebrochen werden und wurde am Mittwoch neu ausgetragen – zum Leidwesen der Niederösterreicher. Diese führten zum Abbruchzeitpunkt nämlich mit 1:0. Im zweiten Anlauf gerieten sie dann schnell in Rückstand und verloren letztlich mit 2:4. Dreifacher Torschütze für die Grödiger war Yordy Reyna, der damit auf Platz zwei der Torschützenliste vorstieß. Dass ausgerechnet der flinke Peruaner dreimal traf, war keine große Überraschung, denn die Schwächen der Wiener Neustädter sind auf seinen Spielstil zugeschnitten.

Das Hauptproblem des SC Wiener Neustadt ist die schlechte Abstimmung beim Attackieren des Gegners. Hier sieht man, dass die Elf von Heim Pfeifenberger zwar durchaus bemüht ist, den Gegner stark unter Druck zu setzen und in Ballnähe auch durchaus gut steht. Grödig kann deshalb auch nicht ordentlich kombinieren. Andererseits fehlt der ersten Pressinglinie der Wiener Neustädter die Absicherung, sodass es für den Gegner reicht, wenn der Ball irgendwie hinter diese Linie in den freien Raum kommt.

Die Abwehr der Gastgeber steht zunächst tief und rückt dann aber schnell heraus. Gegen einen Spieler wie Reyna (gelb), der enorm gute Tiefensprints zeigen kann ist das tödlich. Auch hier bewegt er sich wieder gut. Er geht wie gewohnt zur Seite und ist dann beim Steilpass nicht zu halten, umspielt den Tormann und schiebt den Ball ins Tor.

SC Wiener Neustadt – SV Scholz Grödig 0:2, Yordy Reyna (8. Minute)

Auch das zweite Tor der Leihgabe von Red Bull Salzburg wollen wir uns kurz genauer ansehen – allerdings soll der Fokus weniger auf ihm liegen, sondern vielmehr der Einleitung und dem intelligenten Verhalten eines anderen Grödigers gelten. Außerdem ist ein weiteres Beispiel für die Schwächen des Wiener Neustädter Abwehrspiels.

Stefan Nutz (weiß) bietet sich hier als Nadelspieler inmitten von Wiener Neustädtern an. Diese agieren wie gewohnt und stürmen quasi kopflos auf den Ballführenden zu. Dies öffnet einerseits den Raum hinter der Abwehrlinie, den Reyna (gelb) auch anlaufen will. Ein direkter Pass auf den Stürmer ist aber aufgrund der hohen Spieledichte in Ballnähe nicht zu bewerkstelligen.

Nutz zieht deshalb den Ball zurück und bremst das Spiel damit kurzzeitig, was ihm aber andererseits die Möglichkeit gibt, auf Philipp Huspek (blau) zu verlagern. Der Flügelspieler ist aufgrund des hohen Ballfokus‘ der Niederösterreicher komplett frei, legt quer zur Mitte, wo Reyna einnetzt.

Alexander Semeliker, abseits.at

Alexander Semeliker

@axlsem

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