In dieser Serie sollen jede Runde parallel zu den üblichen Spielanalysen ein paar Tore hinsichtlich der Entstehung, individueller Fehler oder  taktischer Feinheiten genau untersucht... Toranalyse zur 20. Runde der tipp3-Bundesliga | Tadic, Teigl, Bergmann

In dieser Serie sollen jede Runde parallel zu den üblichen Spielanalysen ein paar Tore hinsichtlich der Entstehung, individueller Fehler oder  taktischer Feinheiten genau untersucht und analysiert werden. In der Toranalyse zur 20. Runde nimmt abseits.at die Treffer von Dario Tadic (Wiener Neustadt), Georg Teigl (Red Bull Salzburg) und Thomas Bergmann (Wacker Innsbruck) unter die Lupe.

SC Wiener Neustadt – SK Rapid Wien 1:0, Dario Tadic (45. Minute)

Mit einem blamablen 0:1 in Wiener Neustadt beendete der SK Rapid Wien die Herbstsaison 2012. Bei der sechsten Saisonniederlage stimmte vor allem die Leistung in der ersten Halbzeit nicht, was die Niederösterreicher nutzten um kurz vor dem Pausenpfiff den Siegestreffer zu erzielen. Bei diesem glänzte Torschütze Dario Tadic vor allem mit einem gut gewählten Laufweg. Das vierte Saisontor des gebürtigen Bosniers hat seinen Ursprung in einem Ausschuss von Rapid-Tormann Lukas Königshofer.

Im Normalfall wissen die Spieler der ballbesitzenden Mannschaft wohin der Ball geschlagen wird und können sich in der entsprechenden Zone aufstellen um den Ballbesitz in der Folge zu gewährleisten – so wie es Sturm Graz beispielsweise in der 16. Runde getan hat. Im obigen Bild sieht man, dass dies bei Rapid allerdings nicht der Fall ist. Die Wiener überlassen ihrem Gegner am Mittelkreis – ein ohnehin sehr beliebtes Zielgebiet bei Ausschüssen – den Abschlag, der zugegebenermaßen auch wenig platziert und überhastet wirkte. Somit kann Wiener Neustadt den Ball postwendend retournieren, was insofern problematisch ist, als sie mit einem simplen Kopfball die gesamte grün-weiße Mittelfeldreihe überbrücken.

Daher muss, wie man hier erkennen kann, Gerson (orange) aus der Abwehrkette rausrücken um Daniel Offenbacher zu attackieren. Allerdings gelingt es diesem den Ball direkt auf Stefan Rakowitz (rot) weiterzuleiten, der in der Folge die geöffnete Schnittstelle, die sich durch Gersons Herausschieben ergab, anzulaufen. Tadic (gelb) befindet sich zu diesem Zeitpunkt noch in einer Abseitsstellung, da Mario Sonnleitner (grün) und Thomas Schrammel (blau) entsprechend hoch stehen. Der Stürmer profitiert aber vom Laufweg seines Teamkollegen – ebenso wie am oberen Bildrand Dominik Hofbauer (schwarz) gegen Michael Schimpelsberger (weiß).

Aufgrund der guten Bewegungen der Wiener Neustädter ist der Angriff ab diesem Zeitpunkt nur mehr schwer aufzuhalten. Tadic (gelb) kreuzt nicht nur den Diagonallauf von Rakowitz, er bewegt sich dabei auch gegen die Laufrichtung seiner Gegenspieler. Schrammel (blau) muss wenden, kommt aufgrund des dadurch auftretenden Geschwindigkeitsnachteils gegen Tadic am Ende aber zu spät. Weiters muss auch Sonnleitner (grün) seine Richtung ändern, da Rakowitz den Raum zwischen ihm und Schimpelsberger (weiß) andribbelt. Der Rechtsverteidiger rückt daher folgerichtig ein, öffnet dadurch aber die Außenbahn für Hofbauer (schwarz). Dieser kann den Steilpass seines Teamkollegen schließlich ohne Druck querlegen und sich über den zweiten Assist in der laufenden Saison freuen.

FC Red Bull Salzburg – SV Mattersburg 2:0, Georg Teigl (24. Minute)

Nach drei sieglosen Spielen in Folge unterstrich Red Bull Salzburg mit einem Sieg gegen den SV Mattersburg zum Ende der Herbstsaison noch einmal seine Titelambitionen. Der amtierende Doublesieger war gegen die Burgenländer in allen Belangen überlegen und gewann souverän 7:0. Im Rahmen der Toranalyse zur 20. Runde wollen wir uns dem zweiten Treffer durch Georg Teigl widmen, der zum einen die sehr schlechte Abstimmung der SVM-Defensive zeigte und andererseits, dass ein individuell stark besetztes Team wie Salzburg daraus leicht Kapital schlagen kann.

Hier sieht man die große Diskrepanz in der Defensivbewegung der Gäste. Während die Abwehrlinie sehr breit steht (weiße Linie), positionieren sich die Akteure in Ballnähe sehr eng aneinander (schwarze Linie). Die gestreckte Formation der Mattersburger kommt dadurch zustande, weil die breite Stellung von Florian Klein (orange) Thorsten Röcher dazu veranlasst ebenfalls weiter außen zu stehen. Eine bessere Option wäre es, wenn er stattdessen weiter einrückt um näher an Teigl (gelb) zu stehen, was wiederum den Abstand zwischen dessen Bewacher Lukas Rath und Alexander Pöllhuber, der Jonathan Soriano (rot) deckt, kürzer gestaltet hätte. Wie man später sehen wird, ergibt sich dadurch nämlich viel Platz für die Mozartstädter. Zwischen den konträren Stellungen der ersten und letzten Linie positionieren sich Manuel Prietl (grün) und Martin Rodler (blau), der aus der Innenverteidigung herausrücken muss, weil sonst Valon Berisha frei anspielbar gewesen wäre.

In diesem Bild sieht man nun wie die breite Verteidigung mit einer einfachen Bewegung aufgerissen wird. Soriano (rot) lässt sich zurückfallen um den Pass von Martin Hinteregger anzunehmen. Pöllhuber muss mit dem Spanier mitgehen, kann ihn aber nicht daran hindern einen Steilpass auf Andreas Ulmer zu spielen. In der Mitte bildete sich inzwischen ein großes Loch aus, wodurch Teigl in der Folge problemlos einnetzen kann. Entstanden ist es, weil Rath rausrückt und auf Abseits spielen will. Da die Abstände zwischen den entsprechenden Spielern zu groß sind, wodurch eine Kommunikation zwischen ihnen sehr schwer ist, klappt dies aber nicht.

FC Wacker Innsbruck – FC Admira Wacker Mödling 2:0, Thomas Bergmann (37. Minute)

Am letzten Spieltag gegen Rapid machte Thomas Bergmann eine unglückliche Figur, gegen Admira Wacker Mödling gelang dem 23-Jährigen nun sein erstes Bundesligator. Neben der Passivität des Gegners wurde er dabei auch vom überragenden Roman Wallner unterstützt.

Eingeleitet wurde das Tor von Bergmann, der Patrick Seeger den Ball am eigenen Strafraum abnahm, selbst (gelb). Unmittelbar nach dem gewonnenen Zweikampf kann der Rechtsverteidiger nahezu ungehindert durch das zweite Drittel laufen, da die Niederösterreicher ihren Angriff nicht absichern – beispielsweise durch einen Sechser, der zur Ballseite verschiebt. Außerdem erkennt man im obigen Bild die Ausgangsposition von Wallner (blau), der vom Zentrum aus auf den Flügel ausweicht.

Als er den Ball auf der Außenbahn empfängt, setzt sich die Inaktivität der Admiraner weiter fort, obwohl diese klar in Überzahl sind und man einen Gegenspieler auf der Seite im Allgemeinen stärker unter Druck setzen kann. Wallner wird nur halbherzig attackiert und in der Mitte gibt Seeger die Verfolgung von Bergmann ab der Mittellinie auf. Andreas Schrott will daher den Passweg ins Zentrum zustellen und macht ein paar Schritte in Vorwärtsrichtung. Bergmann erkennt dies und startet einen Sprint in die Tiefe, wo ihn aufgrund des Geistesblitzes von Wallner – er spielt Stephan Palla den Ball zwischen den Beinen durch – der Ball auch erreicht.

Danach gibt Bergmann der Admira allerdings noch eine letzte Chance den Angriff abzuwürgen, da er das Tempo herausnimmt und einen Haken nach innen macht. Jedoch gehen die Verteidiger darauf nicht ein, sondern setzen ihn weiterhin nicht entscheidend unter Druck. Vor allem Schrott muss in dieser Szene kritisiert werden, da er nicht aktiv zum Mann geht sondern sich nach hinten fallen lässt und sich quasi hinter seinem Mitspieler versteckt.

Bildquelle: http://www.laola1.tv/

Alexander Semeliker, abseits.at

Alexander Semeliker

@axlsem