In dieser Serie sollen jede Runde parallel zu den üblichen Spielanalysen ein paar Tore hinsichtlich der Entstehung, individueller Fehler oder  taktischer Feinheiten genau untersucht... Toranalyse zur 32. Runde der tipp3-Bundesliga | Fröschl, Hauser, Sabitzer

Taktik, Theorie, TaktikboardIn dieser Serie sollen jede Runde parallel zu den üblichen Spielanalysen ein paar Tore hinsichtlich der Entstehung, individueller Fehler oder  taktischer Feinheiten genau untersucht und analysiert werden. In der Toranalyse zur 32. Runde nimmt abseits.at die Treffer von Thomas Fröschl (Wiener Neustadt), Alexander Hauser (Wacker Innsbruck) und Marcel Sabitzer (Rapid Wien) unter die Lupe.

SC Wiener Neustadt – FC Wacker Innsbruck 1:0, Thomas Fröschl (11. Minute)

Der Kampf um den Klassenerhalt in der Bundesliga spitzt sich zu und es gibt nur mehr wenige direkte Duelle zwischen den Abstiegskandidaten. Eines der letzten bestritten am Samstag der SC Wiener Neustadt und Wacker Innsbruck. Vor rund 3.000 Zuschauern trennten sich die beiden Teams 2:2. Je ein Tor auf jeder Seite wollen wir in diesem Rahmen näher beleuchten und starten mit Thomas Fröschls 1:0.

Hier sieht man die Raumaufteilung der Wiener Neustädter im Spielaufbau, der sich in dieser Szene äußerst simpel gestaltet. Die Außenverteidiger stehen relativ konservativ, die Flügelspieler hingegen rücken weit auf, wodurch aus dem nominellen 4-4-2 ein situatives 4-2-4 wird. Die beiden verbliebenen Mittelfeldspieler stehen weit auseinander und sind obendrein in Unterzahl, was verbunden mit der flachen Aufstellung der Angriffsreihe kein geordnetes Herausspielen erlaubt. Die einzige Möglichkeit, den Ball schnell in die Spitze zu bringen, ist ein langer Ball, zu dem schließlich auch Christian Ramsebner greift.

Die Innsbrucker stehen hingegen gut geordnet. Die beiden Angreifer setzen die Innenverteidiger unter Druck, der ballnahe Flügelspieler kann sowohl auf den gegnerischen Linksverteidiger als auch den tiefen Sechser gehen. Einziger, kleiner Makel ist, dass der Sechser – Simon Piesinger (grün) – durch eine höhere Stellung für noch mehr Kompaktheit im Zentrum sorgen hätte können. In dieser Szene hätte sich dieser „Fehler“ jedoch als Vorteil herausstellen können bzw. sogar müssen, da der lange Ball genau in diese Zone kommt. Gegen Günter Friesenbichler (blau) haben die Tiroler nämlich eine klare drei-zu-eins-Überzahl. Statt der erwarteten Balleroberung folgen aber einige Defensivfehler.

Dass nur Piesinger zum Ball geht, ist zunächst richtig. Seine beiden Kollegen stellen sich um ihn herum auf um einen etwaigen zweiten Ball zu erobern, allerdings stehen sie nicht in den optimalen Positionen. Rechtsverteidiger Thomas Bergmann (weiß) steht zu nah, weswegen der Passweg auf den Flügel geöffnet wird. Sebastian Siller (rot) rückt dementsprechend auch etwas zur Seite raus, wodurch Fröschl in den Lauf bedient werden kann. Hätten die beiden Innsbrucker jeweils ein, zwei Schritte nach hinten gemacht, wären die Neustädter schwerer anzuspielen gewesen. So steht Martin Svejnoha (schwarz) gegen Fröschl auf verlorenem Posten, da er auf die Bewegungen des Wiener Neustädters nur reagieren kann.

SC Wiener Neustadt – FC Wacker Innsbruck 1:2, Alexander Hauser (64. Minute)

Mehr Struktur als ein einfacher langer Pass steckte hinter dem 2:1 der Innsbrucker durch Alexander Hauser. Die Gäste nutzten eine Fehlstellung der Wiener Neustädter Viererkette und ließen dem Gastgeber keine Chance, diese zu beheben.

Wie man hier sieht stehen die Außenverteidiger nicht optimal. Auf der rechten Seite rückt Mario Pollhammer (rot) etwas raus, da Hauser (gelb) das Spiel streckt. Schon hier hätte man den Mittelfeldspieler einsetzen können, allerdings entscheidet sich der Ballführende dafür, nochmal nach rechts zu spielen. Dort steht  Christoph Martschinko (schwarz) sehr hoch, was in der letzten Linie eine Dreierkette und in weiterer Folge ein Loch auf seiner Seite hinterlässt. Nach hinten rücken kann er nicht mehr, da der Ball nun bei seinem Gegenspieler ist.

Roman Wallner (blau) zieht zunächst den Innenverteidiger von der Seite weg und geht dann dem Ballführenden entgegen. Lukas Hinterseer geht indes in den entstandenen Raum auf den Flügel. Für die Wiener Neustädter läuft dieses Kreuzen zu schnell ab, weswegen Hinterseer querlegen kann. In der Mitte hat Hauser den gleichen Vorteil wie Fröschl davor. Er kann mit Tempo anlaufen und hat im Duell gegen Pollhammer das Ruder in der Hand.

SK Sturm Graz – SK Rapid Wien 0:1, Marcel Sabitzer (7. Minute)

Im dritten Anlauf gelang Zoran Barisic der erste Sieg in seiner zweiten Trainer-Ära beim SK Rapid. Bei Sturm Graz gewann der Rekordmeister 3:1. Das 1:0 durch Marcel Sabitzer fiel dabei schon in der siebenten Minute und sei hier näher ausgeführt. Zwar ging dem Tor ein diskutabler Zweikampf voraus, bei näher Betrachtung fällt allerdings auf, dass die Wiener auch sonst mit hoher Wahrscheinlichkeit an den Ball gekommen wären.

Nikola Vujadinovic (rot) wird hier von den Grün-Weißen gut unter Druck gesetzt. Deni Alar läuft den Ballführenden an und stellt gleichzeitig Matthias Koch (grün) in seinen Deckungsschatten, weswegen dieser nicht anspielbar ist. Zudem stellt Sabitzer (gelb) den zweiten Innenverteidiger und Guido Burgstaller (weiß) den Linksverteidiger zu. Die einzige Option für Vujadinovic ist ein Pass in die Mitte auf Florian Kainz.

Dieser bekommt den Ball allerdings unter starker Bedrängnis, in erster Linie wegen des entschlossenen Herausrückens von Christopher Trimmel. Doch auch rundherum stehen die Gäste näher am Geschehen dran als ihre jeweiligen Gegenspieler. So verschieben die beiden Sechser (schwarz) gut zum Ball hin und Burgstaller löst seinen Fokus vom Außenverteidiger. Sabitzer und Alar, die vorhin noch an vorderster Front pressten, orientieren sich ebenfalls nach hinten. Unter diesem Druck musste Kainz den Ball verlieren. Den Rest erledigte Alars präziser Pass in den Lauf von Sabitzer, der per Flachschluss vollendete.

Bildquelle: http://www.laola1.tv/

Alexander Semeliker, abseits.at

Alexander Semeliker

@axlsem

  • Gast

    6.Mai.2013 #1 Author

    „… Die einzige Option für Vujadinovic ist ein Pass in die Mitte auf Florian Kainz…“
    So ein blödsinn!!!! Der eigene tormann war komplett frei anspielbar!

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    • Axl

      7.Mai.2013 #2 Author

      der eigene Tormann ist natürlich (fast) immer eine Option, nur sieht man, dass Vujadinovicnach ganz klar vorne spielen will. Bis er sich gedreht hätte, wäre Alar wohl auch schon zu nah gewesen um sauber nach hinten zu spielen.

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  • Peda

    7.Mai.2013 #3 Author

    Die dritte Szene verdeutlicht mMn vor allem, dass unsere „Topteams“ alles andere als pressingresistent sind: Kainz könnte den Ball ganz einfach in die Mitte zu Matthias Koch prallen lassen. Stattdessen nimmt er ihn schlecht an (noch dazu nach außen) und schwalbt dann zu Boden.

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    • Axl

      7.Mai.2013 #4 Author

      dort gibts dann halt wieder das Problem, dass hinter Koch gleich Sabitzer steht. Der muss dann auch erst wieder die Ruhe bewahren. Bin aber auch der Meinung, dass die österr. Teams unter Druck stark fehleranfällig sind.

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