Während andernorts das Transferkarussell auf Hochtouren läuft, ist das Geschehen um die SV Ried in diesem Sommer relativ ruhig. Größtes Highlight war wohl die... Transfers erklärt: Darum wechselten Thomas Bergmann und Manuel Gavilan zur SV Ried

SV Ried - Wappen mit FarbenWährend andernorts das Transferkarussell auf Hochtouren läuft, ist das Geschehen um die SV Ried in diesem Sommer relativ ruhig. Größtes Highlight war wohl die Bestellung von Helgi Kolvidsson zum neuen Cheftrainer. Auf dem Transfermarkt wurden die Innviertler erst zweimal nennenswert tätig. Damit wollen wir uns nun auseinandersetzen.

Bereits im April präsentierte die SV Ried mit Manuel Gavilan den ersten Neuzugang für die kommende Saison. Danach herrschte allerdings weitestgehend Stille, ehe Ende Mai Thomas Bergmann von Wacker Innsbruck kam. Neben den beiden wurden bisher zwar sechs weitere Spieler neu in den Kader aufgenommen, diese dürften bei der Frage nach der Stammelf jedoch eine untergeordnete Rolle einnehmen. In Daniel Sikorski holte man zudem ein großes Fragezeichen.

Thomas Bergmann: Ein passender Lainer-Ersatz?

Dass die SV Ried ein sehr gutes Sprungbrett für größere Aufgaben ist, zeigten in den letzten Jahren einige Fälle. Das jüngste Beispiel ist Stefan Lainer, der nach nur einem Jahr in Innviertel wieder zurück zu den Bullen aus Salzburg geht. Der 22-Jährige war einer der Aufsteiger der letzten Saison, spielte im Ried-Trikot auf der rechten Abwehrseite teils herausragende Partien und hat durchaus das Zeug, sich auch bei Red Bull festzuspielen.

Nachdem die Rieder einen äußerst schlechten Saisonstart erwischten, stellte Oliver Glasner auf eine Dreierketten-Formation um. Die Außenbahnen waren dadurch zwar nur einfach besetzt, in Lainer und Oliver Kragl hatte man aber zwei Spieler dort, die aufgrund ihrer Eigenschaften sehr gut damit umgehen konnten und sowohl vorne als auch hinten präsent waren. Insbesondere Lainer ist ein enorm athletischer Spieler, wie unter anderem seine Leistungsdaten zeigen.

Mit Bergmann holte die SV Ried einen Außenverteidiger, der von den individuellen Anlagen durchaus gut mit Lainer vergleichbar ist. Auch der gebürtige Wiener ist ein physisch starker Spieler und kann in der offensive solide Leistungsdaten ausweisen: In 115 Ligaspielen für Wacker Innsbruck bereitete er 18 Tore und erzielte zwei selbst. Insofern dürfte er als Ersatz für Lainer durchaus passend sein. Sein Statistikprofil hat dennoch merkbar andere Züge, was wohl mit den unterschiedlichen Rollen der beiden in ihren Vereinen zu tun hat.

 

Lainer als alleiniger Breitengeber in der Rieder 3-4-3- bzw. 3-5-2-Formation hatte mehr oder weniger in jedem Spiel die gleichen Aufgaben, während Bergmanns Rolle zuweilen wechselte. Im Herbst spielte er beispielsweise häufig im Mittelfeld. Andererseits variierte sein Spiel auch als Rechtsverteidiger. Gegen den SV Mattersburg in der 28. Runde hatte er beispielsweise sieben Dribblings und bespielte die gesamte Länge des Platzes. In anderen Spielen lag der Fokus klar auf der Defensive.

Manuel Gavilan: Der neue Robert Zulj?

Der zweite interessante Neuzugang der Rieder wechselte aus der dritten spanischen Liga, wo er mit seinem Verein, dem Zamora CF, als 19. sogar abgestiegen wäre. In 26 Spielen erzielte er acht Tore und leistete vier Assists. Zahlen, die einem nicht gerade vor Furcht erstarren lassen – gerade, wenn man die Abgänge im Rieder Angriff berücksichtigt. Thomas Fröschl wechselt zum Lokalrivalen LASK, Denis Thomalla geht zum polnischen Spitzenklub Lech Posen.

Gerade der Deutsche, der nur leihweise in Ried war, überzeugte auf ganzer Linie, wenngleich es, gemessen an seinen Möglichkeiten, durchaus mehr als 17 Scorerpunkte hätten sein können. Daneben war er auch mit seinen Bewegungen für das Spiel der Glasner-Elf sehr wichtig. Thomalla hatte einen großen Aktionsradius und eroberte viele Bälle. Fröschls Statistiken sind insbesondere in den klassischen Stürmer-Kategorien sehr gut. Warum war der Spanier also gut ein Jahr auf dem Radar von Stefan Reiter?

 

Gavilan, so der Manager der Innviertler, sei „ein sehr schneller Spieler, der gut in die Schnittstellen geht.“ Insbesondere im Umschaltspiel konnte er diese Eigenschaft sehr gut einbringen, weshalb er in seiner Spielweise auch stark an Robert Zulj erinnert. Der Ex-Rieder überzeugte zudem mit seinen klugen Bewegungen im Pressing sowie seinem zielgerichteten Verbindungsspiel. Hier dürfte es Unterschiede zu Gavilan geben. Im Passspiel ist der Neuzugang zwar ebenfalls ein kleinräumiger Spieler, jedoch waren seine Zuspiele oft ineffizient – auch wenn sie technisch anspruchsvoll waren.

Interessant ist die Frage nach der geplanten Position. Bei Zamora agierte Gavilan hauptsächlich als rechter Flügelspieler und stach mit schnellen Läufen immer wieder in die letzte Linie durch. Andererseits fehlen im Kader die Alternativen für die Solostürmerrolle im vermutlichen 4-2-3-1 von Kolvidsson. Gavilan würde sich dafür in erster Linie dann eignen, wenn man sich auf das Spiel gegen den Ball fokussieren würde. Im Kombinationsspiel hat der Spanier nämlich, wie angedeutet, Schwächen.

Diese betreffen einerseits seine Entscheidungsfindung betreffend den Abspielzeitpunkt und andererseits seine Freilaufbewegungen. Zulj wirkte in diesem Punkt taktisch deutlich weiter, konnte an vorderster Front aber dennoch manchmal nicht passend eingebunden werden. Plant man in Ried mit Sikorski als Stürmer, könnte Gavilan, trotz seiner guten Anlagen aufgrund der großen Konkurrenz, sogar die Bank drohen.

Alexander Semeliker, abseits.at

Alexander Semeliker

@axlsem