Heute findet in der Generali Arena das 310. Wiener Derby zwischen der Austria und Rapid statt. Beide Teams blicken nach den ersten fünf Spieltagen... Vorschau auf das 310. Wiener Derby: Wem gelingt der Befreiungsschlag?

DerbyHeute findet in der Generali Arena das 310. Wiener Derby zwischen der Austria und Rapid statt. Beide Teams blicken nach den ersten fünf Spieltagen auf eine äußerst triste Bilanz zurück und stehen bereits unter großem Druck. Will man die Europacupplätze nicht aus den Augen verlieren, gilt es zu gewinnen. Dabei kämpfen beide Teams noch mit der Abstimmung in ihrem Spiel.

Nicht mal zusammen haben die beiden Wiener Großklubs genügend Punkte um das Führungsduo Red Bull Salzburg und Wolfsberger AC von der Tabellenspitze stoßen zu können. Während Rapid immerhin einen Sieg zu Buche stehen hat, konnte die Austria unter Gerald Baumgartner noch kein einziges Bundesligaspiel gewinnen.

Austrias Probleme mit dem „Nach-vorne-Verteidigen“

Die Handschrift des 49-Jährigen konnte man schon in der Vorbereitung deutlich sehen: hohes Pressing, frühes Gegenpressing. Dabei verfolgt er mehr oder weniger die gleiche Strategie wie schon bei seinen Stationen davor, denn die Austria agiert dabei sehr ballorientiert. Dabei konzentrieren sich die Spieler sehr stark auf den Ballführenden und nicht auf seine Möglichkeiten. Daneben gibt es einige andere Arten des Gegenpressings, die Rene Maric an anderer Stelle bereits ausführlich erläuterte.

Das ballorientierte Gegenpressing ist im Vergleich zu anderen Strategien leichter zu implementieren, erfordert von den Spielern aber einen hohen läuferischen Aufwand. Dass Baumgartner die körperliche Verfassung der Spieler sehr wichtig ist und diese vor kurzem auch kritisierte, ist unter diesem Gesichtspunkt also nachvollziehbar. Aufgrund dessen, dass der FAK-Coach das Gegenpressing aber als auch Spielmacher nutzen möchte, ergibt sich dadurch ein schwerwiegendes Problem. Während das offensive Umschaltspiel, wie man etwa am letzten Wochenende gegen Sturm sehen konnte, durchaus gut funktioniert, wirkt das Kombinationsspiel sehr träge.

Holland und Leitgeb – passt das?

Ein Grund dafür ist eine kleine Formationsumstellung Baumgartners. Zu Saisonbeginn lief die Austria in einer recht klaren 4-3-3-Grundordnung auf, nach der Rückkehr von WM-Teilnehmer James Holland ist es eher ein 4-2-3-1. Neben dem Australier agierte mit Mario Leitgeb ein Spieler mit einem sehr ähnlichen Profil. Beide Akteure sind zwar keine klassischen Abräumer, haben ihre Stärken aber dennoch im Spiel gegen den Ball. Sie verfügen über ein sehr gutes Gefühl darüber, wann und wie sie verschieben bzw. Druck aufbauen müssen. Im Kombinationsspiel sind die zwei ausschließlich mit etwaigen raumöffnenden Bewegungen auffällig.

Weil sie aber eine recht tiefe Grundposition haben, kann die Defensive eines tiefstehenden Gegners meist nicht aufgerissen werden und die Angriffe wirken sehr ideenlos. Eventuell greift Baumgartner, wie zu Saisonbeginn, wieder auf David de Paula zurück. Der Spanier wird in der Öffentlichkeit oft unterbewertet, ist vor allem im Spiel ohne Ball sehr effektiv. Im Gegensatz zu Leitgeb und Holland, der gegen Sturm einige Pendelversuche unternahm, ist de Paula auch jemand, der sich in Achterposition wohlfühlt und im Umschaltspiel selbst gefährlich werden kann. Im Februar erzielte er auf diese Weise gegen Rapid auch ein Tor.

Spielmachende Flügelspieler

Aufgrund der oben beschriebenen Probleme hängt im Kombinationsspiel viel an den offensiven Mittelfeldspielern. Mit Alexander Grünwald hat die Austria einen Spieler, der zwar als sehr kreativ gilt, dessen Ausbeute aber ausbaufähig ist. In der aktuellen Saison steht er noch ohne Assist da und weist in der gegnerischen Hälfte eine äußerst schlechte Passquote von 60% auf. Zum Vergleich: Rapids Spielmacher Steffen Hofman bringt in der gegnerischen Hälfte 74% seiner Pässe an den Mann.

Als kreative Alternative tat sich in den letzten Spieler aber auch Marco Meilinger hervor, wie man beispielsweise anhand seiner Pässe gegen Sturm Graz sehen kann. Der Neuzugang rückte vom Flügel immer wieder ein und suchte in den Halbräumen Kombinationen. Drei Torschussvorlagen und ein Assist zeugen zudem von hoher Produktivität. Schon bei Ried agierte der Linksfuß zeitweise als inverser Flügelspieler von rechts und übernahm spielgestalterische Aufgaben. Auf der gegenüberliegenden Seite spielt hingegen ein eher klassischer Flügelspieler.

Bei Rapid darf man eine ähnliche Aufteilung erwarten: Hofmann zentral als Spielgestalter, Florian Kainz als breiter linker Mittelfeldspieler und Louis Schaub als einrückender Flügel von rechts. Der agiert aber im Allgemeinen zielgerichteter als sein Pendant in Violett. Vor allem mit seinen Diagonalläufen kann der Youngster Gefahr erzeugen, jedoch fehlt ihm seit einiger Zeit die Präzision im Abschluss.

Wie wird Rapids Zentrum aussehen?

Ähnlich wie sein Trainerkollege hat auch Rapid-Trainer Zoran Barisic eine breite Auswahl im zentralen Mittelfeld auf den beiden Sechserpositionen. Allerdings kämpft Rapid auch mit der Abstimmung auf der Zentralachse. Gesetzt dürfte Thanos Petsos sein. Der Grieche, der mittlerweile nicht mehr so herausragend agiert wie zu Beginn seiner Rapid-Zeit, dient als Stabilisator im Mittelfeld, ist auch eine wichtige Anspielstation im Kombinationsspiel. Gegen Altach hatte er 118 Ballkontakte, jedoch mangelte es an Aktionen in die Tiefe.

Daneben startete in den letzten zwei Bundesligaspielen Dominik Wydra. Der 20-Jährige übernimmt nominell die Aufgaben eines Achters, spielt also etwas höher als Petsos und soll dementsprechend die angesprochene Pässe in die Tiefe bewerkstelligen. Gegen die Admira klappte das sehr gut, gegen Altach weniger. So kam Rapid quasi nie vor den gegnerischen Strafraum, spielte früh auf die Flügel. Zudem offenbarte Wydra beim Gegentor Schwächen im Stellungsspiel bzw. der Antizipation. Gerade gegen die auf das Gegenpressing fokussierte Austria könnte das verhängnisvoll werden.

So könnte etwa Stefan Schwab wieder zurück in die Startelf rücken. Der Ex-Admiraner, der noch nicht vollkommen integriert scheint, zeigte teils große Defizite im Kombinationsspiel, ist aber in puncto Physis und Dynamik verlässlich. Möglicherweise gibt es auch das Debüt von Sdrjan Grahovac, der mit seiner Pressingresistenz den Unterschied ausmachen könnte.

Alexander Semeliker, abseits.at

Alexander Semeliker

@axlsem

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