Nachdem wir uns am Samstag schon intensiv mit einem möglichen Stadionneubau-Projekt in Linz beschäftigten, möchten wir uns heute dem Status quo widmen. Genauer gesagt... Warum die Gugl kein Fußballstadion ist

Nachdem wir uns am Samstag schon intensiv mit einem möglichen Stadionneubau-Projekt in Linz beschäftigten, möchten wir uns heute dem Status quo widmen. Genauer gesagt um das bestehende Stadion: Die Gugl am Linzer Froschberg. Was macht Bundesliga-Fußball in der mehr als 13.000 Sitzplätze fassenden Arena so verdrießlich? Wir möchten hier einen Blick auf das – so muss man es leider nennen – „Stadion-Dilemma“ in der drittgrößten österreichischen Stadt wagen.

Mehr als sechzig Jahre am Buckel

Im Juni 1952 wurde das Stadion der Stadt Linz feierlich eröffnet, da als einer der modernsten Sportstätten außerhalb Wiens. Etwa ein Jahrzehnt später – 1965 – fand es seinen ersten Höhepunkt, als der LASK dort als erster „Nicht-Wiener“ die Meisterschale in den Himmel der Stahlstadt stemmte. 1974 machte es der SK VOEST Linz dem Stadtrivalen gleich. Seitdem ist viel Wasser die Donau runter geflossen. Doch die Arena hat sich im Grunde nicht wesentlich verändert. Ähnlich wie das Happel-Stadion im Wiener Prater, hat sich die Betonschüssel am Linzer Froschberg überlebt. Von modernen Ansprüchen oder gar Länderspieltauglichkeit brauchen wir da gar nicht erst zu sprechen. Mit der offenen Kurve hinter dem Tor einerseits und der weitläufigen Laufbahn andererseits kommt selbst an gut besuchten Spieltagen nur schwer Stimmung auf. Nach der Renovierung – der wir uns noch widmen werden – fand mittels Sondergenehmigung im November 2012 noch ein Länderspiel zur Eröffnung gegen die Elfenbeinküste statt. Da diese Bewilligung das Wort „Ausnahme“ enthielt und die Ansprüche vom ÖFB auf die „Länderspieltauglichkeit“ auch nicht dermaßen weit runtergeschraubt werden, bleiben Teamauftritte in Oberösterreich in Zukunft eine Fehlanzeige.

Vorab – die Sportstadt Linz organsiert Top-Laufevents wie den Marathon, ist bekannt für ein gutes Athleten-Niveau in zahlreichen Sportarten wie Tischtennis, Leichtathletik oder Schwimmen. Dazu stellt man teils privat, teils öffentlich für bewegungsbegeisterte Hobby-Sportlern eine Vielzahl an attraktiven Sportstätten zur Verfügung – vom Swingolf über Funcourts bis zu den Kletterhallen. Darum ist es etwas unverständlich, warum beim überregionalen Aushängeschild – dem Stadion – so dermaßen gemurkst wird.

Wenig Stimmung im Stadion

Während in reinen Fußballtempeln, selbst im kleinen Maßstabe a la fünf- bis zehntausend Zuschauern schnell ein stimmungsvoller Hexenkessel entsteht, der für die Heimischen erlaubtes Mental-Doping verursacht, ist so eine Atmosphäre in der Gugl schlicht irreal. Die offene Kurve gepaart mit der weitläufigen Laufbahn sind wahre Stimmungskiller. Zudem führt die sehr flache Tribüne zu einer noch größeren Distanz zwischen dem Geschehen am Rasen und dem Support der Anhänger. Ähnlich wie im Happel-Stadion ist alles gefühlt etwas zu weitläufig, zu „kühl“, zu weit weg vom Geschehen – einfach nicht so zum Wohlfühlen, wie es im Heimstadion idealerweise sein sollte.

Dass als Nachbar die gut ausgelastete, moderne Veranstaltungshalle thront, die regelmäßig Kapazitäten und Ressourcen verschlingt, macht es auch für die Verantwortlichen kompliziert. Die „Tipps-Arena“ ist die größte Veranstaltungshalle in der Stahlstadt. So zog der LASK schlussendlich die Reißleine, als der Stadion-Untermieter mit fortlaufenden Grabenkämpfen mit der Stadt das Weite suchte. Auch die Blau-Weißen wissen davon ein Lied zu singen. Als das Spiel des Jahres 2016 gegen Rapid im Cup nämlich am Wiener Sportklub-Platz ausgetragen werden musste. Grund für diese Kuriosität: In der benachbarten Halle fand die Karate-WM statt, die Stadion-Umkleidekabinen wurden für die „Kämpfer“ zweckentfremdet und eine Mannschaft hätte sich in der Landessportschule vorbereiten müssen.

Die Sache mit der Lage

Das Stadion ist nicht nur für den Auswärtsfan vom Bahnhof perfekt (zu Fuß) erreichbar. Die Rückreise per Öffentlichen- oder gleichermaßen Individual-Verkehr wird bei gutem Besuch aber schnell zur Tortur. Die wenigen, engen Zufahrtsstraßen zurück runter ins Zentrum sind für einen Massenandrang nicht ausgelegt und damit hoffnungslos verstopft. Mittendrin statt nur dabei im Stau die überquellenden öffentlichen Busse der Linz AG.

Dazu sind die vorhandenen Parkplätze gefühlt nie verfügbar oder für andere – very important – Personen reserviert. Alternativparkplätze sind in der Wohngegend sowieso rar. Generell stellt sich die Sinnfrage, ob ein Fußballstadion nicht anderswo besser aufgehoben wäre? Statt in einer der teuersten Wohngegenden der Industriestadt, die verkehrstechnisch nur beschränkt tauglich erschlossen ist.

Für die nur knapp tausend unentwegten Stahlstadtkinder, die heuer regelmäßig für die blau-weißen Heimspiele in der Ersten Liga freitags raufpilgerten, genügt die vorhandene Infrastruktur natürlich noch. Der Zuschauerschnitt lag im Herbst, sicherlich auch nicht zuletzt wegen des Stadions, bei 1.250 Besuchern pro Spiel.

Der Schildbürgerstreich „Renovierung der Gugl“

Was aber einfach gänzlich unverständlich wie unverzeihlich ist, dass 2010 die kostspielige Sanierung in Angriff genommen wurde! Für kolportierte 32 Millionen wollte man die „alte Dame“ wieder zukunftsfit machen. Der Außenbereich, Toiletten und das Dach, sowie VIP- und Imbissbereiche wurden kostspielig saniert. Sportlich bzw. Atmosphärisch aber mit bescheidenen bis erschütterndem Resultat, für diese aufgewendete Summe. Für Beträge in dem anderswo fast ganze, schicke kleine Fußballarenen hochgezogen werden, stand schlussendlich in Linz eine etwas kosmetisch gepimpte, aber im Grunde weiterhin für heutige Zeiten spitzensportuntaugliche Arena da. Das Bestreben des ÖFB in Linz – inklusive zahlungskräftiger Unterstützung seitens des Bundes – ein neues Stadion für die Europameisterschaft 2008 zu errichten, wurde dankend in den Wind geschossen.

Der FC Blau Weiß Linz „darf“ nun mangels Alternativen, die stimmungsbefreite Betonschüssel für seine Heimspiele in der Ersten Liga nutzen. Das ehemals renommierte Gugl-Meeting ist selbst unter neuem Namen zum Rohrkrepierer mutiert, Konzerte finden ebenfalls zuletzt meist an Alternativplätzen statt. Doch mit der Bürde des schweren Preisschildes, muss nun das Beste daraus gemacht werden. Wirklich glücklich ist momentan keiner mit dem Ist-Status. Doch ob der zahlreichen Widrigkeiten ein neues Stadion in der einnahmeintensiven Industriestadt hochzuziehen , wird sich an der aktuellen Situation wohl leider nicht so schnell etwas ändern.

Werner Sonnleitner

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