Der Kampf um den Meistertitel scheint seit letztem Wochenende entschieden zu sein. Mit dem SK Rapid musste nun auch der letzte Verfolger von Red... Zu wenige Defensivaktionen: Die Zahlen zu Austrias Problemen im defensiven Mittelfeld

Raphael Holzhauser - FK Austria Wien_abseits.atDer Kampf um den Meistertitel scheint seit letztem Wochenende entschieden zu sein. Mit dem SK Rapid musste nun auch der letzte Verfolger von Red Bull Salzburg abreißen lassen. Die Wiener Austria ist bereits seit längerer Zeit aus dem Rennen, auch weil sie besonders im zentralen defensiven Mittelfeld große Probleme hat.

Die Spielweise der Veilchen unter Thorsten Fink spaltete die Zuschauer schon im Herbst. Damals konnte man jedoch dank der außerordentlichen Stärke bei Standardsituationen regelmäßige Siege einfahren. Mittlerweile stimmen aber selbst die Ergebnisse nicht mehr. Nur der SV Grödig holte seit der Winterpause weniger Punkte. In der Kritik steht dabei vor allem das defensive Mittelfeld.

Zweikämpfe schlechter Indikator

In diesem Artikel wollen wir einige verschiedene Daten von den defensiven Mittelfeldspielern in der tipico Bundesliga unter die Lupe nehmen und uns ansehen, wie die FAK-Akteure abschneiden. Berücksichtigt werden dabei ausschließlich Spieler, die mindestens 20% der bisher möglichen Spielzeit am Rasen standen. Der Fokus liegt nicht auf dem Aufbauspiel, weil wir die violetten Probleme in diesem Bereich in der Winterpause bereits ausführlich behandelt haben, sondern auf dem Spiel gegen den Ball.

Die Kritik vieler Fans richtet sich dabei besonders auf die Rolle des Sechsers, der ihrer Auffassung nach „zu wenig nach hinten machen“ würden. Nun ist es nicht besonders einfach einen eindeutigen und objektiven Indikator dafür zu finden. Landläufig wird hier gerne die Anzahl oder Erfolgsquote von Zweikämpfen herangezogen, was jedoch aus mehreren Gründen nicht sinnvoll ist. Vor allem weil bei den bereitgestellten Daten nicht zwischen offensiven und defensiven Zweikämpfen unterschieden wird, werden im Folgenden andere Indikatoren gewählt.

Wenige Balleroberungen

Die wohl wichtigste Aufgabe eines defensiven Mittelfeldspielers ist es, die Viererkette zu entlasten und zu verhindern, dass der Gegner in hohem Tempo auf diese zulaufen kann. Im Idealfall erfolgt dies nicht nur passiv durch das Verstellen von wichtigen Räumen, sondern aktiv durch Balleroberungen. Diese sind glücklicherweise in Form von Tackles und abgefangenen Bällen erfassbar und bilden eine Säule, auf die wir uns stützten werden.

Die andere Kategorie, die wir uns ansehen ist die Passquote. Je weniger Fehlpässe einem Spieler unterlaufen, umso kleiner sind die Chancen, dass der Gegner zu Tormöglichkeiten kommt. Genau auf dieser Idee fußt auch die ballbesitzorientierte Spielidee Finks. Idealerweise spielt ein defensiver Mittelfeldspieler also wenige Fehlpässe und erobert viele Bälle. Diese Spieler sind im nachfolgenden Diagramm im linken oberen Quadrant zu finden. Ist die Anzahl an Fehlpässen eines Spielers allerdings verhältnismäßig groß, dann sollte er das durch dementsprechend häufigere Balleroberungen kompensieren. Solche Spielertypen sind im rechten oberen Quadrant.

Sieht man sich die Daten an, dann fällt auf, dass die defensiven Mittelfeldspieler der Wiener Austria in keinem der beiden genannten Quadranten zu finden sind. Das bedeutet, dass keiner von ihnen überdurchschnittlich viele Bälle erobert. Raphael Holzhauser, der die Rolle des Sechsers üblicherweise ausfüllt, spielt sogar vergleichsweise sehr viele Fehlpässe. Bei keinem anderen Team ist das so extrem ausgebildet wie bei den Veilchen. Herausragend sind hingegen insbesondere Konrad Laimer sowie das SVM-Trio Jano, Manuel Prietl und Sven Sprangler.

Wenige Defensivaktionen

Dass ein Spieler, den Ball nach einem Fehler nicht umgehend zurückerobern kann, impliziert nicht, dass der Gegner automatisch gefährlich wird. Es gibt nämlich noch eine Menge anderer Möglichkeiten, die Gefahr des Gegners einzudämmen. Eine besonders fortgeschrittene ist es, ihn in schlechte Abschlusspositionen zu drängen. Da die vorliegenden Daten allerdings nicht ausreichend sind, um dies zu untersuchen, wird im Folgenden lediglich die Gesamtanzahl an Defensivaktionen betrachtet.

Wenn man es schon nicht schafft, dem Gegner den Ball direkt abzunehmen, dann bleibt noch die Möglichkeit, den Gegenspieler anderwärtig am Abschluss zu hindern. Dementsprechend wird zu den Balleroberungen noch die Anzahl an klärenden Aktionen, Fouls und geblockten Schüssen addiert. Wieder repräsentieren die horizontale und vertikale Linie die Durchschnittswerte, anhand derer die Einteilung der Spieler erfolgt.

Die Datenpunkte sind nun zwar näher zusammengerückt, trotzdem liegen die vier Austria-Spieler weiterhin unter dem Durchschnitt. David de Paula und Ognjen Vukojevic zeigen in Relation zur Anzahl an Fehlpässen immerhin eine akzeptable Menge an Defensivaktionen. Die „Einserbesetzung“ mit Holzhauser und Alexander Grünwald hingegen ist im unrühmlichen rechten unteren Quadrant zu finden. Ob alle Probleme allerdings durch simple personelle Wechsel beseitigt werden können, ist fraglich.

Alexander Semeliker, abseits.at

Alexander Semeliker

@axlsem