Das österreichische Nationalteam hat heute Abend in Graz die Chance, die längste Niederlagenserie seit 1967 zu beenden. Für Teamchef Dietmar Constantini ist diese Partie... Pflichtsieg vor Sommerpause

Das österreichische Nationalteam hat heute Abend in Graz die Chance, die längste Niederlagenserie seit 1967 zu beenden. Für Teamchef Dietmar Constantini ist diese Partie mehr als nur ein Freundschaftsspiel, denn der Tiroler könnte bei einer Niederlage seinen Job verlieren.

Als österreichischer Teamchef hat man nicht den Druck immer gewinnen zu müssen. Eine “anständige“ Niederlage gegen einen nominell starken Gegner reicht anscheinend aus, um wieder halbwegs sicher im Sattel zu sitzen. Mit einer schwachen Leistung gegen Lettland würde sich das österreichische Nationalteam jedoch sämtliche Sympathien verspielen und die Trainerdiskussion würde erneut die Schlagzeilen der Zeitungen dominieren. Die Zeit für einen Umbruch wäre zudem gar nicht so ungünstig, da das Nationalteam die Qualifikation für die Europameisterschaft sowieso schon in den Sand gesetzt hat. Die restlichen Partien darf man schon als Test für die Qualifikation zur Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien betrachten.

VERPATZTE QUALIFIKATION

Das lettische Team ist das einzige Land auf der Erde, das sich für eine Europameisterschaft qualifizierte, aber noch nie an einer Weltmeisterschaft teilnahm. 2004 qualifizierten sich die Letten für das Turnier in Portugal, wo sie immerhin ein Unentschieden gegen Deutschland erkämpften. So wie die österreichischen Fans, mussten allerdings auch die Anhänger aus Lettland ihre Hoffnungen begraben, dass sich das Nationalteam für die kommende Europameisterschaft qualifiziert. Nach sechs Spieltagen hat Lettland lediglich vier Punkte auf der Habenseite stehen. Die Nationalmannschaft erspielte sich einen Sieg gegen Malta, ein Remis gegen Georgien, verlor jedoch zwei Mal gegen Israel und je einmal gegen Griechenland und Kroatien.

DAS SYSTEM UND DIE BESTEN SPIELER

Trainer Aleksandrs Strakovs lässt seine Mannschaft ein flaches 4-4-2-System spielen und versucht durch intensives Pressing den Gegner im Spielaufbau früh zu stören. Das lettische Nationalteam verfügt über einige interessante Legionäre, die das Rückgrat der Mannschaft bilden. Im Tor steht der 31-jährige Andris Vanins, der in den vergangenen zwei Jahren in der Schweiz beim FC Sion gute Leistungen ablieferte. Auch die beiden etatmäßigen Innenverteidiger sind Legionäre, die in der Türkei und in England ihr Geld verdienen. Der 29-jährige Kaspars Gorkss ist eine große Stütze bei den Queens Park Rangers, die in der kommenden Saison in der Premier League spielen werden, da sie in der Football League Championship mit vier Punkten Vorsprung Meister wurden. Der kopfballstarke Innenverteidiger absolvierte in den letzten drei Saisonen 112 Spiele für seinen Verein. Gorkss Kollege in der Innenverteidigung Deniss Ivanovs ist bei seinem Verein Sivaspor nicht gesetzt und kommt nur sporadisch zu Einsätzen. Der 42-fache Nationalspieler war zu Beginn der Saison bei seinem Verein ein Fixstarter, geriet dann jedoch in eine kleine Formkrise und verlor schließlich seinen Stammplatz.

Im rechten offensiven Mittelfeld spielt mit Jurijs Zigajevs ein interessanter Spieler, der im Frühjahr den Sprung von der lettischen Liga in das Ausland schaffte, nachdem er für den FK Ventspils 15 Tore in 18 Spielen erzielen konnte. Der dribbelstarke Spieler, der sowohl zentral, als auch rechts im Mittelfeld zum Einsatz kommen kann, muss allerdings bei seinem neuen Verein Widzew Lódz um einen Stammplatz kämpfen. Besonders in Acht nehmen muss sich das österreichische Nationalteam vor dem 23-jährigen Stürmer Artjoms Rudnevs. Der beidfüssige Angreifer von Lech-Poznán schockte vergangenen September die Fans von Juventus Turin, als er beim 3:3 Unentschieden alle drei Auswärtstreffer seiner Mannschaft erzielte. In der Nationalmannschaft wartet Rudnevs noch auf seinen ersten Treffer. Hoffentlich feiert er nicht gerade gegen die österreichische Auswahl sein erstes Erfolgserlebnis im Team.

Stefan Karger, abseits.at

Stefan Karger