Im fünften Spiel im Rahmen der Qualifikation für die Europameisterschaft 2016 in Frankreich musste das österreichische Nationalteam in Liechtenstein antreten. Mit der Tabellenführung im... Tabellenführung gefestigt: Österreich lockt zaghafte Liechtensteiner und gewinnt 5:0

Marko Arnautovic (ÖFB, SV Werder Bremen)Im fünften Spiel im Rahmen der Qualifikation für die Europameisterschaft 2016 in Frankreich musste das österreichische Nationalteam in Liechtenstein antreten. Mit der Tabellenführung im Rücken ging es als Favorit in diese Partie und wurde dieser Rolle gerecht. Man gewann mit 5:0 und festigte damit die Tabellenführung.

Im ausverkauften Rheinpark Stadion von Vaduz brachte Martin Harnik das ÖFB-Team in der 14. Minute in Führung. Nur zwei Minuten später legte Marc Janko nach und so war man schnell auf der Siegerstraße. Obwohl das Team von Marcel Koller taktisch keinesfalls perfekt spielte, war es letztlich ein souveräner und verdienter Sieg, zu dem David Alaba, Zlatko Junuzovic und Marko Arnautovic die weiteren Tore beisteuerten. Selbst einen verschossenen Elfmeter konnte man sich leisten.

Liechtenstein im passiven 4-5-1

Die Liechtensteiner unter der Leitung des Österreichers Rene Pauritsch hatten die erste gefährliche Szene im Spiel, ein Kopfball aus kurzer Distanz fiel aber zu ungefährlich aus. Danach konzentrierte sich das Fürstentum auf die defensive Stabilität. Die Gastgeber standen meist in einem 4-5-1, das jedoch einige Schwächen aufwies und in vielen Szenen nicht kompakt war. Die drei Sechser im Zentrum standen zwar meist eng beieinander, das ÖFB-Team spielte aber kaum in dieser Zone.

Bei den Österreichern sah man das gewohnte und daher zu erwartende Personal, einzelne Spieler hatten aber im Vergleich zu den letzten Spielen etwas andere Aufgaben. Ebenso war die Ausrichtung eine andere. Man spielte häufig und früh auf die Seiten, wo die Flügelspieler und die Außenverteidiger nahe aneinander spielten – vor allem bei Arnautovic und Christian Fuchs sah man dies häufig. In der Anfangsphase konnte man damit aber nicht durchbrechen. Arnautovic hatte viele Ballkontakte, dribbelte dann aber meist in enge Räume und verlor den Ball.

Klare Staffelung im ÖFB-Zentrum

Nach den ersten rund zehn Minuten wurde das Aufbau- und Kombinationsspiel der Österreicher strukturierter und variabler. Das lag insbesondere an den Aktionen von Alaba und Junuzovic. Der Bayern-Legionär war der tiefste Mittelfeldspieler, kippte früh und sehr stark ab – zunächst nach links heraus, dann zentral vor die Innenverteidiger. Junuzovic bespielte den Zwischenlinienraum, positionierte sich dabei häufig in den Halbräumen und wurde von Alaba mit Schnittstellenpässen eingesetzt.

Der Bremer fokussierte sich dabei auf die ballnahe Zone, wie man es beispielsweise vor dem ersten Tor sah. Er bewegte sich zunächst in dem linken Halbraum, um Fuchs eine Anspielstation zu bieten. Damit band er den rechten Sechser der Liechtensteiner und Alaba konnte in weiterer Folge mit einem Diagonalball das Spiel verlagern. Junuzovic schob zügig nach, spielte mit Harnik einen Doppelpass, band dabei wieder Gegenspieler und verbuchte so eine Torvorlage. Julian Baumgartliner diente als Balancespieler.

Gastgeber lassen sich herauslocken

Diese Rollenverteilung des zentralen Trios kannte man bereits aus dem letzten Jahr. Vor allem im Heimspiel gegen Montenegro konnte man damit überzeugen. Gegen Liechtenstein war das Positionsspiel zwar weniger variabel, dennoch war die zentrale Staffelung der primäre Schlüssel zum Erfolg. Die Mittelfeldspieler der Liechtensteiner ließen sich nämlich durch das starke Abkippen Alabas oft aus ihrer abwartenden Position herauslocken. Dabei agierten sie aber meist zu zaghaft, was wohl daher rührte, dass sie wussten, dass die eigene Abwehr unter keinen Umständen mitaufrücken würde.

Gleichzeitig hatten sie aber neben Alaba auch Aleksandar Dragovic und Martin Hinteregger, zwei durchaus passstarke Innenverteidiger vor sich. Würde man diesen Platz zum Aufrücken geben, hätte das Spiel im zweiten Drittel eine hohe Dynamik genommen, der die Liechtensteiner wohl ebenfalls nicht gewachsen wäre. So stand die Mittelfeldlinie – vor allem die Sechser – häufig so, dass sie weder Zugriff entwickeln konnten, noch die Österreicher im Deckungsschatten kontrollieren konnten. Alaba konnte seine Schnittstellen- und Wechselpässe in Ruhe vorbereiten, sodass er die richtungsweisenden, ersten beiden Tore mit öffnenden Zuspielen einfädelte.

Aufgabenänderung nach Führung

Unmittelbar nach dem zweiten Treffer änderte sich die Aufgabenverteilung. Alaba spielte fortan deutlich höher, womit zwischen den Linien der Liechtensteiner, die zwangsläufig aktiver werden mussten, noch mehr „umgerührt“ wurde. Alaba spielte dabei sehr positionsflexibel. In manchen Szenen ließ er sich noch immer nach hinten fallen um den Ball zu fordern, in anderen versuchte er mit diagonalen Bewegungen nach außen die Spieldynamik zu erhöhen oder kombinierte mit Junuzovic. Vereinzelt sah man ihn sogar nahe an Janko.

Baumgartlinger agierte als alleingier Sechser und war für die Absicherung zuständig. Dabei war der Mainz-Legionär aber keinesfalls passiv wenn die Österreicher im Ballbesitz waren. Er positionierte sich hoch, um im Falle eines Ballverlusts sofort ins Gegenpressing gehen zu können. In Extremfällen verließ der sogar die Zentralachse, was aber insofern kein Problem war, als die Liechtensteiner im Zehnerraum kaum präsent waren. Ihr Solostürmer stand hoch, war aber bei den antizipationsstarken ÖFB-Innenverteidigern sehr gut aufgehoben.

Taktisch unsauber, dennoch kontrollierend und souverän

Im Spielaufbau machte sich die veränderte Rollenverteilung der Zentrumsspieler ebenfalls bemerkbar. Während Alaba immer wieder beschleunigende Pässe aus der ersten Aufbaulinie spielte, sah man von Baumgartlinger mehr Zuspiele in die Breite. Damit kontrollierten die Österreicher das Geschehen und konnten in der zweiten Halbzeit den Gegner mit simplen Spielzügen ausspielen. Die taktischen Abläufe waren dabei keinesfalls perfekt, durch das zuvor kluge Variieren des Rhythmus und Wechseln der Spielrichtung wurden die Liechtensteiner aber müde gespielt.

Die einzelnen Unsauberkeiten waren teilweise bekannt, teilweise neu. So sah man vor allem in der ersten Halbzeit – aufgrund der horizontalen Bewegungen von Junuzovic – oft, dass der Zehnerraum unbesetzt war. Andererseits wirkte das Pressing weniger strukturiert, aufgrund dessen hoher Intensität und der niedrigen individuelle Qualität griff es aber dennoch. In der zweiten Halbzeit kam es dann im Kombinationsspiel – wohl auch infolge der Wechsel – zu einer sehr flachen Staffelung in der Angriffslinie. Da man sich den Gegner aber zuvor gut zurechtlegte, konnte man sich immer wieder Chancen herausspielen und gewann letztlich auch in dieser Höhe verdient.

Alexander Semeliker, abseits.at

Alexander Semeliker

@axlsem

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