Klopp`scher Überfall-Fußball gegen Contes Defensiv-Fanatiker? Nicht unbedingt. Heute treffen in der Begegnung zwischen dem Tabellenzweiten Chelsea und dem Sechsten Liverpool zwei der spannendsten Mannschaften... Premier League Match Of The Week: FC Chelsea vs. FC Liverpool

FC Chelsea - Wappen mit Farben_abseits.atKlopp`scher Überfall-Fußball gegen Contes Defensiv-Fanatiker? Nicht unbedingt. Heute treffen in der Begegnung zwischen dem Tabellenzweiten Chelsea und dem Sechsten Liverpool zwei der spannendsten Mannschaften und Trainer der Premier League aufeinander.

Die Ausgangslage

Etwas Wahres trifft ja auf Klischees immer zu, so sagt man zumindest. Vermeintlich bestes Beispiel ist der Vergleich der Spielweise vom FC Liverpool unter Jürgen Klopp, sowie Antonio Contes Chelsea. Auf der einen Seite steht der Deutsche mit seinem Vollgas-Fußball, bei dem Spiele des Öfteren eskalieren, was sein Ex-Verein Borussia Dortmund im letztjährigen Viertelfinale der Europa League erfahren musste. Bei Liverpool hat man auch in dieser Saison den Eindruck, dass die primäre Strategie darin besteht komme was wolle ein Tor mehr als der Gegner zu schießen. Das fleischgewordene HB-Männchen schaffte es bisher noch nicht, Konstanz in die Spielweise seiner Mannschaft zu bringen: Auf furiose Siege wie dem 4:3 gegen den FC Arsenal zum Auftakt, folgen verlässlich Graupenspiele – siehe das 0:2 gegen Burnley, bei dem trotz monströser Ballbesitzzahlen offensiv nichts zusammenlief.

Auf der anderen Seite Antonio Conte und sein FC Chelsea, der angeblich mit kontrolliertem Fußball und disziplinierter Defensive zum Erfolg kommt. Wie gesagt: Klischees beinhalten immer ein Körnchen Wahrheit. So führt der FC Chelsea die Statistik Passsicherheit mit im Schnitt 86 Prozent an und kassiert pro Spiel im Schnitt 0,3 Gegentore weniger als der FC Liverpool.

Es gibt aber auch Punkte, die so gar nicht zu der oberflächlichen Wahrnehmung der beiden Trainer passen wollen. Außerdem gibt es in der Spielweise mehr Überschneidungspunkte als man annehmen möchte. So legen sowohl der FC Liverpool als auch der FC Chelsea eine extrem intensive Spielweise an den Tag. Chelsea holte sich in der bisherigen Saison 19 Mal das Spielgerät vom Gegner in dessen letztem Drittel und liegt damit an der Spitze der Premier League. Eine Zahl also, die auf ein aggressives und intensives Angriffspressing schließen lässt, wofür in der Öffentlichkeit ja vor allem Klopps Mannschaften stehen. Beide Teams spielten zudem ligaweit bisher die meisten erfolgreichen Pässe im Angriffsdrittel. Liverpool führt in dieser Statistik mit 623 angekommenen Zuspielen vor den Blues mit 597. Auch in Sachen Torschüsse pro Spiel führen beide Teams die Liga an (Chelsea 20, Liverpool 18). Ein deutliches Indiz dafür, in welchem Bereich Conte und Klopp das Spiel ihrer Mannschaften bevorzugt sehen wollen.

Auch die Unterstellung Klopp stehe für bedingungsloses Umschalten und Angriff, während Conte eher auf den italienischen Defensivfußball setzt, ist so nicht immer haltbar. Beide Teams erzielten an den ersten vier Spieltagen im Schnitt 2,3 Tore pro Partie. Auch Contes Mannschaft weiß also wo das Tor steht. Dass es auch bei ihm in puncto Effizienz nicht immer italienisch zugeht, zeigte das 2:2 am letzten Spieltag gegen Swansea. Ganze 28 Mal schossen die Londoner in diesem Spiel auf das Tor; trotzdem gelangen nicht mehr Tore, was schlussendlich zu einem unnötigen Unentschieden gegen ein mittelmäßiges Team führte, da auch defensiv die nötige Disziplin fehlte. Chelsea lässt nebenbei bemerkt pro Spiel sieben gegnerische Torschüsse zu.

Dass Klopp hingegen bedingungslos auf Konter-und Umschaltfußball setzt, ist auch nur zum Teil richtig. Schaut man auf die Statistik Ballbesitz pro Spiel wird ersichtlich, dass Liverpool mit 58,4 Prozent zwar hinter Guardiolas Manchester City, aber noch vor dem FC Chelsea (57,8 Prozent) auf Platz Zwei liegt.

Das Personal

Wie gegen Burnley gesehen, kann Klopps Team den Ballbesitz jedoch nicht immer in etwas Produktives umwandeln. Im Angriff mangelt es zwar nicht an technisch starken und schnellen Spielern, wobei vor allem der Transfer von Sadio Mane die Qualität in diesem Bereich nochmals erhöhte, im Mittelfeld fehlt hingegen eine ordnende Hand. Zwar wurde mit Georginio Wijnaldum ein Box-to-Box-Player mit Potenzial verpflichtet, es gelang in der letzten Transferperiode jedoch nicht, einen zweikampfstarken und passsicheren zentralen Mittelfeldspieler an den Mersey zu holen. Die Abwehr ist zudem weiterhin die Achillesferse. Es fehlt in diesem Mannschaftsteil Innen wie Außen einfach an Qualität. Dejan Lovren, Joel Matip oder Nathaniel Clyne sind zwar durchaus brauchbare Spieler, eben aber auch nicht mehr. Mittlerweile wurde sogar Mittelfeldspieler James Milner zum linken Außenverteidiger umgeschult, bei dem sich Licht und Schatten auf dieser Position regelmäßig abwechseln.

Für eine so dringend benötigte Stärkung der Defensive könnte ein möglicher Debütant sorgen, ist der deutsche Keeper Loris Karius doch wieder einsatzfähig und als eine Verbesserung gegenüber dem fehleranfälligen Simon Mignolet anzusehen. Auf Emre Can und Innenverteidiger Ragnar Klavan muss Klopp wohl erneut verzichten.

Conte setzte bisher weitestgehend auf dem Stamm aus der verkorksten letzten Saison. Ein Transfer hat sich aber bisher mehr als bezahlt gemacht: der Franzose N`Golo Kante ist genau die Art Spieler, die Liverpool fehlt. Er sorgt für ein Gleichgewicht zwischen Abwehr und Angriff, ist kompromisslos im Zweikampf und taktisch sehr diszipliniert. Zurück zu ihrer alten Leistungsstärke fanden unter dem Italiener vor allem Eden Hazard und Diego Costa. Beide könnten zusammen mit Willian, dem einzigen Lichtblick der vergangenen Saison, die Räume nutzen, die Liverpools Defensive durch taktische Undiszipliniertheiten und individuelle Fehler dem Gegner nur zu gern offenbart.

Keine guten Nachrichten auf Seiten von Chelsea bedeutet das verletzungsbedingte Fehlen von John Terry. Zwar hat dieser seine besten Tage längst hinter sich, ist im Vergleich zu David Luiz aber wohl immer noch der bessere Verteidiger. Weiterhin sehnsüchtig wartet man an der Stamford Bridge daher auf die Genesung des langzeitverletzten Kurt Zouma.

So könnten sie spielen:

FC Chelsea: Courtois – Azpilicueta, Cahill, Luiz, Ivanovic – Kante – Hazard, Matic, Oscar, Willian – Costa

FC Liverpool: Karius – Milner, Matip, Lovren, Clyne – Wijnaldum, Henderson, Lallana – Firmino, Sturridge, Mane

Ral, abseits.at