Österreichs Fußball-Unterhaus hat traditionell eine Vielzahl an Kuriositäten zu bieten. Eine dieser Besonderheiten stellt bereits seit Jahrzehnten das Pama-Derby dar, das Ostermontag in Burgenlands... Das kleinste Derby Österreichs

Österreichs Fußball-Unterhaus hat traditionell eine Vielzahl an Kuriositäten zu bieten. Eine dieser Besonderheiten stellt bereits seit Jahrzehnten das Pama-Derby dar, das Ostermontag in Burgenlands II. Liga stattfindet. Eine Geschichte über ein Dorf, zwei Vereine – und zahlreiche Anekdoten.

Abseits des Wiener Derbys sind Städteduelle in Österreichs Profifußball mittlerweile zu einer Seltenheit verkommen. Das Grazer Derby ist seit 2007 Geschichte, auch die Stadtderbys von Linz und Lustenau, wie sie in den letzten Jahren Teil der Ersten Liga waren, finden mittlerweile nicht mehr statt. Auch das „Dörby of Love“ wird nach dem Abstieg des First Vienna FC in die fünfthöchste Spielklasse in naher Zukunft nicht mehr auf Pflichtspielebene stattfinden. Doch ausgerechnet eine Rivalität im Burgenland trotzt diesem Trend – das wohl kleinste Derby Österreichs zwischen dem UFC Pama und dem SK Pama geht am Montag in die 63. Auflage.

Die zweisprachige Gemeinde Pama liegt im Nordosten des Bezirks Neusiedl am See. Bloße Daten, wie die rund 1.200 Einwohner, lassen nichts von dem sportlichen Kuriosum erahnen, das seit Jahrzehnten zwischen dem Ufer der Leitha und der slowakischen Grenze existiert. Tatsächlich entstand so etwas wie ein fußballerischer Mikrokosmos um die zwei rivalisierenden Vereine des Dorfes.

Lange Zeit stellte der 1924 gegründete SK Pama die einzige Mannschaft des Dorfes. Doch 1960 gipfelten die Meinungsverschiedenheiten innerhalb des grün-weißen Vereins, die schlussendlich in der Gründung des blau-weißen UFC mündeten. Dabei sollen auch unterschiedliche politische Einstellungen eine Rolle gespielt haben. Heutzutage ist der unmittelbare politische Einfluss zwar nicht mehr signifikant, dennoch gelten nach wie vor der SK als SPÖ-nahe und der UFC als ÖVP-orientiert. Im Übrigen stellen beide Parteien entgegen politischer Trends nach wie vor sämtliche Vertreter des örtlichen Gemeinderates. Überspitzt formuliert existiert damit neben dem Zwei-Verein-System auch ein Zwei-Parteien-System innerhalb der Gemeinde.

Bereits vor der Erstauflage polarisierte die junge Rivalität. Aufgrund widersprüchlicher Entscheidungen bei der Anerkennung des UFC durch den burgenländischen Fußballverband wurde zunächst eine Teilnahme an der folgenden Spielzeit abgelehnt. Die (mittlerweile eingestellte) Wochenzeitung „Burgenländische Freiheit“ bezeichnete die Vorkommnisse sogleich als „Skandal von Pama“. Folglich fand das erste Aufeinandertreffen erst am 23. September 1962 statt. Eine überharte Premiere, die zwei gravierende Verletzungen zur Folge hatte: „Daß es in diesem Rivalenkampf überhaupt glimpflich ausgegangen ist, kann nur als Verdienst des Schiedsrichters Wolf gewertet werden“, schreibt die „Burgenländische Freiheit“ am 29.September 1962. Die Partie ging schlussendlich 5:1 für den SK Pama aus. Doch bereits das Rückspiel konnte die Auswahl des UFC gewinnen und landete schlussendlich sogar vor dem älteren Konkurrenten in der Tabelle. Der Mythos des Parma-Derbys – er wurde zweifelsohne von den turbulenten Anfangsjahren geprägt.

Im Laufe der Jahre trennten sich über Jahre die Wege beider Mannsschaften. Nach mehreren Auf- und Abstiegen beider Vereine fand 2014 das erste Pama-Derby seit 16 Jahren vor rund 800 Zusehern statt. Seit dem Aufstieg des SK Pama ist das Ortsderby seit dieser Saison in der II. Liga Nord wieder fixer Programmpunkt im Spielplan beider Teams.

Oftmals kämpfen Vereine im burgenländischen Unterhaus mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Die Nachwuchsabteilungen sind vielerorts bereits auf Spielgemeinschaften angewiesen, um überhaupt eine Jugendauswahl stellen zu können. Auch hier ist Pama anders: Zwei eigenständige Nachwuchsabteilungen (zur Erinnerung: in einer Gemeinde mit 1.200 Einwohnern) sowie eine solide wirtschaftliche Basis, die den Vereinen die Teilnahme an der II.Liga unmittelbar unter der landesweiten Burgenlandliga ermöglicht. Und auch dort agieren die Mannschaften nicht ohne Erfolg: Der UFC belegt aktuell Rang zwei, der SK liegt als Aufsteiger auf Platz sieben. Die bewusste Ausgewogenheit zwischen einer hohen Anzahl an Spielern aus dem eigenen Nachwuchs sowie an routinierten Legionären gilt dabei als einer der Faktoren des Erfolgs – wohl eine der wenigen bewusst betonten Parallelen. Während der SC Eisenstadt als einstiges burgenländisches Fußball-Flaggschiff seit Jahren um den Wiedereinstieg in den Ligabetrieb kämpft und seit dem Abschied aus dem Lindenstadion weiter auf Stadionsuche ist, betreiben die Vereine aus Pama jeweils ihren eigenen Sportplatz. Eine kuriose Tatsache, die bei auswärtigen Besuchern und ortsunkundigen Taxifahrern oftmals zum verwirrenden Hindernis wird.

Durch die erfolgreiche sportliche Situation sowie einem klar positiven Zuspruch sind immer wieder aufkeimende Gerüchte von einer möglichen Fusion kein Thema. Stattdessen gilt vorerst alles dem unmittelbaren Aufeinandertreffen, in dem der SK auf dem Platz des Konkurrenten auf Revanche aus ist. Der UFC gewann im vergangenen August vor rund 500 Zuschauern das erste Aufeinandertreffen mit 2:1. In der Gesamtstatistik liegt jedoch der SK Pama mit 29 zu 20 vorne.

Dass die Uhren im Burgenland gelegentlich anders ticken, beweist wohl kaum etwas so gut wie das bizarre, aber mindestens genauso sympathische Derby, das am Ostermontag die Gemeinde für 90 Minuten teilen wird. Da mag es kaum wie ein Zufall wirken, dass gerade der kroatische Name wie ein neutraler Kompromiss der grün-blauen Rivalität klingt. „Bijelo selo“ bedeutet nämlich „weißes Dorf“. Und wenn zu Wochenbeginn das Derby die Einwohner des weißen Dorfes in seinen Bann zieht, werden hunderte Schaulustige eindeutig Farbe bekennen.

Martin Wallentich, abseits.at

Martin Wallentich

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