Der erste Spieltag der UEFA Champions League-Gruppenphase bietet bereits zahlreiche spannende und prestigeträchtige Partien. Nachfolgend ein kleiner Ausblick auf zwei Begegnungen, die nicht ganz... Vorschau | Malmö FF fordert Juve, euphorische Bulgaren bekommen es mit Liverpool zu tun

Champions LeagueDer erste Spieltag der UEFA Champions League-Gruppenphase bietet bereits zahlreiche spannende und prestigeträchtige Partien. Nachfolgend ein kleiner Ausblick auf zwei Begegnungen, die nicht ganz so sehr im Zentrum der medialen Aufmerksamkeit stehen und dennoch den einen oder anderen interessanten Aspekt mit sich bringen.

Juventus Turin vs. Malmö FF

Bisherige Duelle: –

Die Rollen sind selbstredend klar verteilt, die viel zitierte Redewendung vom Duell David gegen Goliath darf wieder einmal strapaziert werden. Der Underdog aus Schweden kann nur überraschen, hat aber nach holprigem Start in der Qualifikation durchaus Kämpferherz bewiesen. Sparta Prag wurde aufgrund der Auswärtstorregel eliminiert, die Salzburger hatten im Retourspiel nicht den Funken einer Chance und so stellte ein 3:0-Heimerfolg vor frenetischem Publikum den erstmaligen Einzug in die Gruppenphase der Champions League sicher. In der schwedischen Ganzjahresmeisterschaft führt man die Tabelle seit dem ersten Spieltag ununterbrochen an, schwächelte nach dem Erfolg gegen die Mozartstädter aber etwas. Gegen Djurgardens IF setzte es eine 0:2-Auswärtsniederlage, nach der Länderspielpause mussten sich Rosenberg, Eriksson und Co gegen Mittelständler BK Häcken mit einem Remis begnügen.

Der Gegner, Juventus Turin, blickt auf einen durchaus turbulenten Sommer zurück. Insbesondere der überraschende Rücktritt von Antonio Conte sorgte für Schlagzeilen, seinen Platz an der Kommandobrücke übernahm der nicht allseits beliebte und durchaus umstrittene Massimiliano Allegri. Auf dem Spielersektor angelte sich der italienische Meister Alvaro Morata, der Mittelstürmer flüchtete aus Madrid und vor seiner wenig zufriedenstellenden Situation als Reservist. Er feierte erst am vergangen Spieltag sein Comeback nach einem Innenbandanriss. Patrice Evra verließ Manchester in Richtung Turin und soll den Defensivverbund weiter stärken. Dazu gesellen sich noch die Verpflichtungen einiger Perspektivspieler mit guten Anlagen, demgegenüber hat Juve, trotz der sich hartnäckig haltenden Gerüchte rund um einen Wechsel von Mittelfeldstratege Arturo Vidal keinen wirklich schmerzhaften Abgang zu beklagen. Den Saisonstart gestaltete Juve souverän, ohne dabei wirklich zu glänzen. Einem 1:0 gegen Chievo folgte ein solides 2:0 gegen Udinese Calcio.

Alles andere als ein souveräner, ungefährdeter Auftakterfolg der Turiner käme doch einer großen Überraschung gleich. Auch der verletzungsbedingte Ausfall von Altmeister Andrea Pirlo sollte in diesem Aufeinandertreffen nicht allzu schwer wiegen. Malmö FF, in einer Gruppe mit den Größen Atletico, Juve und dem griechischen Ligakrösus Olympiakos Piräus der krasse Außenseiter, hat allerdings bewiesen, dass man mit körperbetontem Spiel und dem Quäntchen Glück auf seiner Seite, durchaus fähig ist, eben solche zu liefern. Darüber hinaus scheiterten die Italiener im Vorjahr, freilich nicht nur, aber doch auch, am vermeintlich kleinen FC Kopenhagen, dies sollte Warnung genug sein.

Liverpool FC vs. PFK Ludogorets Razgrad

Bisherige Duelle: –

Die „Reds“ feiern ihr Comeback in der Champions League. Zum ersten Mal seit der Spielzeit 2009/2010 spielen Gerrard und Co. wieder im Konzert der Großen mit – einer wirklich guten Vorsaison, als man nach einem umkämpften Sieg gegen den späteren Champion Manchester City im Titelkampf alle Trümpfe in der Hand zu haben schien, im Finish aber vor allem durch ein höchst kurioses 3:3 gegen Crystal Palace, bei dem die Rodgers-Elf ein komfortables 3:0 in den letzten zehn Minuten verspielte, die Titelträume doch noch platzten, sei Dank. Einer der Hauptprotagonisten des Erfolgslaufes war zweifelsohne Luis Suarez, der 31 Tore und 21 Assists beisteuerte, und dass, trotz der Tatsache, dass er zu Saisonbeginn noch einen Teil seiner Sperre abzusitzen hatte. Er versäumte fünf Ligabegegnungen. Seinen Abgang zum FC Barcelona, der Liverpool die stolze Ablösesumme von 75 Millionen Euro einbrachte, kompensierte der Verein großteils mit Investitionen in die Breite der Offensive. Lazar Markovic, 20-jähriges serbisches Megatalent von Benfica, Adam Lallana, Spätzunder Rickie Lambert und vor allem Wundertüte Mario Balotelli sollen die Riesenlücke im Kollektiv füllen. Vor allem bei Letzterem wird es spannend zu beobachten sein, ob es Rodgers gelingt dem Ausnahmekönner endgültig die Flausen auszutreiben und es zu schaffen, dass sich der Italiener voll und ganz auf Fußball konzentriert, um sein großes Potenzial endlich gänzlich auszureizen. Emre Can, von Leverkusen geholt, gilt als Defensivallrounder und wird wichtig werden, da man im Vergleich zum Vorjahr, als Liverpool sich ganz auf den Titelkampf in der Premier League konzentrieren konnte, heuer so lange wie möglich auf möglichst allen Hochzeiten tanzen will. Die Belastungen werden somit ungleich höher sein, was einen breiteren Kader unbedingt erforderlich und unumgänglich macht.

Der Saisonstart verläuft bisweilen durchwachsen, es ist deutlich zu sehen, dass noch nicht ein Rädchen ins andere greift. Einem 2:1-Erfolg gegen Southampton folgte eine herbe 1:3-Klatsche gegen Manchester City, bei der man die Grenzen aufgezeigt bekam und nicht wirklich ebenbürtig war. Auch der Ausrutscher beim 0:1 gegen Weimann-Club Aston Villa verdeutlicht, dass es noch nicht so wirklich rund läuft und das Team noch nicht zu hundert Prozent eingespielt ist.

Der heutige Gegner aus Bulgarien, Ludogorets Razgrad fixierte den erstmaligen Einzug in die Gruppenphase in einem an Spannung und Dramatik kaum zu überbietenden Duell mit dem rumänischen Spitzenklub Steaua Bukarest. Im Elfmeterschießen avancierte Innenverteidiger Cosmin Moti zum viel umjubelten Helden: zum einen verwandelte er seinen Versuch sicher, zum anderen parierte er als Schlussmann zwei Steaua-Versuche, nachdem der etatmäßige Keeper Stoyanov des Feldes verwiesen worden und das Austauschkontingent bereits erschöpft gewesen war. Mit dem Aufstieg gegen Bukarest leistete Razgrad auch im Hinblick auf die Fünfjahreswertung wichtige Schützenhilfe für die kriselnden österreichischen Vertreter.

Augrund der Sperre Stoyanovs und der Tatsache, dass eine Armverletzung Ersatzkeeper Cvorovic zum Zuschauen verdammt, wird heute wohl Georgi Argilashki das Tor hüten, Neuzugang Milan Borjan verfügt nämlich über keine Spielgenehmigung für die Champions League. Neben Bulgaren setzt der Milliardärsklub vor allem auf Spieler aus Südamerika, so stehen nicht weniger als fünf Brasilianer und immerhin zwei Portugiesen im Kader, die das Spiel führen sollen.

Auf nationaler Ebene verbuchte Razgrad zuletzt drei Mal in Folge den Meistertitel für sich, auch in dieser Saison liegt man nach acht gespielten Runden mit zwei Punkten Rückstand auf die Spitze noch absolut im Soll, feierte zuletzt nach zwei Remis gegen St. Pöltens Europa League-Gegner Botev Plovdiv wieder einen vollen Erfolg.

Natürlich spricht die um ein Vielfaches höhere Qualität in den Reihen der „Reds“ hier ganz klar für einen Heimsieg, doch Ludogorets hat schon in der vergangenen Europa League-Saison bewiesen, dass mit ihnen zu rechnen ist. Nach jeweils zwei Siegen über Dinamo Zagrab und den PSV Eindhoven sowie vier Punkten aus den beiden Begegnungen mit Odessa stießen die Bulgaren sensationell ins Sechzehntelfinale vor. Dort wurde Lazio Rom eliminiert, erst im Achtelfinale biss man sich an Valencia die Zähne aus. Mit ähnlich couragierten Leistungen und der nötigen Entschlossenheit ist Ludogorets Razgrad auch in der Gruppenphase der eine oder andere Achtungserfolg durchaus zuzutrauen.

David Kühhas

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